Wie versteinert lag ich weiter auf der Liege draußen auf der Terrasse. Ich hatte keine Ahnung wieso, aber dieser Jared, er jagte mir eine heidenangst ein. Vielleicht lag es daran, dass Jensen so merkwürdig über ihn gesprochen hatte, oder auch einfach, an der Art, wie Jared mit mir gesprochen hatte. Oder daran, dass er wahrscheinlich ganz genau weiß, dass du nicht Shelly heißt, sondern Chelsea und auf der Flucht bist! Brüllte mein Unterbewusstsein mir zu und sah mich außer sich vor Wut an. Sofort packte mich die Panik. Mein Herz stand Sekunden lang still. Verdammt, verdammt, verdammt, nein! Auf einen Schlag wurde mir kotz übel. In Lichtgeschwindigkeit rannte ich hoch in unser Zimmer und schaffte es grade noch so, mich in die Toilette zu übergeben. Warum ich auch so dumm war und nicht einfach auf einer der milionen Toiletten im ersten Stock gegangen war, blieb mir auch ein Rätsel. Nachdem das ganze Frühstück meinen Magen verlassen hatte, rappelte ich mich auf und lief sichtlich geschwächt zum Waschbecken, wo ich mir das Gesicht mit kaltem Wasser wusch und gleich darauf meine Zähne putzte um den sehr unappetitlichen Geschmack von meiner Zunge zu bekommen. Keuchen ließ ich mich letztendlich auf den beheizten Badezimmerboden sinken und starrte aus dem riesigen Fenster, hinaus in die endlose Ferne des weiten Meeres. Verflucht. Was ist nur mit mir passiert? Nichts ist mehr wie es war. Alles läuft schief, alles ist zerstört. Mein Leben liegt wie ein Scherbenhaufen direkt vor meinen Füßen. Was war denn noch gut in meinem Leben? Die Beziehung zu Justin? Ich seufzte. Vermutlich war das, der einzige Grund der meinem Leben jetzt noch Sinn verlieh. Auf einmal wurde mir eiskalt. Wie gern ich jetzt Justin bei mir hätte. Wie gern ich einfach nur in seinen Armen liegen wollte. Ein grauenvoller Gedanke, kam mir in den Sinn. Was, wenn Justin bei einem seiner Aufträge, bei seinem Job, starb. Wenn etwas entsetzlich schief ging und ich ihn verlieren würde. Ich spürte wie sich mein Magen augenblicklich wieder verkrampfte und es drohte eine weitere Ladung Kotze aus mir heraus zu kommen. Ich atmete tief ein und unterdrückte die Übelkeit. Ich schüttelte den furchtbaren Gedanken ab. Nein! Justin wird nicht sterben. Die Gedanken an Jared breiteten sich wieder in meinem Hirn aus. Vermischt mit allem dem anderen Mist, der mich belastete und entsetzliche Schmerzen in meinem Inneren auslöste. Schmerzen die ich nicht bewältigen konnte. Verflucht, wie auch? Ich war verdammt nochmal allein. Kein Mensch würde es jemals schaffen, so viele Dinge alleine zu durchstehen. Aber mir blieb doch keine andere Wahl. Zumindest, solange ich wollte, dass Justin weiterhin Sorgenfrei und unbekümmert war. Solange ich wollte, dass er glücklich war. Ich seufzte und lachte sarkastisch auf, als mir ein Gedanke kam. Ein Gedanke, über den angeblich einzigen Weg, wie ich mich von dem Schmerz befreien konnte. Sofort sah ich die glänzende, unfassbar scharfe Klinge vor meinen inneren Augen. Bist du tatsächlich schon so weit? Mein Unterbewusstsein musterte mich mit einer gehobenen Braue. War ich das? War meine eigentliche Meinung über das Ritzen plötzlich unbedeutend geworden? Ich atmete tief ein und aus und schloss die Augen. Als ich sie wieder öffnete, ertappte ich mich dabei, wie ich bereits vor dem Badezimmerschrank stand und eine Tür geöffnet hatte. Nicht mal einen halben Meter von mir entfernt lag die Klinge, die ich vorher dort hinein geschmissen hatte. Sie glänzte ohne, dass Licht sie bestrahlte. Und vermutlich war es nur Einbildung, aber diese kleine Klinge sah für mich aus, wie das schönste auf der Welt. Unwillkürlich streckte sich mein Arm nach dem Instrument aus und nahm es vorsichtig in die Hand. Ich blinzelte mehrere Male und versuchte zu verstehen, was ich hier tat. Aber alles schien verschwommen, nur die Klinge war klar, glasklar. Zusammen mit ihr ließ ich mich zurück auf den Boden sinken und starrte sie weiterhin an. Drehte sie im Licht der Sonne und vergaß was um mich herum war. Hör auf, das ist krank! Schrie mein Unterbewusstsein mich an und flehte schon fast, doch ich beachtete die kleine Stimme in meinem Hinterkopf nicht mehr, sondern nahm die Klinge fester zwischen die Finger und setzte sie dann, an meinen Oberschenkel. Ein leichter, brennender Schmerz breitete sich langsam aus, ließ aber um mich herum plötzlich die Welt still stehen. Ich musterte meinen Oberschenkel und den kleinen, aber doch sehr tiefen Schnitt auf darauf. Aus der Wunde rann das Blut. Ich legte den Kopf schief. Was tu ich hier?
„Baby, ich bin wieder da? Bist du im Bad?“ Justin! Verdammt, sie sind schon zurück. Panisch sah ich meinen Oberschenkel an. Aus vier tiefen Schnitten rann das Blut unaufhaltsam. Ich schluckte. Schnell sprang ich vom Boden auf, warf die Klinge einfach zurück in den Schrank und lief zur Toilette. An meinem Bein floss das Blut hinab. Von der Rolle zog ich Klopapier ab und drückte es haufenweise auf die nicht zu bluten auf hören wollende Wunde. „Scheiße, scheiße, scheiße!“ zischte ich leise und warf das blutgetränkte Papier in die Toilette. „Eh ja, ich ehm war grade Baden, warte ich zieh mich nur schnell an!“ rief ich. Von Justin kam keine Antwort. Plötzlich fiel mir unser kurzes Gespräch heute Morgen ein. Verdammt, er wollte doch noch mit mir reden. Erneut drückte ich Klopapier auf die Wunde. Panisch sah ich mich im Raum um. Was jetzt? Hilflos warf ich wieder das Papier in die Toilette. Mit der Hotpants konnte ich unmöglich das Bad verlassen, Justin würde sofort die Wunden sehen. Hilflos biss ich mir auf der Unterlippe rum, als mir eine Idee kam. Ich lief zur Tür, öffnete sie einen Spalt und entdeckte Justin, der sich grade das Shirt über den Kopf zog und es dann auf das Bett warf. Das Erste was mir auffiel, waren zwei dicke blaue Flecken auf seinem Rücken. Erschrocken sog ich die Luft ein. „Justin!“ keuchte ich. Abrupt drehte er sich um. „Was ist passiert?“ fragte ich besorgt, dabei stets darauf konzentriert das nur mein Kopf durch den Türspalt guckte. „Es gab ne kleine Auseinandersetzung mit einem unserer Geschäftspartner“ erklärte er und zuckte die Schultern. „Ach und dieser Geschäftspartner“ fing ich an, und war mir natürlich darüber im Klaren, dass er von irgendeinem Waffenhändler oder so etwas sprach, „lebt der noch?“ Meine rechte Braue ging in die Höhe. „Nicht wirklich“ antwortete Justin und grinste. Ich schluckte. Ganz der alte. Nickend sah ich ihn an. Ebenfalls nickend kam er auf mich zu. „Warum versteckst du dich hinter der Tür?“ Irritiert sah er mich an. „Ich eh, also..ich hab vergessen mir ne Hose mitzunehmen.. kannst du mir schnell eine geben?“ log ich. Justin Brauen schossen in die Höhe. „Warum holst du sie dir nicht selbst?“ hakte er misstrauisch nach. „Na weil ich nackt bin“ zischte ich und war überaus stolz darüber wie sicher meine Stimme klang. „Is ja nicht so, als hätte ich dich noch nie gesehen“ bemerkte Justin und grinste schelmisch. Ich verdrehte die Augen. „Kannst du mir jetzt bitte einfach eine Sporthose holen?“ meckerte ich und bemühte mich genervt zu klingen. Justin musterte mich mit verengten Augen, erwiderte aber gottseidank nichts sondern lief in den Wandschrank. Erleichtert seufzte ich. Als er wieder kam, hatte er zu meiner weiteren Erleichterung eine lange Sporthose in der Hand. Um genau zu sein eine Baggy. Durch den Spalt der Tür reichte er ihn mir. Sofort schloss ich die Tür, schlüpfte rein und rannte dann noch mal zur Toilette um das Papier abzuspülen. Danach verließ ich das Bad wieder. Als ich die Tür hinter mir schloss, sah ich Justin. Er saß auf dem Bett und starrte auf den nicht eingeschalteten Fernseher. Leise tapste ich auf das Bett zu. Was sollte ich antworten wenn er mich zu heute Morgen ausfragte? Ich kaute auf meiner Unterlippe rum. „Hey..“ murmelte ich verlegen und kletterte zu ihm aufs Bett. Im Schneidersitz setzte ich mich vor ihn und sah ihn an. Seine Augen richteten sich auf mich. „Was ist mit dir los?“ hakte er nach und sah mich misstrauisch an. Weiterhin kaute ich auf der Lippe und kratzte mich am Kopf „Nichts.“ Seufzte er. Justin schnaubte. „Warum lügst du?“ seine Augen musterten mich ausdruckslos. Scheiße, was sollte ich ihm erzählen? Ich musste ihn irgendwie von dem hier ablenken. Und genau da kam mir eine Idee. Natürlich! „Justin, ehm..vorhin, als ihr unterwegs wart, da saß ich auf der Terrasse, und auf einmal war da ein Typ“ fing ich an zu erklären. Sofort richtete Justin sich auf. „Was für ein Typ?“ fragte er mit rauer Stimme. Ich leckte mir über die Lippe. „Jensens Bruder..“ hauchte ich und spürte die Angst von vorhin wieder in mir aufkommen. Justins Augen weiteten sich. Sein Körper spannte sich an und er hielt die Luft an. „Was hat er zu dir gesagt?“ fragte er wieder mit einem eisigen Unterton in der Stimme. „Er hat gefragt wie ich heiße, ich sagte Shelly…“ Justin Mundwinkel zuckten vor Belustigung. „Shelly?“ fragte er und hatte plötzlich ein Grinsen im Gesicht. Überrascht über seinen plötzlichen Stimmungswechsel sah ich ihn an, schüttelte dann aber einfach den Kopf und redete weiter. „Er sagte ich solle Jensen einen Gruß aus richten. Und er dachte ich und Jensen wären ein paar. Justin, er hat mir Angst gemacht! Ich habe ihm einen falschen Namen gegeben, aber was wenn er mich schon im Fernseh gesehen hat und mich an die Polizei verrät“ Angsterfüllt sah ich ihm in die Augen. Hastig schüttelte er den Kopf. „Das wird nicht passieren..versprochen! Du bist hier sicher!“ Sofort nahm er mich in den Arm und drückte meinen Kopf gegen seine Brust. Der vertraute Geruch von Deo und Justin stieg mir in die Nase und raubte mir für einen Moment jeden Schmerz. Als Justin mich wieder sanft von sich drückte wurde ich aber wieder zurück in die wahre Welt geholt. Eindringlich sah er mich an und streichelte meine Wange. „Ich wird runter gehen und mit Jensen reden.“ Erklärte er, woraufhin ich still nickte. Ebenfalls nickend küsste er mich auf die Stirn. „Wir klären das, versprochen“ versicherte er mir wieder und lächelte mich an. Trübe lächelte auch ich, bevor er den Raum verließ und mich wieder alleine zurückließ. Ich hatte es geschafft ihn abzulenken. Seufzend blieb ich auf dem Bett sitzen. Ich wusste nicht wie ich die Lage einschätzen sollte. Obwohl, eines war klar. Ich war ein emotionales Wrack. Gottseidank, schaffte ich es aber, das vor Justin zu verstecken. Aber was mit dem Rest war. Was jetzt mit Jared war. Was er wollte. Plötzlich packte mich die Neugier und ich wollte unbedingt wissen was es mit ihm auf sich hatte. Bevor ich mich versah, war ich vom Bett gesprungen und hatte ich mich auf den Weg runter in den ersten Stock gemacht. Beim Treppen runter laufen hörte ich sofort Jensens tiefe Stimme die laut mit einer anderen sprach. An der letzten Stufe blieb ich stehen. Ob es die beste Idee war da jetzt reinzuplatzen. Mit geschürzten Lippen beobachtete ich wie Justin und Jensen sich laut unterhielten. Reinplatzen, wäre definitiv ein fataler Fehler. Also entschied ich mich für die nächst Beste Variante. Lauschen.
„Ich verstehe nicht wie dieser Mistkerl hier rein gekommen ist!“ zeterte Jensen. Von Justin kam keine Antwort. Die Tür war zwar einen Spalt geöffnet, trotzdem konnte ich nicht sehen wer sich außer Justin und Jensen noch in diesem Raum befand. „Verdammte scheiße! Ich habe Chelsea versprochen, dass sie hier sicher ist! Und jetzt taucht dieser Wichser hier auf“ zischte Justin, bevor ein dumpfer Knall ertönte. Mit geweiteten Augen starrte ich die Tür an. Um Gottes willen, lass das bitte nicht Justins Kopf oder gar Jensens gewesen sein!
„Bieber, sie ist hier sicher! Wir alle sind das, nur weil mein verfickter und verlogener Bruder hier einen Weg rein gefunden hat, bedeutet das nicht, dass wir alle in Angst ausbrechen müssen. Jared ist nicht mehr gefährlich als wir es sind“ sagte Jensen, mit einem milderen Ton. „Aber auch nicht weniger“ entgegnet Justin rau. Stille.
„Das mag sein. Ich werde einfach die Sicherheitsvorkehrungen verstärken, dann sollte alles gut sein. Deiner Kleinen wird schon nicht passieren“ versicherte Jensen klang aber selbst nur wenig überzeugt. Wieder Stille.
„Ich weiß nicht was ich davon halten soll“ warf eine monotone Stimme ein. Damon! Er ist also auch drin. „Mein Gott, ich kann es jetzt auch nicht ändern! Der Wichser hat es eben hier rein geschafft, wie auch immer. Aber jetzt werde ich die Sicherheitsvorkehrungen verstärken, zum zweiten Mal! Es-.“-„darum geht es doch gar nicht“ sprach Damon dazwischen. „Was dann?“ hakte Jensen nach. Warum sagte Justin nicht mehr? „Jared hat Chelsea gesehen. Chelsea ist im kanadischen Fernseh überall zu sehen gewesen. Wer versichert uns, dass Jared nicht weiß wer Chelsea tatsächlich ist und zu den Bullen rennt?“ stellte er fest. Mein Magen drehte sich schmerzhaft um. Also war ich nicht die einzige die mit dieser Angst lebte. „Das werde ich nicht zu lassen“ Justins eisige Stimme ließ mich erschaudern. „Bei allem Respekt Bro, Jared ist verdammt gut auf seinem Gebiet, bei ihm hast du wenig-.“ Justin unterbrach Damon. „Aber ich bin auch gut auf meinem Gebiet. Sehr gut sogar! Wir alle sind das! Mein Dad sitzt schließlich hinter Gittern..“ Stolz schwingt in Justins Stimme mit. Ein gedehntes Schnauben erklang. „Jungs, wir reden Morgen oder so weiter! Vor erst, reicht es die Sicherheit zu verstärken.. Um den Rest kümmern wir uns, sobald es nötig ist. Und ganz davon abgesehen, glaube ich nicht das Jared, es auf Chelsea abgesehen hat..“ sagte Jensen. Keiner erwiderte etwas. Stattdessen ging nicht mehr als eine Minute später die Tür auf. Ruckartig rappelte ich mich von den Stufen auf und rannte hoch. Im Gang der Zimmer wurde ich wieder langsamer. Haare raufend lief ich den Gang entlang. Super, sehr viel mehr wusste ich nun auch nicht. Weiterhin hatte ich keine Ahnung, weshalb alle Jared so sehr hassten und umgekehrt. Alles was ich aus diesem Gespräch schließen konnte war, dass Jared ein Lügner war. Aber inwiefern konnte er gelogen haben, dass er so verachtet wurde? Ich überlegte Justin zu fragen. Doch irgendwas sagte mir, dass er es mir sowieso nicht verraten würde, weshalb ich mir davor entschied es alleine irgendwie heraus zu finden. Wie genau ich das allerdings anstellen wollte wusste ich noch nicht genau.
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Everythings gonna be alright?- No!
Fanfiction>> Das ist der zweite Teil von "If i was your Boyfriend << So lange haben sie gekämpft, die schlimmsten Dinge durchgemacht und zum Schluss haben sie doch noch gewonnen. Jeremy steckt im Knast. Sie haben erreicht, wofür sie so lange gekämpft haben. N...
