CHELSEA
Es war bereits mitten in der Nacht, als ich schweißgebadet in meinem höchst ungemütlichen Bett wach wurde. Ich hatte den wohl grauenhaftesten Albtraum aller Zeiten. Leise seufzend streckte ich meine Hand nach der Wasserflasche aus, die direkt neben meinem Bett stand, als plötzlich ein lautes Schnarchen ertönte. Erschrocken zog ich schnell meine Hand zurück und dachte im ersten Moment es wäre Sam gewesen, aber es war eine aus der Zelle nebenan. Schwer atmend sah ich durch das Gitter, das gleichzeitig auch unsere Tür war und entdeckte plötzlich eine schwarze Gestalt die immer wieder am Gitter vorbei lief. Ängstlich kuschelte ich mich tief in die Decke. Ich versuchte zu erkennen, was es war, doch ich erkannte nur eine Silhouette. Doch plötzlich schaltete die Gestalt eine Taschenlampe ein und ich erkannte, dass es nur die Nachtwache war. Erleichtert atmete ich aus und trank dann endlich einen Schluck von meinem Wasser. Nachdem ich die Flasche wieder zurück gestellt hatte, versuchte ich weiter zu schlafen. Doch es gelang mir einfach nicht. Die kalte Luft die immer wieder um meine Füße zischte und der modrige Gestank von draußen, als auch die Abwesenheit von Justin hielten mich davon ab. Justin. Mein Gott, ich vermisste ihn ja so. Ich hatte doch erst 11 ein halb Monate ohne ihn durchleben müssen und jetzt sollten es wieder mehrere Monate werden? Wie sollte ich das überstehen? Wie sollte unsere Liebe sowas überstehen?
In Gedanken verloren bemerkte ich zunächst nicht die Tränen die mir unkontrolliert die Wange hinab rollten. Traurig seufzte ich. Als ich wieder Schritte hörte, wurde meine Aufmerksamkeit wieder auf die Wache gezogen die ein weiteres Mal an meiner Zelle vorbei lief. Ich beobachtete ihn wie er konzentriert ein Fuß vor den anderen setzte. Er aber schien nicht mal zu bemerken, dass ich wach war. Und plötzlich kam mir eine Idee. So leise wie möglich verließ ich mein Bett und tapste auf leisen Solen auf die Wache zu, die grade dabei war ein weiteres Mal an meiner Zelle vorbei zu laufen. Doch dieses Mal hielt ich ihn auf. „Hey, Wache!“ zischte ich im Flüsterton. Die Wache zuckte vor Schreck leicht zusammen, gab aber gottseidank keinen Muchs von sich. Erst sah er sich verwirrt um, bis er mich am Gitter entdeckte und zu mir kam. „Was gibt’s?“ flüsterte er. Jetzt erst erkannte ich seine Gesichtszüge. Er war eher jung. Vielleicht zwei Jahre älter als ich. Ich biss mir auf der Lippe rum und traute mich nicht recht ihm mein Anliegen zu verraten. „Reden sie, Jones oder gehen sie wieder schlafen!“ zischte er immer noch leise. Ich leckte mir über die Lippen und überwand mich meine Frage zu stellen. „Em also ich weiß, dass es total blöd ist und mir ist klar, dass sie es sowieso nicht dürfen aber ich bin wirklich verzweifelt und ich halte es nicht länger aus, also bitte, könnten sie mich ganz kurz, nur für 5 Minuten telefonieren lassen? Ich weiß, ich muss eigentlich erst ein paar Monate warten, aber ich halte das einfach nicht mehr aus! Ich muss einfach unbedingt mit meinem Freund sprechen! Bitte!“ flehte ich und war in diesem Moment dankbar für die zwei kleinen Tränen die meine Wange hinab kullerten. Die Wache ringte mit sich selbst. „Ich kann das nicht tun! Ich könnte suspendiert oder sogar gefeuert werden!“ erklärte er und wollte schon weiter gehen, doch erneut hielt ich ihn auf. „Bitte!“ flehte ich und war kurz davor in Tränen auszubrechen, „nur für 5 Minuten! Es erfährt auch keiner!“ versprach ich und drehte mich dann um, um sicher zu gehen, dass Sam noch schlief. Dann drehte ich mich wieder zu der Wache. Er seufzte und kratzte sich im Nacken. „Na schön“ zischte er leise. Mein Herz ging in diesem Moment auf und ich hätte Freudensprünge machen können. „Oh mein Gott! Danke, danke danke!“ sagte ich glücklich. Die Wache nickte nur, sah sich um und holte dann einen Schlüssel hervor, mit dem er so leise wie möglich meine Zelle öffnete und sie, nachdem ich sie verlassen hatte, wieder schloss.
Er lief ganz dicht neben mir während wir zum Telefon liefen. 5 Meter davor blieb er stehen und ließ mich alleine, der Privatsphäre wegen. Wofür ich mich dann auch noch mal bedankte.
Als ich dann endlich am Telefon ankam, wartete ich nicht lange sondern tippte gleich die Nummer ein. Ich schickte ein Stoßgebet zu Gott, dass irgendwer wach sein würde. Nachdem 3 Tuten, tat sich immer noch nichts und ich wurde langsam panisch. Nachdem 4 Tuten passierte ebenfalls nichts. Doch dann grade als sich der Anrufbeantworter einschalten wollte hob jemand mit müder, kratziger Stimme ab. „Ja?“ sagte die Schlaftrunkene Person und war ganz offensichtlich Damon. Ich hörbar ein und aus und konnte im ersten Moment nichts sagen. „Hallo?“ fragte Damon wieder. Ich atmete frische Luft ein und brachte dann endlich ein leises „Ich bins“ hervor. Am anderen Ende der Leitung wurde es augenblicklich still. „Ch-Chelsea?!“ hackte Damon überrumpelt nach. „Ja, ja ich bins..bitte, bitte gib mir Justin, ich habe nicht lange Zeit!“ flüsterte ich wieder und drehte mich zu dem Wachen um, der ungeduldig auf seine Armband Uhr tippte. ´Hastig nickte ich und drehte mich dann wieder um. „Eh, ja okay“ sagte er, dann hörte ich nur wie er die Treppen hoch polterte und eine Tür die aufging. „Justin wach auf man!“ rief Damon. Ein genervtes Knurren war deutlich zu hören und beschleunigte mein Herz als auch meinen Puls. „Verpiss dich Damon“ spuckte Justin. „Halt die Fresse und steh auf, deine Freundin ist am Telefon!“ zischte Damon. Alles wurde erneut still, wie schon vorhin. Und im nächsten Moment hörte ich ein Rascheln und dann endlich Justins Stimme. „Chelsea?!“ zischte er aufgebracht. „Hi“ sagte ich leise und konnte die Tränen nicht mehr zurück halten. Lautes Atmen ertönte am anderen Ende der Leitung. „Verdammt Chelsea“ seufzte er erleichtert. „Justin ich-. Ich..“ stotterte ich und wusste nicht recht was zu sagen. „Ich vermisse dich“ war letztendlich das einzige was ich sagen konnte, bevor ich in Tränen ausbrach mich aber zurück hielt zu schluchzen. „Ich vermisse dich auch Baby!“ sagte er und der Schmerz in seine Stimme war dabei unüberhörbar. „Ich will hier raus, ich ertrage das nicht mehr..ich, ich kann einfach nicht mehr“ schluchzte ich ganz leise. „Baby, bitte..bitte wein nicht! Okay? Hör auf zu weinen!“ flehte Justin. Ich atmete tief durch und versuchte krankhaft stark zu bleiben. „Hör mir zu, ich. Hole. Dich. Da. Raus!“ sagte er und betonte jedes Wort. „Aber wie?“ schluchzte ich erneut. Ich schaffte es einfach nicht, nicht zu weinen. „Ich finde einen Weg! Das verspreche ich dir, Baby! Halt nur noch ein paar Tage höchstens durch! Ich komme und hole dich, ich lasse dich nicht da drinnen!“ versprach er und klang dabei vollkommen überzeugt. Ich konnte mir nicht vorstellen wie er das hinkriegen wollte und was sein Plan war, aber ich hatte auch keine Zeit mehr mich damit auseinander zu setzten, denn die Wache meckerte mich bereits im Flüsterton an. „Justin ich muss wieder auflegen! Ich dürfte eigentlich gar nicht telefonieren! Ich versuchte morgen Nacht wieder anzurufen!“ flüsterte ich hektisch. Ein trauriges Seufzen erklang am anderen Ende. „Okay..aber bitte hör jetzt auf zu weinen, Baby!“ flehte er. „Okay, ich versuchs‘“ versprach ich ihm. Wieder ein Seufzen. „Ich liebe dich Chelsea!“ sagte er und mein Herz tat in diesem Moment unwahrscheinlich weh. Ein leises Schluchzen entglitt mir und neue Tränen kamen. „Ich dich auch Justin!“ flüsterte ich dann hängte ich ab.
„JONES!“ zischte die Wache leise. Schnell lief ich auf ihn zu. „Jaja!“ flüsterte ich, „danke noch mal!“ Er nickte nur und schob mich dann zurück in Richtung meiner Zelle. Erleichtert kamen wir gottseidank auch ungesehen dort an. Die Wache schloss auf, ich ging rein, und er schloss wieder ab. Bevor er gehen konnte flüsterte ich noch mal ein „Danke“ er nickte. „Ach ja, nennen sie mich Mike!“ sagte er nett und zwinkerte mir zu. Überrascht runzelte ich die Stirn. „Dann nenn mich doch auch Chelsea!“ lächelte ich zurück. Er hielt mir durch das Gitter die Hand hin, woraufhin ich sie ergriff und wir sie schüttelten. „Gut und jetzt geh schlafen“ herrschte er mich gespielt schroff an. Ich setzte ein kleines Lächeln auf und lief dann zurück in mein Bett, danach verschwand Mike wieder in der Dunkelheit. Unglaublich, ich hatte mich grade mit einer Wache angefreundet.
JUSTIN
„Was hat sie gesagt?“, „Wie geht es ihr?“, „Ist alles okay mit ihr?“ und, und, und. Die Jungs bombardierten mich gleich nach dem ich aufgelegt hatte mit Fragen. Dabei war ich nicht Mal im Stande sie zu beantworten. Ich war viel zu aufgewühlt. Und würden sie nicht gleich ihre verdammten Klappen halten, dann würde ich noch komplett ausrasten.
„Seid verdammt doch mal still! Ich muss nachdenken, klar?! Also nervt nicht rum!“ zischte ich verärgert und sah sie genauso an. Danach sagte keiner mehr was. Stumm lief ich zurück in mein Zimmer. Mein Herz blutete bei dem Gedanken, dass Chelsea vermutlich immer noch weinte. Ich konnte nicht ertragen, dass sie dort saß, statt mir. Verdammt dieses Mädchen würde das nie im Leben noch eine Woche aus halten. Und ich genau so wenig. Ich werde sie da raus holen, koste es was es wolle!
CHELSEA
Nach dem Mike weg war, bekam ich ein Auge mehr zu. Ich lag die ganze Zeit im Bett, starrte in die Dunkelheit und dachte an Justin. Dachte über seine Worte nach. Er klang so sicher, als er sagte, dass er mich hier raus holen würde. Doch wie? Ich hatte keinen blassen Schimmer. Aber eines war klar, es wäre in jedem Fall illegal. Und ich wusste nicht ob mir das gefiel. Doch andererseits wollte ich doch einfach nur hier raus und wieder bei Justin sein. Ich hatte keine Lust noch mal verprügelt zu werden. Ich würde es hier keinen Monat aushalten. Spätestens in den nächsten zwei Wochen werden sie mich in einem Leichensack hier raus transportieren wenn Alice weiterhin auf Ärger mit mir aus ist. Und darüber war ich mir eigentlich ziemlich sicher. Sie hasste mich jetzt schon. Warum, konnte ich mir zwar nicht vorstellen. Möglicherweise wollte sie auch einfach nur die Rangordnung hier verdeutlichen. Naja jedenfalls, würde ich mit ihr nicht einfach zusammen leben können. Wie mit Sam z.B.
Ich seufzte. Ich war kein bisschen müde. Nach dem Telefonat war ich so aufgewühlt. Alles woran ich denken konnte, waren die blödesten Dinge, oder einfach nur, dass ich verdammt nochmal aus diesem verfluchten Loch hier raus wollte! Frustriert starrte ich wieder in die Dunkelheit. Schnarch Geräusche aus den anderen Zellen erklangen wir vorhin schon und waren ein weiterer Punkt, der dazu führte, dass ich nicht einschlafen konnte. Und so verlief es auch des Rest der Nacht. Ich schlief kein bisschen mehr.
Als am nächsten Morgen die Wachen an den Zellen vorbei liefen und mit ihren Schlagstöcken gegen die Gitter der Zellen schlugen, war ich immer noch wach. Sam stöhnte genervt und drehte sich auf die andere Seite. Einem der Wachen entging das nicht, weshalb er gleich zu unserer Zelle ging. „Auf stehen Masterson!“ brüllte er. Seine schroffe, harte Stimme ließ mich zusammen zucken. Ich vergrub mein Gesicht unter der Decke und wollte am liebsten nicht aufstehen. Das alles hier war einfach zu beängstigend. Doch ich sollte genauso wenig Glück haben wie Sam. Die Wache brüllte auch mich an. Erschrocken zuckte ich erneut zusammen und stand augenblicklich auf. Meine nackten Füße berührten den kalten Betonboden. Gleich darauf durchfuhr ein eiskalter Schauer meinen Körper als Sam mich plötzlich am Oberarm berührte. „Ey Shelly! Du zitterst ja!“ stellte sie fest und so mich mit gerunzelter Stirn an. Verwundert sah ich auf meine Hand und stellte ebenfalls fest, dass ich in der Tat zitterte. „Ohu em..muss wohl an der Kälte liegen“ redete ich mich raus. Misstrauisch nickte Sam, lief dann zum Spiegel und putzte sich die Zähne. Ich tat es ihr gleich und zog mir danach den orangenen Overrole an, denn jede Gefangene anhatte. Meiner war allerdings ein paar Nummer zu groß, und sah total dämlich an mir aus, deshalb band ich mir den oberen Teil um die Hüfte und trug einfach ein weißes Top oben rum. Sam passte mit ihrer breit gebauten Statur perfekt in ihren Overrole. Das Geräusch, das gestern Abend noch wie Musik in meinen Ohren klang, heute aber wieder unerträglich war, erklang und die Gitter öffneten sich. Sam verließ ohne jedes weitere Wort die Zelle. Ich kaute mir auf der Lippe rum und sah ihr hinter her. Na schön..Der nächste Tag in dieser Hölle.
-
DU LIEST GERADE
Everythings gonna be alright?- No!
Fanfiction>> Das ist der zweite Teil von "If i was your Boyfriend << So lange haben sie gekämpft, die schlimmsten Dinge durchgemacht und zum Schluss haben sie doch noch gewonnen. Jeremy steckt im Knast. Sie haben erreicht, wofür sie so lange gekämpft haben. N...
