„Hörst du jetzt mal auf damit?" Meckerte ich, weil Samra mich immer wieder in die Seite piekste während wir zusammen auf der Couch saßen und irgendwelche dämlichen Fernsehsendungen schauten.
„Macht aber Spaß" sagte er belustigt und machte weiter. Genervt sprang ich vom Sofa auf und zog meine Schuhe an.
„Wo willst du hin?" fragte er alarmiert und schaltete den Fernseher aus.
„Wir wollten ins Studio, schon vergessen?" erinnerte ich ihn nörglerisch.
„Ah stimmt, da war ja was." stellte er fest und ging in seine Wohnung rüber, um seinen Autoschlüssel zu holen. Jetzt einfach die Tür zu machen und keinen mehr rein lassen. Oder Samra in seiner eigenen Wohnung einsperren und einfach abhauen. Das wärs.
„Hallo?" rief Samra und schnippte mir vor dem Gesicht herum.
„Hm?" murmelte ich Gedankenverloren.
„Ob du alles hast hab ich gefragt. Meine Fresse hör auf zu träumen ich steh doch direkt vor dir." Nörgelte er arrogant und zog sich ebenfalls die Schuhe an.
„Als ob ich von dir träumen würde, ich bitte dich. Und wenn dann nur Albträume." sagte ich abweisend und schloss meine Haustür ab.
„Das reicht mir völlig aus." Er grinste triumphierend und sprang dann lässig die Treppen runter. Kopfschüttelnd folgte ich ihm und wir stiegen in sein Auto ein.
„Deine Eltern haben nie was von einem Bruder erwähnt" sagte er nachdenklich, nachdem er während der Fahrt eine ganze Weile still vor sich hin gegrübelt hatte.
„Vielleicht hat das seine Gründe." Murmelte ich nur abwesend und schaute aus dem Fenster.
„Und Welche?" hakte er neugierig nach.
„Samra, ich will da jetzt echt nicht drüber reden okay? Lass einfach gut sein." sagte ich achtlos.
„Ich will das aber wissen"
„Mein Gott jetzt nerv mich bitte nicht damit. Du sagst mir auch nicht wer Cataleya ist, beziehungsweise warum sie da war."
Aus dem Nichts heraus legte er plötzlich eine halbe Vollbremsung hin und klammert sich schmerzerfüllt an seinem Lenkrad fest, während er schwer ein- und aus atmete.
„Samra?" flüsterte ich vorsichtig.
„Wenn du den Namen nur noch einmal erwähnst, dann..." murmelte er wütend und funkelte mich mit seinen dunkeln Augen an. Sein Blick war so durchdringend, dass es eine unangenehme Gänsehaut bei mir auslöste.
„Okay, sorry" sagte ich zurückhaltend und rutschte auf dem Sitz etwas weiter zur Tür, um einen kleinen Abstand zu gewinnen. Wäre aber eigentlich nicht nötig gewesen, denn wir waren schon auf dem Parkplatz angekommen. Mit einem wütenden Schnaufen riss er seine Tür auf und knallte sie danach so laut zu, dass ich zuckte. Er ging ein paar Schritte vom Auto weg und zündete sich dann eine Zigarette an, um sich abzureagieren. Mit zittrigen Fingern löste ich meinen Gurt und schälte mich aus dem Auto heraus. Mit langsam Schritten schlenderte ich zur Studiotür, als mein Handy anfing zu klingeln. Vladislav.
„Hey Baby" sagte er etwas bedrückt am anderen Ende der Leitung.
„Na du" grinste ich und spürte diese Wärme, die sich immer in mir ausbreitete wenn ich seine Stimme hörte.
„Mäuschen es tut mir mega leid aber ich kann jetzt doch noch nicht"
„Was warum?" Enttäuscht verschwand die angenehme Wärme wieder aus meinem Bauch und verwandelte sich in ein minimales Stechen.
„Ich muss hier noch einige Sachen klären, das ist mega wichtig."
„Und jetzt? Ich will nicht mit Samra alleine im Studio rumsitzen. Zumal er gerade sowieso schlechte Laune hat, wer weiß ob ich das überleben würde. Und zurück in die Wohnung will ich auch nicht, kannst du nicht einfach herkommen? Bitte?" flehte ich beklommen und hoffte, dass er es sich einfach anders überlegen würde.
„Ich würde gerne aber Baby ich kann nicht. Kannst du ihn mir mal bitte geben? Ich klär das mit ihm und wir sehen uns dann heute Abend Prinzessa" sagte er besänftigend und mit einem traurigen Gesicht näherte ich mich Samra, der sich mittlerweile anscheinend wieder eingekriegt hatte. Wortlos überreichte ich ihm das Hand und wartete dann, bis er auflegte.
„Okay Bruder machen wir so." Sagte er ruhig und gab mir dann mein Handy wieder.
„Steig ein." sagte er abweisend und schnippste in Richtung seines Autos.
„Wo fahren wir jetzt hin?" fragte ich völlig überrumpelt und tapste ihm hinterher.
„Shishabar. Mal gucken vielleicht kann ich die Jungs dazu holen. Capi versucht später auch zu kommen."
Sofort hellte meine Stimmung wieder auf und ich setzte mich eilig auf den Beifahrersitz. Ich hoffte so sehr dass Vladislav es noch schaffen würde. Obwohl wir uns heute erst gesehen hatten vermisste ich ihn so schrecklich.
„Willst du da so hingehen?" fragte Samra nach einigen Minuten und wies auf meine Jeans und das einfache Shirt, welches ich trug.
„Ist das denn schlimm?" fragte ich verwirrt.
„Naja wenn du schon mit mir weggehen willst, dann zieh dich wenigstens ein bisschen geiler an. Sonst denken die Leute ich würde dich im Keller gefangen halten oder so" sagte er arrogant.
„Also so schlimm sehe ich ja nun wirklich nicht aus!" verteidigte ich mich beleidigt und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Komm wir fahren schnell nochmal zu dir. Du hattest doch neulich dieses weiße Kleid an, zieh das heute nochmal an."
„Dein Ernst? Ich möchte kein Kleid tragen, ich fühle mich so wohl wie ich bin."
„Meine Fresse mach einfach. Sonst sperr ich dich wirklich noch im Keller ein." entgegnete er genervt. Ich schenkte ihm einen unglaubwürdigen Blick und kramte dann mein Handy aus meiner Hosentasche, um auf Instagram rumzugucken.
„Außerdem wird Capi das gefallen. Tu es für ihn." Fügte er nach ein paar Minuten hinzu. Ich verkniff mir jeglichen Kommentar dazu und versuchte mich einfach darauf zu freuen, meinen Freund heute Abend wieder zu sehen.
Samra parkte den Wagen genau vor der Eingangstür und zündete sich eine Zigarette an.
„Haide yalla. Und keine Tricks." meckerte er und wedelte mit der Hand in Richtung Tür.
„Schon gut" gefrustet ließ ich die Autotür zu fallen und lief dann die Treppen nach oben. Das Kleid hing noch auf der Leine, da ich es frisch gewaschen hatte.
„Shit" murmelte ich vor mich hin. Da dies aber nicht das einzigste Kleid war was wir an dem Tag gekauft hatten, entschied ich mich für ein anderes. Samra will dass ich geil aussehe? Kann er haben. Grinsend holte ich das leichte, schwarze Sommerkleid aus dem Schrank und schlüpfte vorsichtig hinein. Dazu schnappte ich mir noch eine kleine, schwarze Tasche für meinen Schlüssel und mein Handy und machte mich dann wieder auf den Weg nach untenn
Unten angekommen stieß ich gefühlvoll die Tür auf und musste grinsen, als ich sah wie Samras Kinnlade nach unten klappte als ich auf ihn zu kam.
„Geil genug?" lächelte ich triumphierend und setzte mich so graziös wie nur möglich wieder auf den Beifahrersitz.
„Eins mit noch mehr Ausschnitt hattest du wohl nicht?" Murmelte er fassungslos, was mir nur noch mehr Bestätigung gab.
„Nö." lächelte ich und richtete meinen BH, wodurch er nicht anders konnte als mir in den Ausschnitt zu starren.
„Gefunden was du suchst?" fragte ich selbstbewusst und schnell lenkte er seine Aufmerksamkeit wieder auf sein Auto, was er hastig startete und dann losfuhr.
„Ich hab Amar schon Bescheid gesagt dass wir kommen, wir kriegen die besondere Couch."
Die besondere Couch war der beste Platz von allen. Er war gleich neben der Bar und praktisch sowas wie ein VIP-Bereich.
„Wer kommt denn alles?" fragte ich neugierig.
„Naja wie gesagt Capi eventuell. Ansonsten Granit, Nima und Cem."
„Nima? Also Nimo? Oha wie krass den feier ich mega!" Ich freute mich wie ein kleines Kind und rutschte aufgeregt auf dem Sitz hin und her.
„Ja Nimo. Und Cem, also Capo. Aber tu mir einen Gefallen und mach nicht einen auf Groupie." nörgelte er.
„Mein Gott kannst du auch mal was anderes außer zu meckern? Das ist so anstrengend." Sofort zog sich meine Laune wieder ins negative.
„Weißt du eigentlich wie viele Weiber töten würden, um nur eine Sekunde mit mir verbringen zu können?"
„Tja, die kennen dich eben nur von Konzerten und Videos. Die wissen nicht dass du in Wirklichkeit ein selbstverliebtes, arrogantes Arschloch bist" Grinste ich und wuschelte ihm provokativ durch die Haare.
„Die meisten Mädels stehen aber genau darauf" Sagte er und grinste verschmitzt.
Ich rollte nur mit den Augen und er parkte lächelnd das Auto vor der Bar.
„Die Jungs sind schon drin." Mit einem Klick verriegelte er den Wagen und lief in die Bar, ohne auf mich zu warten oder die Tür aufzuhalten. Er ging einfach rein und behandelte mich wie Luft. Richtiger Gentleman.
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Viel Spaß mit dem Kapitel ihr süßen 😊
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Mademoiselle ~ Band 1
FanfictionJosy begegnet zwei Menschen, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen - und das nicht gerade auf die gute Weise. Zum einen Capi, der sie wegen seiner kriminellen Geschäfte immer wieder alleine lässt, und zum anderen Samra, der sie wie Dreck beha...
