Ash POV:
Heute ist wieder der 23. Mai. Dieser Tag hat vor sechs Jahren mein Leben komplett verändert. Mein Erzeuger hat meine Mutter umgebracht und das werde ich ihn niemals verzeihen. In den letzten Jahren habe ich immer etwas geplant. Am ersten Todestag bin ich beispielsweise zu seiner jetzigen Frau und habe ihr gesagt, dass er sie betrogen hat. Das stimmt wahrscheinlich sogar, aber ich wollte einfach nur für Unfrieden zwischen den beiden sorgen, denn sie war es mit der es mein Erzeuger in der Zeit getrieben hat. Meine wunderbare Mutter, ich werde heute an ihr Grab fahren wie jedes Jahr und ihr Lilien vorbeibringen. Lilien waren ihre Lieblingsblumen. Ich habe einfach viel zu spät gemerkt, was wirklich wichtig und bedeutend im Leben ist. Aber jetzt genug von diesen moralischen Geschwafel. Ich besorge mir also eine gute Flasche Gin und mache mich auf den Weg zum Friedhof. An diesen Tag möchte ich keinen Menschen begegnen, nicht mal meinen Freunden. Ich laufe durch die Reihen der Gräber. Alles ist wie immer. So viele Menschen liegen hier und haben ihre Familien zurückgelassen.
Am Grab meiner Mutter knie ich mich davor und streiche über ihren Grabstein.
Ash: „ Ach Mum, ich weiß, dass du mich wahrscheinlich nicht wieder erkennen würdest, aber ich vermisse dich einfach nur so sehr. Mein Dreckserzeuger ist wieder nicht zu dir gekommen, er macht lieber mit dieser Hure auf heile Familie. Ich hasse diesen Menschen und frage mich, was du in diesen Mann, in diesen Monster gesehen hast. Aber die Liebe spielt wohl verrückt was. Ich glaube langsam begreife ich, was du damit immer gemeint hast. Wenn man einen Menschen wirklich liebt, dann sieht man von all seinen Fehlern hinweg. Ich habe vor ein paar Tagen ein Mädchen kennengelernt. Ihr Name ist Amy. Sie ist die Unschuld in Person. Amy ist das komplette Gegenteil von den ganzen Mädchen, die ich sonst immer flanke. Ich weiß, dir gefällt das nicht. Amy erinnert mich an dich, sie ist genauso stur wie du und sieht in jeden Menschen etwas gutes. Amy ist einfach wundervoll, aber viel zu gut für mich. Wenn sie in meiner Nähe ist, dann will ich ihr immer nahe sein und habe dieses Kribbeln im Bauch. Ach Scheisse."
Ich setze mich auf die Bank, die hinter dem Grab meiner Mutter steht. Langsam öffne ich den Verschluss der Gin Flasche, doch bevor ich die Flasche an meinen Mund setzen kann, wird sie mir aus der Hand genommen. Wütend und erschrocken zugleich schaue ich mich nach meinen nicht willkommenen Besucher um. Neben mir auf der Bank hat Amy Platz genommen. Sie nimmt die Flasche und schmeißt sie in den nächsten Mülleimer.
I: „ Amy, sag mal spinnst du!"
Ich baue mich vor Amy auf, in der Hoffnung ihr etwas Angst zu machen und somit wieder alleine zu sein.
Doch Amy lässt sich nicht von mir abschrecken. Das war übrigens schon vom ersten Tag an so. Amy bleibt, egal was ich mache oder sage.
I: „ Woher weißt du das ich hier bin? Okay, halt. Ich weiß woher du es weißt. Nick hat es dir erzählt."
Amy braucht gar nicht auf meine Frage zu antworten, denn an ihren Gesichtsausdruck kann ich es schon ablesen.
I: „ Also haben sie dir sicher auch die Geschichte von meinen Dreckserzeuger erzählt."
Amy nickt betreten.
Amy: „ Naja, ich weiß, dass du an diesen Tag im Sportunterricht warst. Ich weiß also nur die Dinge, die jeder weiß. Ich würde aber gerne deine Geschichte hören, wenn es dir nichts ausmacht."
Normalerweise erzähle ich niemanden von diesen Tag. Nicht einmal meinen Freunden habe ich die ganze Geschichte erzählt. Sie wissen nur das, was sie Amy erzählt haben.
I: „ Ich war gerade mal 13. Meine ersten Jahre an der Highschool liefen perfekt. Ich war ein guter Schüler, bin immer zur Schule gegangen und habe schnell Freunde gefunden. Meine Familie stand immer hinter mir. Naja, mein Erzeuger war nie richtig da, aber das war für uns normal. Meine Schwester Chloe und ich hatten ein sehr enges Verhältnis zu unsere Mum. Wir waren wie die drei Muskeltiere. Nur bei einen konnte ich Mum nicht verstehen. Alles begann damit, dass mein Erzeuger anfing zu trinken. Oftmals kam er spät abends heim. Chloe und ich lagen schon in unseren Betten. Mein Erzeuger begann unsere Mum zu schlagen. Am Anfang erfand Mum immer noch ausreden oder meinte, dass er es nicht so gemeint und nur auf der Arbeit sehr viel Stress hätte. Doch das war nicht so. Es war nie so gewesen. Irgendwann hat es meinen Erzeuger nicht mehr gereicht meine Mum zu schlagen und er begann mich zu misshandeln. Egal, ob es sein Gürtel war, ein Feuerzeug oder seine bloße Hand. Jedes Mal sagte er mir, dass ich mich nicht so anstellen solle und ein richtiger Mann nicht weint. Doch ich habe geweint, erst laut aber irgendwann habe ich es nicht mehr gemerkt. Als ich eines Nachts von den Schreien meiner Schwester aufgewacht bin, begann das Blut in meinen Adern zu gefrieren. Mum lag wie immer in einer Ecke, zusammengekauert und blutverschmiert. Und er.....er wollte sich an meiner Schwester vergreifen. Unser eigener Erzeuger wollte seine Tochter vergewaltigen. Ich war 13 und habe gedacht, dass ich sie doch als ihr großer Bruder retten muss. Natürlich habe ich mich dazwischengeworfen. Mein Erzeuger ließ von Chloe ab und machte mich zu seinem Opfer. In dieser Nacht hat er mich das erste Mal mit einem Messer misshandelt. Aber ich spürte es nicht. Für mich galt nur meine Schwester. Ich schaffte es sogar, sie zum Jugendamt zu bringen. Wir sind im Kontakt geblieben. Chloe wuchs zum Glück ganz normal auf. Sie kann sich größtenteils nicht mehr daran erinnern. Aber ich eben schon. Auf jeden Fall gab es für meinen Erzeuger außer seiner Arbeit und den
Alkohol nichts mehr anderes. An den Tag als.....Mum gestorben ist...."
Ich bekomme kein Wort mehr heraus. Tränen laufen über mein Gesicht, doch ich erlaube es mir nicht zu weinen. Erst als Amy mich in eine Umarmung zieht, brechen bei mir alle Dämme und ich beginne das erste Mal seit sechs Jahren hemmungslos zu schluchzen.
▶️ Kapitel 19
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Fight for you - Cause Nobody Else Do It
Romantik„Verpiss dich und lass dich nie wieder hier blicken!" Das waren die ersten Worte, die ich bei meiner Ankunft höre. Ein tätowierter gutaussehender Junge jagt einen verängstigenden Jungen die Straße entlang. Meine Mutter, die mit mir im Auto sitzt und...
