Unbeholfen stolperten Jensen und ich in den Flur von Dustins Haus hinein. Das erste Mal in diesem Jahr. Der Alkohol hatte seine Wirkung voll und ganz entfaltet, das mussten Jensen und ich spüren. Es hatte schon einige Momente gedauert, bis Jensen überhaupt den Schlüssel in das Türschloss bekommen hatte, da es ihm immer wieder "entwischte".
Die Welt drehte sich und ich fühlte mich hundemüde. Alles was ich wollte war einfach einen Eimer neben meinem Bett zu stellen, mich auszuziehen und einfach auf einer weichen Matratze zu schlafen. In meinem Magen grummelte es und ich spürte ein Ziehen. Aber ich würde den Alkohol nicht wieder abgeben, das war ein Gesetz in unserer Familie!
Jensen hatte es schlimmer getroffen als mich. Unbeholfen knallte er die Haustür zu und schlackerte sich eher aus seiner Jacke, als dass er sie auszog. Sie fiel einfach auf den Boden, mitten im Flur. Taumelnd stolperte ins Wohnzimmer, drehte wieder abrupt um und ging dann mit glasigen Augen in die Küche. Obwohl ich auch Koordinationsschwierigkeiten hatte, sagte ich mir, dass ich Jensen ins Bett bringen musste, da er es ohne Hilfe wahrscheinlich nicht in sein Schlafzimmer schaffen würde. So stolperte ich ihm hinterher und stützte mich dabei sicherheitshalber an jeglichen Möbeln oder Wänden ab, um ja nicht umzufallen.
„Jensen.", murmelte ich und blinzelte verwirrt, als ich in der Küche ankam. Ich hatte nicht bemerkt, wie Jensen das Foto herausgenommen hatte, das er gleich nach der Entwicklung vorsichtig in die Innentasche seiner Jacke gesteckt hatte. Unbeholfen fischte er einen kleinen Kühlschrankmagneten aus der Küchenschublade, die mit Krimskrams vollgestopft war. Torkelnd ging er auf den Kühlschrank zu und knallte das Foto mithilfe des Magneten an die metallische Kühlschranktür. Zufrieden starrten seine müden, grünen Augen auf das Bild.
„So schön.", nuschelte er und grinste selig.
„Ja.", stimmte ich ihm zu und umfasste mit meiner Hand seinen Bizeps, um ihn aus der Küche zu ziehen. „Komm. Wir bringen dich ins Bett.".
Jensen grinste dreckig. „Okidoki.", nuschelte er und taumelte unbeholfen hinter mit her, als ich ihn an seinem Oberarm aus der Küche führte und Richtung Schlafzimmer brachte. Ich spürte, dass er seinen Blick an mir hoch und runter gleiten ließ, während ein fettes Grinsen auf seinen Lippen lag. Er hoffte – in seinem benebelten Zustand – wahrscheinlich, dass wir miteinander schlafen würden. Falsch gedacht.
Als ich die Tür zu seinem Schlafzimmer aufmachte, flog mir gleich sein würziger Geruch in die Nase. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht in sein Bett zu springen und mir die Bettwäsche an die Nase zu drücken. Sein Duft benebelte meinen Verstand – beinahe noch mehr als der Alkohol.
„Komm.", murmelte ich. „Setz dich aufs Bett. Wir müssen dich ausziehen.". Ich schob Jensen in den Raum hinein und drehte ihn um, sodass er direkt vor mir stand. Sanft legte ich eine Hand auf seine Brust und drückte ihn nach hinten, bis er mit seinen Kniekehlen an die Bettkante stieß und er sich auf die Matratze setzte.
Seine glasigen Augen blickten zu mir hinauf, als ich begann die Knöpfe seines schwarzen Hemdes zu öffnen. Es war nicht so leicht. Sie entwischten mir immer und tanzten vor meinen Augen herum. Beinahe Ewigkeiten brauchte ich, um gerade einmal einen Knopf zu öffnen.
Jensen ließ seinen Blick in meinen Ausschnitt wandern und grinste zufrieden. Auf seinem Gesicht war eine leichte Schweißschicht und seine Wangen waren gerötet. Definitiv die wärmende Wirkung des Alkohols. Als ich nach einer zweiten Ewigkeit endlich sein Hemd geöffnet hatte und es aus seiner dunklen Jeans zog, legte er seine Hände an meine Hüften und zog mich mit einem Ruck an sich heran, sodass ich mich an seinen Schulter abstützen musste, um nicht umzufallen.
„Jetzt du.", raunte er und ließ seine Hände unter mein Oberteil gleiten.
Obwohl ich nichts lieber gehabt hätte, als dass Jensen mit mir schlief, packte ich seine Hände und führte sie aus meinem Shirt. Ich hätte seinen Zustand ausgenutzt, wenn ich es zugelassen hätte. Und das wollte ich nicht. Eigentlich schon, aber ich verbannte das kleine Teufelchen auf meiner Schulter.
„Du bist doch völlig betrunken.", meinte ich und wandte mich dann an seine Hose.
Der betrunkene Schauspieler hob eine Augenbraue und fixierte meine Finger, die sich an dem Knopf seiner Jeans zuschaffen machten, mit einem dreckigen Grinsen. Bereitwillig hob er sein Gesäß an, wobei er beinahe das Gleichgewicht verloren hätte und half mir so, seine Hose bis zu seinen Kniekehlen zu ziehen. Leider hatte ich seine Schuhe vergessen. So kniete ich mich hin und streifte ihm die dunklen Schuhe von den Füßen, die ich daraufhin achtlos an den Rand des Zimmers schmiss. Dann richtete ich mich wieder auf und wollte an Jensen Jeans ziehen, als der hitzköpfige Schauspieler erneut meine Hüften packte und mich an sich zog.
Dieses Mal war ich nicht schnell genug. Ich konnte mich nicht mehr halten und fiel gegen den Grünäugigen, der ebenfalls nicht mehr in der Lage war dagegen zu wirken. Somit fielen wir in die weiche Matratze. Ich auf Jensen und Jensen unter mir. Reflexartig hatte er seine Arme fest um meine Taille geschlungen, ließ aber auch nicht los, als die Matratze unseren Sturz längst abgefedert hatte.
Ich spürte Jensens warmen Körper durch dem Stoff meines Oberteils und jeden einzelnen Muskel unter seiner weichen Haut. Und natürlich seine starken Arm, die sich fest um mich geschlungen hatten.
Jensen lachte leise. „Lass uns kuscheln.", murmelte er in mein Ohr und verpasste mir eine dicke Gänsehaut. Sein warmer Atem kitzelte mein Ohr und ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich wollte mich wieder aufrichten, doch Jensens Griff war zu fest.
„Komm schon, wir müssen dich noch ausziehen.", erklärte ich, stemmte meine Hände gegen seine Schultern und drückte meinen Oberkörper etwas hoch, sodass ich dem Schauspieler ins Gesicht sehen konnte. Zu meiner Überraschung hatte er die Augen geschlossen und seinen Kopf zur Seite gedreht. „Jensen?", fragte ich. „Jensen?".
Ich rüttelte etwas an seiner Schulter, doch der betrunkene Kerl reagierte bloß mit einem leisen Grummeln und verzog etwas das Gesicht. Dann entspannte er sich und blies die Luft einmal hörbar aus, eher er einmal schmatzte und seinen Kopf ein wenig an der Matratze rieb. Daraufhin war er still.
Eigentlich wollte ich mich aus seinem Grif befreien, doch obwohl der Schauspieler scheinbar eingeschlafen war, schienen seine Arme beinahe krampfhaft um mich geschlungen zu sein. Also seufzte ich und ergab mich meinem Schicksal. Ich bettete meinen Kopf an seiner Schulter und schlief überraschend schnell ein.
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Wie Rome und Julia
Fanfiction„Weißt du.", sagte er mit zitternder Stimme, die verriet, dass er jeden Augenblick in Tränen hätte ausbrechen können. „Ich dachte, das mit uns wäre etwas besonderes. Ich dachte wirklich, wir hätten eine Zukunft... Wir zwei, in Dustins Haus... mit ei...