Wohin willst du?

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Stundenlang versuchte Draco vergebens ein wenig Schlaf zu finden doch ein ängstliches Gefühl ließ das nicht zu. Andauernd hörte er ihn sprechen. Der dunkle Lord, wie er nach ihm rief. Gänsehaut machte sich auf seinem Körper breit als der flüstern immer klarer und lauter wurde. „Draco, mein Junge, komm zu mir und schließe dich mir an!" Ein kalter Wind zog durch den Raum und Draco erstarrte einen Moment lang bevor er aufstand und der Stimme folgte. Was wollte Voldemort von ihm? Er hatte ihn doch begnadigt und würde ihn doch endlich in Ruhe lassen? Draco lief den dunklen Flur entlang, immer auf der Hut. Man konnte gar nicht mehr mitzählen, so oft drehte er sich um.

Draco blieb vor den großen Eingangstüren stehen und stellte fest das jemand auf ihn zukam. „Wo willst du hin?" eine bekannte Stimme richtete sich direkt an ihn weshalb er sich umdrehte und Hermine erblickte. Sie sah ihn mit großen Augen an die voller Erwartungen funkelten. „I-ich brauche frische Luft" entgegnete er ihr. Hermine nickte und ergriff seine Hand. „Gut, dann komme ich mit dir!" sagte sie leise und zog ihn nach draußen. Die Stimme des dunklen Lords war nicht mehr zu hören und auch die eisige Kälte war nicht mehr zu spüren. Eine Weile saßen die beiden auf der Treppe vor den Eingangstüren und redeten kein Wort miteinander. Es war ein leicht befremdliches Gefühl und es war Draco sehr unangenehm.

Vorsichtig lehnte Hermine ihren Kopf gegen Draco's Schulter und sie griff nach seiner Hand. „Bitte versprich mir etwas..." wisperte sie fast lautlos. Draco sah auf Hermine herunter und wartete bis sie weitersprach. „Gehe niemals zu ihm zurück..." fuhr sie fort. Draco musste schlucken. Er nickte und hob ihr Gesicht mit seinem Zeigefinger an um ihr in die Augen zu sehen. „Ich verspreche es dir!" seine Stimme war genauso leise wie ihre. Hermine sah ihm fest in die Augen und lächelte sanft. Vorsichtig näherte sich Draco ihrem Gesicht und ehe er sich versah, lagen seine Lippen auf ihren. Hermine erwiderte den Kuss sanft und ihre Lippen verschmolzen mit seinen.

Draco zog Hermine näher an sich und der Kuss wurde immer leidenschaftlicher. Vorsichtig löste sich Hermine von seinen Lippen und legte ihren Kopf wieder gegen seine Schulter. Draco strich über ihren Handrücken und schloss einen Moment seine Augen. „Draco..." da war sie wieder, die Stimme von Voldemort. Draco spannte sich an und verkrampfte sich komplett. Hermine sah auf und versuchte Draco zu beruhigen doch er schien sie gar nicht zu hören. „Draco..." die Stimme in seinem Kopf wurde lauter. Völlig panisch sprang er auf und ging ein paar Schritte zurück bis er gegen die große Holztür stieß. Hermine stellte sich vor ihn und legte ihre Hände an seine Wangen. „Das ist nicht real!" versuchte sie ihm klarzumachen. Draco packte ihre Handgelenke als er die Sicht langsam verlor und nur noch schwarz sah. Dunkle Wolken, gefolgt von Blitzen und eisiger Kälte nahm er wahr. Er wusste das es nicht real war und das Voldemort ihn manipulierte doch er konnte ihm nicht entkommen. Plötzlich sah er das dunkle mal am Himmel welches immer schneller auf ihn zukam um ihn zu holen. Doch wie aus dem nichts tauchte Hermine vor seinen Augen auf, sie lächelte. Ihre verschwommene Gestalt wurde immer klarer und er erkannte sie nun.

„Hermine"

Hermine war sehr besorgt und als Draco in einer Art Trance war, musste sie unbedingt etwas tun. Sie drückte ihre Lippen gegen seine und umarmte ihn. Seine krampfartige Haltung wurde etwas weicher und plötzlich hörte sie ihn ihren Namen sagen. Sie sah zu ihm auf und Draco schien wieder bei klaren Gedanken zu sein. Völlig erleichtert ließ sie ihn los und sah ihn mit großen Augen an. „Alles in Ordnung?" fragte sie vorsichtig. Draco war ganz blass und er schwitzte. Vorsichtig nickte er und hoffte inständig das die Stimme ihn nicht wieder heimsuchte. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken der ihn kurz zucken ließ. Hermines Blick lag immer noch auf ihm und er versuchte ein Lächeln hervor zu pressen doch in ihm brodelte es vor Nervosität.

Sanft zog Hermine ihn in eine Umarmung und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. „Lass uns reingehen." sagte Draco leise und stand mit ihr auf als sie sich von ihm gelöst hatte. Draco begleitete Hermine zu ihrem Zimmer, auch wenn er hier überhaupt nicht rein durfte da er nicht dem Haus der Gryffindors angehörte, aber das interessierte ihn nur wenig. „Gute Nacht Hermine" wisperte er sanft bevor er sie in eine Umarmung zog. Am liebsten hätte sie ihn nicht mehr losgelassen doch es war schon spät und sie könnten es nicht riskieren zusammen gesehen zu werden. „Gute Nacht Draco" antwortete sie ebenfalls leise nachdem er sich schon umgedreht hatte um zu gehen. Sie sah ihm noch eine Weile hinterher bis sie ihr Zimmer betrat und sich auf ihr Bett fallen ließ.

Als sie an den Kuss dachte, stiegen in Hermines Bauch Schmetterlinge auf die sie mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen ließen.

Am Freitagmorgen, an dem kein Unterricht laut Dumbledores Anweisung stattfand, wachte Hermine schon ziemlich früh auf. Es war ungewohnt für sie keinen Unterricht zu haben, dementsprechend war sie auch so früh wach da ihre innere Uhr sie niemals verschlafen ließ. Als sie an die gestrige Nacht dachte, musste sie schon wieder Lächeln.

Das verdächtige grinsen in Hermines Gesicht machte Ginny stutzig. „Warum so gut gelaunt?" kam von ihr und Hermine erstarrte augenblicklich. „Wer? Ich?" Hermine drehte sich zu ihr um, das Lächeln trug sie immer noch im Gesicht. „Ja du grinst wie ein Honigkuchenpferd, welchen speziellen Anlass gibt es denn dazu?" fragte Ginny neugierig. Hermine zuckte mit ihren Schultern während sie sich umzog. „Ich weiß nicht, vielleicht gibt es gar keinen speziellen Anlass sondern eine Person die mich so grinsen lässt!" antwortete Hermine selbstbewusst. Sie erzählte Ginny alles und was wäre sie für eine Freundin wenn sie ihr die Geschehnisse von gestern Nacht vorenthalten würde. „Nein!" prustete Ginny laut mit einem riesen Grinsen im Gesicht. „Malfoy?" fragte sie nun worauf Hermine nur nickte.

„Erzähl mir alles!"

Total gespannt auf Hermines Antwort, setzte sich Ginny zu ihr aufs Bett. Hermine erzählte ihr was passiert war und offensichtlich freute sie sich mehr darüber wie Hermine selbst. „Okay okay, es ist etwas merkwürdig aber unglaublich romantisch!" schwärmte Ginny. Hermine lachte auf und stand auf. „Los wir sollten zum Frühstück gehen!" meinte sie nur und verließ das Zimmer. Dicht gefolgt von Ginny eilten sie zur großen Halle um an der Frühstückstafel ihres Hauses Platz zu nehmen. Keiner der beiden verlor auch nur ein weiteres Wort über Hermines Erlebnis, jedoch trugen sie ein Lächeln im Gesicht was auch für Ron und Harry verdächtig war.

Neugierig drehte sich Hermine zum Tisch der Slytherins um doch zu Hermines Enttäuschung konnte sie Draco zwischen den anderen Schülern nicht entdecken. Mit einem lautlosen Seufzer drehte sie sich wieder um und begann zu essen. Nachdem sie die Halle wieder verlassen hatten, war Draco immer noch nicht da was Hermine leicht stutzig werden ließ. Wo steckt er bloß?

Stay with me {DRAMIONE}Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt