London. Sarah.
Es hatte bereits zu dämmern begonnen, als die Pferde zurück in ihren Boxen waren und sich das frische Heu genüsslich einverleibten. Friedvoll standen sie da. Von draußen konnte man die letzten Autos hören, die in der Ferne entlangfuhren und hier im Stall kratzten Hufe über den Boden.
Sie verräumten noch zusammen das Sattel- und Zaumzeug. Will ging schon vor, nach draußen und Sarah und Tom folgten ihm nach einem kurzen Moment. Seitdem sie wieder hier im Stall waren, lächelte Tom ununterbrochen. Gerade als Sarah durch die Tür gehen wollte, spürte sie seine Finger, die ihren Arm festhielten. Verwundert drehte sie sich zu ihm um.
Tom schob beide Hände in die Hosentaschen und sah ihr in die Augen. Das hellblau der seinigen erinnerte an blaues Glas. Abwartend lächelte Sarah ihn an und strich sich eine blonde Haarsträhne hinters Ohr, die sich aus ihrem geflochtenen Zopf gelöst hatte. „Was ist denn?"
„Ich wollte nur sagen, dass es heute sehr schön war mit dir." Er lachte kurz nervös und Sarah bemerkte, dass sich eine verräterische Röte auf seinen Wangen ausbreitete. „Das würde ich gerne wiederholen."
„Mit Will?", sagte Sarah belustigt und zog eine Augenbraue in die Höhe.
Tom lachte nun lauter und schloss die Schnallen seiner braunen, robusten Kampfjacke. Während alle Agenten bei Aufträgen und beim Training schwarz gekleidet sein mussten, konnten die Angestellten zwischen verschiedenen Farbvariationen wählen. „Nein", er schüttelte den Kopf; immer noch lächelnd. „Alleine mit dir."
Nun färbten sich auch die Wangen von Sarah hellrot und sie hüstelte kurz. Sie wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte, da sie Tom eigentlich nur als guten Freund sah. Also entschied sie sich für die erstbeste Erwiderung, die ihr einfiel: „Ich denke, ich könnte noch ein bisschen mehr Unterricht im Zweikampf brauchen. Du scheinst ein sehr guter Lehrer zu sein." Sie sah, dass kurz eine gewisse Enttäuschung in seinen Zügen stand, aber dann strahlte er sie an.
„Sehr gerne."
Sarah nickte ihm nochmal lächelnd zu und öffnete dann die Tür, wodurch beide hindurchschlüpften. Sarah bestand darauf, noch einen kurzen Spaziergang zu machen, anstatt drinnen zu ihren Zimmern zu gehen. Sie liebte es, abends draußen zu sein.
Will stand ein paar Meter neben dem Seitenausgang und starrte gen den Himmel. Als der Blondhaarige die Tür hinter sich geräuschvoll ins Schloss zog, drehte er sich um. Er erschien in der Dunkelheit wild wie eh und je; die zerzausten Haare, die funkelnden Augen und das spitzbübische Grinsen im Gesicht, welches manchmal wie eingemeißelt wirkte.
„Beeilung. Ich dachte schon, die Mäuse hätten euch gefressen." Er sah erneut in den Himmel, als er hinzufügte: „Ich denke, es beginnt gleich zu schneien."
Will hatte Recht, denn kurz darauf fielen die ersten Schneeflocken auf den Londoner Boden. Sie gingen gerade die rechte Seite des Instituts entlang, als sie auf Juliett trafen.
Die Besagte sah die drei erfreut an und stemmte dann eine der Lebensmittelkisten hoch, die heute geliefert wurden. „Dann hab ich euch also gerade rechtzeitig abgefangen. Ich konnte weder Oliver noch Jack irgendwo finden, weswegen einer von euch doch bitte so lieb wäre, mir beim Reintragen zu helfen." Sie lächelte ihnen kurz zu, wobei ihre Perlenohrringe sogar in der Dunkelheit glitzerten. Aus dem Augenwinkel nahm Sarah wahr, dass Tom sofort stehen blieb und zu Juliett hinjoggte. Dann stemmte er zwei Kisten gleichzeitig hoch, woraufhin ihn die junge Haushälterin dankend ansah. Augenscheinlich hatte sie gehofft, einen der Jungs hier draußen anzutreffen - denn alleine durften weder Juliett noch sie oder Diana raus. Tom warf Sarah und Will noch einen kurzen Blick über die Schulter zu. „Ich helfe Juliett. Ihr kommt ohne mich klar?"
„Ehrenwert, Tom." Will deutete eine Verbeugung an und winkte den beiden dann mit zwei Fingern zu. „Ich würde dir ja auch helfen, aber ich muss noch einen Spaziergang zu Ende bringen." Er sah Sarah bedeutend an, die noch eine Verabschiedung und bis morgen murmelte, dann ging sie mit schnellen Schritten neben Will, der bereits losgegangen war.
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His Own Salvation.
Misterio / SuspensoSeine persönliche Erlösung. „Niemand bemerkte, wie schuldig er sich fühlte, sie sahen nur seine Schuld. Niemand sah den Schmerz, in dem er sich befand, sie sahen nur den Schmerz, den er verursachte. Niemand merkte, dass er sich selbst hasste, weit m...
