"Jared isn't my brother anymore!

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Liebes Tagebuch,

ich bin frei. Mein Ausbruch ist gelungen. Ich bin tatsächlich frei. Aber ich fühle mich nicht so. Trotz der Tatsache, dass ich an dem wahrscheinlich wunderschönsten Ort, mit dem Jungen den ich so sehr liebe, in einem sündhaft teuren, luxuriösen Haus bin, fühle ich mich nicht frei. Ich fühle mich eingeschlossen. Mit diesen ganzen verfluchten Problemen. Meine beste Freundin hat mich im Stich gelassen. Meine Eltern, ich weiß nicht was sie genau über mich denken, aber sicher nichts Gutes. Ich, ich bin Flüchtige, für mein Leben lang. Jensen sagt, ich wäre hier sicher, aber das glaube ich nicht. Ich fühle mich nirgends mehr sicher. Ich fühle mich nur noch hundeelend. Ich dachte, ich dachte wirklich ich hätte, all diese Probleme von damals überwunden, hinter mich gebracht, aber dem ist nicht so. Jetzt habe ich viel mehr das Gefühl, dass sie um das sie verdoppelt wurden. Und jetzt ist da keine beschissene Mauer mehr, die mich retten kann. Ich bin ganz allein. Ich habe Angst. Justin, ja Justin könnte mir bei stehen. Aber, ich will nicht. Zum ersten Mal, seit dem ich ihn kenne, wirkt er so unbeschwert. Er ist einfach glücklich. Nicht lastet mehr auf seinen Schultern. Das lodern in seinen Augen, dass ich jedes Mal sehe, beweist das. Und darum kann ich ihm einfach nicht von meinen Problemen erzählen. Er würde sich nur wieder für alles verantwortlich fühlen und damit wäre das Feuer in seinen Augen, das ich so sehr liebe, verschwunden. Ich schätze ich habe keine andere Wahl. Ich muss meine Gefühle selbst bewältigen, wenn ich auch noch nicht im geringsten weiß, wie..

Ich saß im Badezimmer auf dem beheizten Boden und tat, was ich auch gestern getan hatte. Ich weinte. Justin lag noch im Bett, schlief Seelenruhig. Er hatte Gott sei dank nichts von allem gestern mitbekommen. Ich habe geschafft es herunter zu spielen. Wie ich es immer tat. 

Es war früher Morgen. In spätestens einer Stunde musste Justin aufstehen, seinem Job nach gehen. Dann war ich für einige Stunden allein. Dieses Mal passte niemand auf mich auf. Schließlich war ich hier ja sicher. So sagten sie es immer. 

Die Tränen flossen meine Wangen hinab. Ich weinte lautlos. Justin sollte ja nichts mitbekommen. Die Schluchzer verkniff ich mir. Gedanken über Gedanken brachten immer neue Tränen zum Laufen. Es war ein furchtbares Gefühl, wenn einen alle Probleme über rollten. Nicht nur die großen, wie Travis, Finn, die Flucht oder, oder. Nein es waren auch die kleinen, die kleinen die einen eigentlich nie interessierten. Doch ich befand mich in einer so Gefühls labilen Phase, alles schienen Zentnerschwere Probleme sein. 

„Chelsea?“ hörte ich plötzlich Justins Stimme rufen, als er einmal kurz gegen die Tür klopfte. Ich erschreckte. Meine Augen weiteten sich.Verdammt, warum war er denn jetzt schon wach? „Eh, ja warte..ich eh, ich war grade auf eh, ..ich war duschen, Moment“ stotterte ich.Verdammt, Verdammt, Verdammt! Panisch sprang ich von Boden auf und rannte zum Waschbecken, wo ich mir mehrere Male kaltes Wasser ins Gesicht spritzte. Doch trotzdem sahen meine Augen total verheult aus. Hilflos kratzte raufte ich mir die Haare, als ich einfach nach Make-up griff und mir davon etwas unter die Augen schmierte und es verteilte. Es half ein wenig. Ich musste einfach für die nächsten Minuten den Blickkontakt mit Justin vermeiden. Schnell lief ich zur Tür, schloss sie auf und öffnete sie dann. Gleich schlang Justin seine Arme um meine Taille. Ich drückte meinen Kopf gegen seine Brust. Am liebsten hätte ich sofort weiter geweint. „Morgen“ nuschelte er gegen meine Haare und küsste meinen Kopf. „Morgen“ nuschelte ich ebenfalls. „Du siehst mir aber nicht so aus, als hättest du geduscht“ bemerkte Justin irritiert. Ich schluckte. O je. „Ja em, ich hab mich auch schon abgetrocknet und angezogen“ sagte ich und fügte ein gefälschtes Lachen hinzu, das hoffentlich nicht zu auffällig war. „Mhh, okay“ sagte er und kuschelte sich enger an mich. „Ich hasse es, dass ich gleich los muss“ jammerte er und verstärkte seinen Griff um mich. „Ich will lieber den Tag mit dir verbringen“ jammerte er weiter. „Ich auch, aber ist schon okay. Erledige du, was du zu tun hast und komm mir wohl behalten wieder zurück“ sagte ich, obwohl ich ihn viel lieber gezwungen hätte zu bleiben. Aber ich musste ihn jetzt erst mal schnell abwimmeln. Justin seufzte traurig und genervt zu gleich. „Na schön“ meckerte er, „dann mach ich mich mal fertig.“ Er entfernte sich ein Stück von mir und wollte mich ganz offensichtlich küssen. Schnell wich ich ihm aus und vermied damit grade noch rechtzeitig den Blickkontakt. Ohne hinzugucken wusste ich, welchen Blick Justin drauf hatte. „Verschieben wir das auf nachher“ sagte ich schnell, schob ihn ins Bad und schloss gleich die Tür. Erleichtert atmete ich aus. Das war grade noch gut gegangen. Aber ich wusste, er würde noch Fragen stellen. Und für die musste ich mir noch was einfallen lassen.

Everythings gonna be alright?- No!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt