Lian
Heute Morgen wachte ich ganz entspannt und erholt auf, ich hatte genug Zeit um mir mein Frühstück zu machen und um zur Schule zu gehen. Meine Uniform war sauber und knitterfrei, mehr konnte ich mir einfach nicht wünschen. Und ich war glücklich, jetzt nicht ober mega glücklich, aber glücklicher als noch vor ein paar Tagen. Das hatte ich alles nur Noel zu verdanken, er kam einfach in mein Leben und in mein Herz, ich hatte mich Halsüberkopf in ihn verliebt.
Ich musste wieder an vorletzte Nacht denken, als wir nebeneinander gelegen haben, so etwas würde ich gerne viel öfters machen. Neben ihn liegen, ich berühren und einfach nur reden.
Doch irgendetwas verheimlichte er mir, das wusste ich ganz genau, nur hatte ich keine Ahnung was genau es war. Doch da würde ich noch hinter kommen.
Ich ging in die Küche, in der bereits Ben schon stand und mir mein Frühstück zu bereitete. Wie süß von ihm. „Ach Ben das brauchst du doch nicht machen, ich hätte das auch gemacht." „Ich war schon wach und ich dachte ich tu dir mal einen gefallen." „Du machst doch schon so viel für mich." Ich stellte mich auf Zehnspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke." Ich nahm mein Essen entgegen, packte meine Tasche und machte mich auf den Weg. „Bis später.", rief mir Ben noch hinter her, ich winkte zum Abschied.
Ich stieg die Stufen hinab und verließ das Haus. Auf dem Weg zu Schule musste ich automatisch wieder an Noel denken, ich hatte schon ein wenig ein schlechtes Gewissen. Ich hatte ihm nicht mal eine kleine Nachricht hinterlassen, doch diese eine Nacht hat mich völlig durcheinander gebracht und ich musste mich erst einmal sortieren. Hoffentlich verstand er das.
Vor der Schule wartet ich auf ihn, hoffentlich war er noch nicht da, eine Nachricht wäre doch besser gewesen. Gerade als ich weiter darüber grübeln wollte, betrat Noel den Schulhof und kam auf mich zu. Ich ging ihm entgegen, knirschte innerlich mit den Zähnen und spielte mit meinen Händen. „Gute Morgen, tut mir leid das ich mich nicht mehr gemeldet habe. Ich habe es total verpeilt, ich hoffe du kannst mir verzeihen." Ich blickte ihn an. Hoffentlich würde er mir das nicht übel nehmen. „Schon okay, macht doch nichts." Aus einem Impuls heraus umarmte ich ihn einfach schnell. Noel war ein echt toller Kerl, hatte immer Verständnis für andere.
Seine nähe löste ein kribbeln in mir aus, meine Herz wummerte dann immer wie verrückt, meine Beine wurden zu Wackelpudding und mein Verstand setzte auch aus. Fehlte nur noch das ich anfing zu sabbern.
„Wollen wir rein gehen?" Ich sah ihn durch halb gesenkt Lider an. Ich war echt sehr nervös, ob er es mitbekam? „Klar." Wir setzten uns in Bewegung, liefen nebeneinander her und keiner sagte auch nur ein Wort. Hoffentlich wurde das noch besser.
Wir betraten gemeinsam das Klassenzimmer, da stürzte sich Sina gleich auf Noel und drängte mich einfach zur Seite. Ich verdrehte nur genervt die Augen, machte aber Platz, fing aber leise an zu kichern als ich Noel's Blick sah. Er hing jetzt in ihren Fängen und ich würde ihm nicht helfen, ganz im Gegenteil. Ich streckte ihm meine Zunge heraus und begab mich dann auf meinen Platz, von dort aus beobachtete ich die Beiden.
Um ehrlich zu sein gefiel mir das zwischen den beiden absolut nicht, aber eine Eifersuchtsszene wollte ich auch nicht vor der gesamten Klasse machen, also hielt ich meinen Mund.
Noel warf mir immer wieder Blicke zu und ich ahmte Sina beim sprechen nach. Seine Augen funkelten vor lauter Belustigung und seine Lippen verzogen sich zu einem grinsen, er verkniff sich das Lachen sehr.
Worüber die sich wohl unterhalten? So neugierig war ich ja sonst nicht, aber heute interessierte es mich einfach.
Die Schulglocke erlöste Noel von Sina, erleichtert kam er auf mich zu und setzte sich neben Lion.Der Vormittag war wie im Flug vergangen, ich konnte mich gar nicht so richtig auf den Unterricht konzentrieren, andauernd haben Noel und ich uns schmachtende Blicke zu geworfen. Da war mir der Unterricht und der Rest einfach egal, es gab einfach nur noch Noel und mich.
Wir stellten uns zusammen in der Schlange an, holten unser Essen und suchten uns einen Tisch. Sina winkte Noel in einer Tour zu sich, doch der ignorierte sie einfach nur und wir suchten einen Tisch weit weg von der Clique. Ich wusste ja schon immer das Sina aufdringlich war, aber das war selbst für ihre Maße echt übertrieben. Doch sie würde es vermutlich nie lernen, so viel stand fest.
„Ich glaube Sina mag dich sehr, oder sie kann es nicht sehen das wir uns so gut verstehen. Sie winkt dir die ganze Zeit zu, mir hingegen wirft sie Blicke zu die töten könnten." Ich war so etwas schon von ihre gewöhnt, deswegen interessierte es mich nicht mehr so wirklich. Sie gönnte anderen einfach nichts, alles musste ihr gehören. Bei ihr hatten ihre Eltern einiges falsch gemacht.
Noel setzte sich mit dem Rücken zu ihr und ich setzte mich extra so, das ich sie die ganze Zeit im Blick hatte. Nochmal wollte ich das Mittagessen nicht in meinen Haaren, oder an den Klamotten haben. Das hat sie schon einmal fertig gebracht die dumme Kuh und hat dafür nicht mal eine Strafe erhalten.
„Ich weiß, aber sie ist mir einfach viel zu aufdringlich. Ich mag dich viel mehr." Er nahm meine Hand über den Tisch hinweg und verschränkte unsere Finger miteinander. Ich blickte mich schnell um ob es einer sah und wurde rot, natürlich hatte Sina es mitbekommen und sprühte nur so vor lauter Wut. Das würde noch Probleme geben.
„Ich mag dich auch sehr." Ich hauchte es fast, sodass es nicht gleich jede mitbekam, musste ja nicht gleich jeder wissen. Für mich reicht es wenn wir es fürs erste wussten, ich war einfach nicht der Typ dafür der gerne Sachen an die große Glocke hing. Das war Sina's Art und die passte perfekt zu ihrer Oberflächlichen Art.
Plötzlich knallte ein Tablett neben uns auf den Tisch und Lion setzte sich zu uns. Wie kam das denn? Sonst war er immer nur mit Sina zusammen unterwegs, die beiden passten zusammen wie Pech und Schwefel. Sofort entzog ich Noel mein Hand und stocherte in meinem Essen herum, der Appetit war mir vergangen. Mein ganzer Körper spannte sich sichtlich an. Lion saß nicht einfach nur so hier, er und Sina hatten bestimmt wieder einen fiesen Plan ausgearbeitet und ich war mal wieder ihr Opfer, so wie immer.
„Ist es okay wenn ich bei euch sitze? Ich kann Sina heute einfach nicht ertragen." Und das aus seinem Mund? Ich konnte es kaum glauben, doch trotzdem schlich sich in kleines Lächeln auf mein Gesicht und ich schaute auf, direkt in die braunen Augen von Lion. „Ja ich kann dich verstehen, du kannst gerne bei uns sitzen?" Vielleicht bekamen wir durch Noel alle einen Neuanfang.
Dann fingen wir alle drei an zu lachen und es tat mir richtig gut, so gut ging es mir schon lange nicht mehr und das verdankte ich alles Noel. Es wurde Zeit nach vorne zu Blicken, für alle.
„Glückwunsch euch zwei." Lion klopfte Noel auf die Schulter und zwinkerte mir zu. „Danke?" Noel sah ihn fragend an und auch ich wusste nicht genau wovon er sprach. Ich legte meinen Kopf schräg und musterte ihn aus zusammengekniffenen Augen, hatte er doch etwas vor? „Glückwunsch wozu?" Ich musste einfach nachfragen. „Ähm Lion? Wir beide haben absolut keine Ahnung wovon du da genau redest, was meinst du?" „Na ich meinte das ihr jetzt fest zusammen seid und da dachte ich, ich gratuliere euch mal. Oder ist da doch nichts zwischen euch? Ihr seht so verliebt aus?" Wir sahen verliebt aus? Wie sah man dann aus? Unauffällig versuchte ich Noel zu mustern, ob mir vielleicht etwas auffiel, doch er sah aus wie immer. Er tat genau das Selbe bei mir. „Woran merkt man das?" Schön das Noel nachfragte. „Ihr könnt eure Finger nicht voneinander lassen, eure Blicke sind eindeutig und man sieht diese Funken in euren Augen. Das haben nur verliebte." Lion grinste uns beide an und biss grinsend ein Stück von seinem Brot ab.
Wieder schaute ich zu Noel und da sah ich auch diesen Glanz in seinen Augen, diese Augen nahmen mich ein und ließen alles andere um uns herum verschwinden, es gab nur noch uns beide. Ich könnte Stundenlang mich in diesen Augen verlieren und doch nie genug von ihnen haben. Ob es ihm genauso erging wie mir?
„Meine Güte da wird einem ja schlecht bei, wenn man euch so sieht wie ihr euch an schmachtet." Der Zauber wurde unterbrochen und ich blinzelte überrascht, Noel nahm mich völlig ein. Lion lachte und Noel boxte ihm leicht in die Seite, ich musste einfach Kichern. „Tut uns leid Lion, wir machen es ab jetzt nur noch heimlich wenn keiner zusieht." „Jetzt bekomme ich Kopfkino." Lion grinste anzüglich und Noel gab ihm nochmal einen Stoß zwischen die Rippen, ich hingegen lief nur rot an. Soweit waren wir ja noch nicht.
Ich steckte mir ebenfalls ein Stück Brot in den Mund und kaute konzentriert darauf herum. Ja waren Noel und ich jetzt eigentlich zusammen, oder eher nicht so? Wir hatten darüber noch nicht weiter miteinander gesprochen, was wenn er Nein sagen würde? Möglich war alles und Sina war auch nicht weit entfernt.
„Ich gönne es euch beiden wirklich, ich bin über die Sache hinweg. Du, Noel, hast mir endgültig die Augen geöffnet." Wieder schauten wir beide ihn verständnislos an. Wovon redete er denn jetzt schon wieder?
„Ohne Noel hätte ich nie gewusst das ich gar nicht auf dich stehe, ich dachte es immer nur, dabei mochte ich Luna immer sehr gerne." Ein trauriger Ausdruck schlich sich auf sein Gesicht. Das hatte ich gar nicht gewusst das er auf sie stand. „Ich dachte ich hätte Gefühle für dich, doch dabei dachte ich immer nur an an Luna und weil du ihr so ähnlich aussiehst habe ich es auf dich projiziert. Es tut mir leid wie ich mich dir gegenüber benommen habe, ich wünschte ich könnte es rückgängig machen. Ich hoffe du kannst mir irgendwann verzeihen." Ich konnte ihn ein bisschen verstehen, trotzdem war es gemein was er mir und die anderen angetan hatten. Doch ich würde es ab jetzt hinter mir lassen, Neuanfang und so.
Ich legte meine Hand auf seine und drückte sie leicht. „Schon okay vergeben und vergessen, aber falls es dich ein wenig tröstet, Luna stand auch auf dich." Und da entsprach sogar der Wahrheit, sie schwärmte schon immer von dem Sportlichen Jungen mit Sandfarbenden Haaren und den braunen Augen. Bei ihm wurde sie immer schwach, traute sich aber nie näher auf ihn einzugehen. Jetzt war es zu spät und ich bedauerte es sie nicht angetrieben zu haben, vielleicht hätten sie dann eine glückliche kurze Zeit gehabt, als gar keine richtige.
Lion drückte meine Hand zurück, ein leichtes Lächeln lag auf seinen Lippen, in seinen Augen lag ein leichter Glanz von Tränen. Er tat mir leid. „Danke das du mir das gesagt hast, jetzt kann ich damit abschließen und etwas neues beginnen."
Wir drei aßen unser restliches Essen schweigend, momentan war gerade alles etwas steif uns seltsam, das würde vermutlich noch besser werden. Zumindest hoffte ich das sehr.
Nachdem Mittagessen brachten wir unsere Tabletts weg und machten uns auf den Weg in die Sporthalle, heute war Schwimmen angesagt. Jetzt unbedingt meine Lieblingssportart, aber ich machte es schon gerne, dabei konnte ich auch super abschalten.
Ich begab mich in die Damenumkleide und verzog mich dort in meine übliche Ecke, zum umziehen. Hier hinten hatte ich meine Ruhe. Zum Glück hatte ich meinen Bikini bereits schon zuhause untergezogen, also brauchte ich nur mein Handtuch nehmen und konnte zum Becken gehen. Doch da hatte ich die Rechnung ohne Sina gemacht, diese packte mich am Oberarm und zog mich zu sich heran. Ich schloss für einen kurzen Moment meine Augen und atmete tief durch. Was würde jetzt wohl kommen? „Was willst du von mir?" „Ich will das du dich von Noel fernhältst, du bist nicht gut genug für ihn. Also lass ihn besser in Ruhe!" Ihre Augen verengten sich zu schlitzen und funkelten mich wütend an. Hatte sie noch alle Tassen im Schrank? „Ich glaube das kann Noel ja wohl selbst entscheiden mit wem er zusammen sein möchte, oder meinst du nicht?" Ich riss mich von ihr los, schlang mir das Handtuch um meinen Körper und betrat die Schwimmhalle, ohne auf ihre Antwort zu warten. So eine blöde Kuh, was dachte sie sich nur dabei? Es ging sie ja wohl mal so gar nichts an mit wem Noel zusammen sein wollte, sie war einfach nur eifersüchtig weil Noel sie nicht wollte, sondern mich. Das passte ihr einfach nicht, aber geschieht ihr mal ganz recht. Ich wusste ja schon immer das Sina einen Knall hatte, aber diese Aktion schlug dem Fass den Boden aus. Aber irgendwann musst sie auch mal auf die Nase fallen.
Wütend und mit geballten Fäusten betrat ich die Halle und ging direkt auf Noel und Lion zu, die Beiden unterhielten sich gerade. Ich beobachtete Noel ganz unauffällig, ich hatte seine Muskeln zwar schon berührt aber noch nie im Hellen gesehen und mir gefiel es sehr. Sein Körper sah aus als ob aus Marmor gemeißelt wurde, er sah einfach aus wie ein Gott. Ich konnte kaum meinen Blick von ihm abwenden, sein Haar leicht feucht vom Wasser und die Tropfen die von seiner Haut abperlten. Einfach nur hinreißend, vermutlich fing ich gleich noch an zu sabbern.
Bis mir auffiel das ich in mitten der Schwimmhalle stand und Noel angaffte, wie eine bescheuerte. Schnell wand ich den Blick ab und lief rot an.
Bei den beiden angekommen, schnaubte ich wie ein Pferd, beide schauten mich an. „Einfach nicht zu fassen." Ich schimpfte vor mich hin. Jetzt musterten mich beide. „Was ist denn los?" Ich schüttelte meinen Kopf und band meine Haare zu einem Dutt zusammen, so hing es mir im Wasser nicht immer im Weg. „Sina macht mich noch wahnsinnig, irgendwann werde ich ihr nochmal welche Fackeln." Wieder schnaubte ich vor mich hin. Lion machte einen Schritt auf mich zu. „Was hat sie dieses mal wieder angestellt?" Noel verschränkte seine Arme vor seiner muskulösen Brust und blickte zu Sina herüber, die in ihrem super knappen Bikini herum tänzelte und mit den Augen klimperte. Falsche Schlange.
„Sie hat mich in der Umkleide festgehalten und meinte ich sollte mich von Noel fernhalten, ich wäre angeblich nicht gut genug für ihn. Dabei geht sie das überhaupt nichts an, doch das will sie einfach nicht kapieren. Zum mal das nicht das erste mal ist das sie mir droht, genau das selbe hat sie damals bei dir auch gemacht und ich dumme Kuh habe mich auch noch drangehalten." Überrascht riss Lion die Augen auf, anscheinend wusste er davon nichts. Typisch Sina, spielt die Leute immer gegeneinander aus. „Davon wusste ich gar nichts, hättest du mal was zu mir gesagt dann hätte ich mich längst von ihr abgewandt. Zu dir sagt sie du wärst nicht gut genug für mich und zu mir hat sie gesagt du würdest voll auf mich stehen, also war das alles nur gelogen." Jetzt war Lion ebenfalls sauber und funkelte immer wieder in Sina's Richtung, doch sie bekam davon nichts mit und Noel sagte immer noch nichts dazu, sondern beobachtete sie einfach weiter. „Aber sie wird sich auch niemals ändern, ich möchte mit ihr auf jeden Fall nichts mehr zu tun haben. Danke das du es mir jetzt gesagt hast Lian, obwohl ich es auch hätte selber erkennen können, nur war ich zu Blind." „Ist schon okay Lion, jetzt ist ja alles geklärt und wir lassen Sina einfach hinter uns. Wir blicken einfach noch vorne."
Zwischen Noel's Augen erschien wieder diese Falte und mich juckte es in den Fingern sie glatt zu streichen, doch ich beherrschte mich. Nicht hier vor allen anderen.
Also konzentrierte ich mich auf den Unterricht. Ließ mein Handtuch fallen, spürte Noel's Blick in meinen Rücken Löcher brennen und sprang ins Wasser, um mich abzukühlen. Gerade als ich untertauchte, tauchte unter mir Noel und grinste mich breit an. Er kam näher an mich heran geschwommen, sein Blick glitt über meinen Körper und blieb länger an meiner Oberweite hängen. Ich verdrehte nur die Augen und zog ihn an mich, meine Lippen glitten auf seine und meine Hand in seine Badehose. Sein griff um mich wurde fester, doch ich löste mich und formte mit den Lippen, die Wörter „Später". Er nickte und zog uns zurück an die Wasseroberfläche. „Also sehen wir uns später und machen da weiter?" Seine Stimme war total rau und seine Pupillen geweitet, er war eindeutig erregt. Das gefiel mir und ich schnurrte nur. „Ja." Dann schwamm ich meine Bahnen.
Nachdem Unterricht verzog ich mich wieder in die Umkleide, duschte dort ausgiebig und trocknete mich ab. Band meine Haare zu einem lockeren Pferdeschwanz, es war so warm draußen da würde er von selbst trocknen. Ich hatte mich draußen mit Noel und Lion verabredet und deswegen beeilte ich mich. Sina und ihre Clique verließen gerade die Kabine, als etwas kleines aus einer ihrer Taschen fiel und auf dem Boden landete. Ich ging hin und hob die feine, schlichte Silberkette hoch und bewunderte sie im Licht. Ich lief hinter Sina her. „Hey Sina du hast die Kette hier verloren!" Sie blieb stehen und drehte sich zu mir um, in fünf kurzen Schritten war sie bei mir und musterte die Silberkette abschätzig. „Das gehört mir nicht, so etwas schlichtes und hässliches würde ich nie tragen. Sie passt eher zu dir, also kannst du sie ja behalten." Sie warf ihre blonde Mähne über die Schulter, drehte sich um und stöckelte davon. Ich schaute ihr völlig sprachlos hinter her und drückte die Kette schützend an meine Brust. Klar war sie nur einfach, ohne Schnickschnack, trotzdem fand ich sie wunderschön. Wenn sie sie nicht haben wollte, dann würde ich sie einfach behalten. Also steckte ich sie in meine Tasche, zuhause würde ich sie mir dann genauer anschauen.
Lion und Noel warteten bereits draußen auf mich, ich lief schnell auf die zu. Lion lächelte mich an, Noel kam auf mich zu und drückte mir einen sanften Kuss auf meinen Mundwinkel. Ich drückte mich kurz enger an ihn, dann rückte ich von ihm ab. Klar hätte ich gerne den Moment vertieft, doch nicht hier und vor allem nicht vor Lion. Das war mir doch ein wenig peinlich.
Händchenhaltend machten wir uns auf den Weg nach Hause. Ich war froh das der anstrengende Tag endlich vorbei war, ich musste Sina erst morgen wieder sehen. In meiner Tasche spielt ich gedankenverloren mit der Kette, ich wollte sie die ganze Zeit über Noel zeigen, doch irgendetwas hielt mich davon ab und ich schwieg.
Noel und ich verabredeten uns für später, wir küssten uns, ich winkte Lion zum Abschied und unsere Wege trennten sich. Ich betrat das „Schlüsse 17" und ging gleich nach oben, dort begrüßte ich Ben, schnappte mir ein paar Kekse und einen Saft und verschwand damit in meinem Zimmer, zum Hausaufgaben machen. Ich holte meine Sachen aus der Tasche, breitete sie auf dem Schreibtisch aus und setzte mich dran. Doch meine Gedanken wanderten immer wieder zu der Kette in meiner Tasche, die Gedanken konnte ich einfach nicht abschütteln, egal wie sehr ich mich auch auf etwas anderes konzentrierte. Ich ging ins Bad und spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht um mich zu beruhigen, dann holte ich meine Kopfhörer und steckte sie mir ins Ohr, drehte die Lautstärke auf volle Power. Doch selbst meine Lieblingsmusik konnte mich einfach nicht ablenken, immer wieder schielte ich zu meiner Tasche. Es war so als ob ich von der Kette magisch angezogen wurde. Vielleicht sollte ich Ben unten ein wenig helfen oder noch eine Runde Joggen, damit ich auf andere Gedanken komme.
Ich zog mir meine schwarze Leggins an, dazu ein Cremefarbenes Bauchfreies Top und meine Laufschuhe. Ich steckte wieder meine Kopfhörer in die Ohren und machte mich nach draußen, dort stellte ich die Musik an und lief los. Ich lief mehrmals um den Block, solange bis meine Lungen nach Sauerstoff schrien und meine Oberschenkelmuskel brannten. Erst dann hielt ich an und gönnte mir eine kurze Verschnaufpause, ich hätte mir noch etwas zu trinken mitnehmen sollen. Meine Kehle fühlt sich wie ausgedörrt an, mein Mund war ganz trocken. Ich machte mich wieder auf den Heimweg, doch dieses mal ging ich spazieren. Morgen würde ich einen ordentlichen Muskelkater bekommen, so viel stand fest.
Endlich wieder zuhaue angekommen stürzte ich mich gleich auf den Kühlschrank und trank eine ganze Flasche Grapefruitsaft aus, dann begab ich mich in mein Badezimmer und stellte mich unter die Dusche. Dort blieb ich eine halbe Stunde und schrubbte mir den Schweiß von der Haut, bis sie rosig war. Ich stieg aus der dampfenden Dusche und wickelte mich in ein Handtuch ein, dann ging ich wieder zurück in mein Zimmer. Sofort kam mir wieder die Kette in den Sinn, ich hatte sie jetzt fast zwei Stunden lang gut verdrängt und jetzt wo ich mein Gehirn nicht länger beschäftigte, kam sie mir sofort wieder in den Sinn. Es war zum verrückt werden. Letztendlich legte ich meine Tasche aufs Bett und holte das Silberkettchen heraus, legte es auf meine Handfläche und betrachtete es ausgiebig. Sie war schlicht und einfach, aus Silber und im Licht funkelte sie, als ob sie mit Diamanten besetzt wäre. Wie in Trance erhob ich mich von meinem Bett und ging langsam auf meinen Spiegel zu, dort legte ich mir die Kette an und drehte mich nach allen Seite, um zu sehen wie schön sie an mir doch funkelte. Entzückt lachte ich auf und drehte mich lachend ein paar mal um meine eigenen Achse. Meine Fingerspitzen glitten über die feinen Glieder der Kette, strichen immer und immer wieder drüber. Ich war nicht Herr meiner Sinne, ich versuchte mich von der Kette loszureißen, doch es ging einfach nicht. Ich dachte automatisch an Noel und die Magie verblasste, erleichtert atmete ich auf und zog schnell die Kette wieder aus. Keuchend warf ich sie auf mein Bett, mit zittrigen Beinen ließ ich mich auf meinen Stuhl nieder und verfluchte diese Kette. Was stimmte mit der nicht? Es war wie in einem Klammergriff, ich konnte nichts mehr selbstständig tun oder denken, nur der Gedanke an Noel hatte mich befreit. Was lief hier falsch?
Ich schloss meine Augen und ließ meinen Kopf auf mein Mathematikbuch sinken, ich seufzte laut auf. Bei mir lief aber auch gar nichts richtig, warum musste in meinem Leben immer alles so seltsam sein?
Plötzlich hörte ich ein Puff und drehte meinen Kopf, ungläubig riss ich meine Augen weit auf. Neben meinem Bett tauchte wie aus dem Nichts grün bläulicher Rauch auf und aus dem trat Noel heraus und verbeugte sich tief vor mir. War das so eine Art Scherz? Kam gleich die versteckte Kamera und klärte alles auf?
„Ihr habt mich gerufen Meister, ich Noel und ein Dschinn. Ich werde Euch drei Wünsche erfüllen."
Ich saß völlig sprachlos auf meinem Stuhl, mein Kiefer klappte herunter und meine Augenbrauen schossen nach oben. Noel trug eine goldbraune Weste, mit goldenen Ornamenten, sein Oberkörper war wieder Nackt, an seinen Oberarmen hatte er so etwas wie goldene Armreifen. Seine Hose war ebenfalls braun und bauschte sich, an seinen Füßen waren goldene Schlappen, die sich an der Spitze leicht nach oben bogen. Er war wunderschön und angsteinflößend zu gleich.
„Noel?", hauchte ich. „Was tust du hier?" Mit einem Ruck richtete sich Noel auf und seine Augen wurden bei meinem Anblick so groß wie Teller, sein Blick huschte durch mein Zimmer. So als ob er etwas anderes erwartet hatte. Noch einmal glitten seine Augen über mich, suchten mein Gesicht ab und meinen Hals. Mein Blick glitt zum Bett und seiner folgte meinem, er sah die Kette.
„Aber das kann doch nicht sein. Nein! Das darf nicht sein!", brüllte Noel und sank auf die Knie.
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Verwunschene Liebe
FantasyWas ist wenn du dich in einen Menschen verliebst, obwohl du es gar nicht dürftest? Würdest du für deine große Liebe gegen eine der drei goldenen Regeln verstoßen? Ich habe es getan. Ob ich es bereue? Niemals! Noel ist ein Flaschengeist, oder wie ma...