Der nächste Morgen klopft unbarmherzig an die Tür. Wie von der Tarantel gestochen springe ich auf und sprinte auf kürzestem Wege zur Toilette, um mich geräuschvoll in die Schüssel zu übergeben. Es ist widerlich. Der Geschmack von Alkohol und Galle in meinem Mund gepaart mit kaltem, abgestandenen Zigarettenrauch und Schweiß ergeben keine gute Kombination.
Nach mehreren Minuten Würgen, stehe ich mit nasser Stirn und zitternden Händen auf, um zu spülen.
Dann blicke ich mich im Spiegel an und erschrecke zu Tode. Meine Haare sind fettig und struppig, das Gesicht unrein und von Make-up Resten verschmiert, meine Augen klein und rötlich. Entsetzt wende ich meinen Blick ab und schaue mich im Badezimmer um. Ich kann mich nicht im geringsten daran erinnern, wie ich hier hingekommen bin. Wo zum Henker bin ich?
Meinen ersten Gedanken möchte ich gar nicht erst zu Ende denken. Ich werde doch wohl nicht mit ihm im Bett gelandet sein? Panisch drehe ich mich um und verschließe die Türe, um anschließend Handtücher mit goldener Stickerei zu entdecken. Offensichtlich bin ich in einem Hotel gelandet, was zu meiner Vermutung passen könnte. Oh Gott.
Eigentlich hätte ich jetzt gerne mein Handy bei mir, würde mich bei Bea und Tessa melden, doch unter diesen Umständen traue ich mich nicht wieder heraus. Was, wenn er nebenan im Bett liegt? Aber vielleicht schlafen dort ja auch meine beiden Freundinnen? Ich kann mich einfach nicht erinnern.
Überfordert mit der Situation schüttle ich den Kopf und gönne mir eine heiße Dusche.
Danach geht es mir zumindest physisch etwas besser, doch mein Gehirn läuft auf Hochtouren. Ich ziehe Unterwäsche und Hose, in denen ich auch geschlafen haben muss, von gestern wieder an, doch das T-Shirt lasse ich aus. Zu penetrant ist der Geruch von Rauch und Alkohol.
Reglos stehe ich in dem heißen Raum, mein Gesicht im Spiegel wird immer unschärfer, das Glas beschlägt.
"Hey, sag mal lebst du noch?", reißt mich eine Männerstimme aus meinen Gedanken, was mich nervös zusammenzucken lässt.
Mit rasendem Herzen drehe ich das Schloss um und öffne die Tür.
"Alles gut, ich weile noch unter euch", murmle ich verlegen.
Seine blauen Augen starren direkt in meine, ein verschmitztes Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht, als er mich und meinen Zustand sieht.
"Du hast uns gestern ganz schön auf Trapp gehalten, junges Fräulein. Deine Mädels haben sich ziemliche Sorgen gemacht, weil du dich so zulaufen lassen hast. Da wäre Kamillentee wohl angebrachter gewesen."
Peinlich berührt lache ich auf, was aber eher einem Röcheln gleicht.
"Lass mich jetzt mal durch, ich muss echt dringend pissen und du hast mit deiner Kotzerei wohl lang genug das Bad blockiert."
Als Nico auf der Toilette verschwindet fällt mir ein Stein vom Herzen. Gott sei Dank ist es nicht Felix, mit dem ich heute Nacht das Bett geteilt habe. Und jetzt, wo ich Nico gesehen habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass mit ihm gestern nichts gelaufen sein kann. Ich kenne mich, ich hätte mich sonst um einiges peinlicher verhalten und mein Gefühl sagt mir, dass ich aufatmen kann.
Ich setze mich auf das zerwühlte Doppelbett und versuche mit meinen Fingern notdürftig die Haare zu kämmen, während Nico in T-Shirt und Boxershorts wieder in den Raum geschlendert kommt. Bei meinem Anblick bricht er in schallendes Gelächter aus.
"Du siehst so scheiße aus!", bringt er glucksend hervor und zieht aus seinem Koffer ein schwarzes Shirt, das er mir lässig zuwirft. "Eine Bürste kann ich dir leider nicht anbieten", schmunzelt er und zeigt auf seinen abrasierten Schädel.

DU LIEST GERADE
Hallo Nacht. [Kraftklub]
FanfictionEndlich steht das lang ersehnte Kraftklub Konzert vor der Tür, auf das Elena und ihre Freunde schon so lange hingefiebert haben, doch wie sich der Abend noch entwickeln würde, hätte sich Elena nicht im Traum ausmalen können. Hier eine kleine Geschic...