Eleventh

145 19 5
                                        

London. Sarah.

In den nächsten Sekunden passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Will riss Diana vom Boden hoch und drückte sie gegen die Wand, wo diese weinerlich protestierte.

Tom telefonierte mit Caroline, dass sie Gerry brauchten und erzählte ihr im Schnelldurchlauf von Dianas Verrat.

Derweil ging Sarah mit Jack auf den Verletzten zu, banden seine Platzwunde am Kopf, das gebrochene Kiefer und den Messerstich im Bauch so gut es ging ein.

Es sah nicht gut für Hayman aus. Er war blass und schwitzte, hatte bereits viel Blut verloren und außerdem war er kalt. Man hatte ihn übel zugerichtet und Sarah konnte nicht aufhören darüber nachzudenken, welchen Hintergrund dies wohl gehabt haben musste.

Hatte er einen Auftrag nicht richtig ausgeführt? War er bei einer Drogenübergabe überwältigt worden? Oder hatte das alles einen anderen, komplizierteren Grund?

„Weiß sie, warum er hier ist?", fragte Sarah dann Will, der mit verbissener Miene eisern die Braunhaarige an die Wand drückte. Sie beobachtete das Tun von Sarah und Jack aus weiter Ferne, stumme Tränen liefen ihr unaufhörlich über das Gesicht.

Will wandte den hasserfüllten Blick nicht von Diana ab. Er versuchte nicht einmal, seine Abscheu gegenüber Diana zu verstecken - und Sarah konnte es ihm nicht verübeln.

Der Schwarzhaarige dachte kurz nach. „Sie hat irgendwas von zu wenig Koks oder so erzählt", sagte er dann.

„Caroline und Gerry kommen", rief Tom durch den Raum. Keine Minute später waren die beiden da. Gerry kniete sich mit seinem Arztkoffer sofort neben Jack, der ihm erklärte, was er und Sarah bereits getan hatten. Dann durchbrach zum ersten Mal seit dem Eintreffen der Jungs Dianas Stimme das Gewusel.

„Bitte helft ihm, ja? Bitte."

Wütend knurrte Will sie an. „Ich denke nicht, dass er es überhaupt verdient hat, gerettet zu werden. Zumindest nicht von uns", erwiderte Will hart. Sein Profil wirkte emotionslos.

„Er könnte uns nützlich sein", sagte Caroline ruhig. Dann deutete sie auf Diana. Sofort räumte Will den Platz, woraufhin Diana wie ein nasser Sack auf den Knien landete.

Das Gesicht der Institutsleiterin wurde kaltherzig. Ein angespannter Zug lag um ihren Mund, als sie Dianas Namen aussprach. „Diana Prentiss."

Sie wartete geduldig, bis die Angesprochene aus roten Augen leidend aufsah. „Gibson und George werden dich mit Mr. Cruncher zusammen nach Manchester bringen, wo du von den Vorgesetzten erstmal befragt und verhört werden wirst." Sie machte eine kurze Pause und man sah ihr an, wie schwer es für sie war, die richtigen Worte zu wählen. „Ich weiß nicht, wie deine Strafe aussehen wird - das entscheiden allein die Vorgesetzten. Vermutlich wirst du dort für kurze Zeit ins unterirdische Gefängnis kommen, bis das Urteil gefällt wurde. Es tut mir leid, dass dies alles nun so enden musste."

Erst jetzt fielen Sarah die beiden Brüder auf, die wie Bodyguards hinter der schmächtigen Caroline standen. Diese trat einen Schritt zurück und ließ die beiden passieren; sogar mit Vorsicht nahmen sie Diana an beiden Armen hoch. Elendig hing sie in den Armen der beiden, wobei ihr Blick nicht von Luke Hayman wich. Sein Gesicht sah schon viel besser aus - Gerry hatte notdürftig das ganze Blut entfernt und die Wunden eingebunden. Schließlich schien Diana doch noch ins Leben zurückzukehren, denn sie sah Caroline aus verheultem Gesicht an.

„Ich musste es tun. Sie hätten ihn sonst entsorgt." Ihre Stimme klang trotz allem relativ fest - sie musste den jungen Mann wirklich lieben, wenn er ihr so viel Kraft gab.

„Sie haben ihn jetzt schon fast umgegrätscht", warf Will verbissen dazwischen. „Sieh ihn dir doch an. Und das alles nur, weil er den Dealern zu wenig Koks verkauft hat? Sehr fragwürdig."

His Own Salvation.Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt