Sie traten in den schmalen Hausflur, gingen die ausgetretene Treppe hinauf in den ersten Stock und betraten dann die kleine Wohnung. Hoffentlich schlief Zayn noch, dann hätte er mehr Zeit, sich eine Ausrede einfallen zu lassen, was Harry betraf.
„Hier kommt es mir vertraut vor", sagte Harry leise, als er den dunklen Flur betrat und seine Schuhe abstreifte. Die Socken, die er trug waren an manchen Stellen aufgerieben und die Haut darunter blutig und wund. Er verzog das Gesicht vor Schmerzen und legte dann die Regenjacke ab, zog sich die Mütze vom Kopf und wandte sich an Louis.
„Wo ist die Badewanne?"
„Wir haben eine Dusche", sagte Louis entschuldigend und Harry sah ihn an, als hätte er sich verhört. „Ihr habt eine Dusche? Wie im Schwimmbad? Mit fließendem Wasser?", fragte er und bekam große Augen.
„Ja", sagte Louis vorsichtig, trat sich die Turnschuhe von den Füßen und ging ihm voran durch den Flur. Auf der linken Seite befand sich das Badezimmer und er öffnete die Tür.
„Hier sind Toilette, Waschbecken und Dusche. Duschgel ist hier in den Flaschen und Shampoo auch. Du kannst alles benutzen, was dort steht." Er wies auf die Flaschen, die sich unten in den Ecken gesammelt hatten und Harry blickte interessiert auf die Verpackungen.
„Keine Seife?", fragte er vorsichtig und schnupperte an einem Duschgel.
„Das ist Seife, aber flüssig."
„Das riecht aber gut, kann man das essen?"
„Nein, lieber nicht, ich glaube nicht, dass das sonderlich gesund ist", sagte Louis schnell und nahm ihm die Flasche aus der Hand.
Harry zog sich das Unterhemd über den Kopf und löste langsam den Gürtel. Seine Handgriffe wirkten unkoordiniert, als hätte er sich seit Wochen nicht umgezogen und die Abläufe verlernt.
„Ich bringe dir noch ein Handtuch", sagte Louis schnell, huschte dann in sein Zimmer, das direkt gegenüber lag und kramte ein Handtuch aus dem Schrank.
Als er zurückkam, hatte Harry sich bereits komplett ausgezogen und die Dusche angeschaltet. Louis schloss rasch die Tür hinter sich und durchsuchte dann einen Schrank nach dem Erste Hilfe Kasten. Sobald Harry fertig war, würde er sich die Schnittwunden mal genauer ansehen.
Seine Mutter war Krankenschwester und er kannte sich ein bisschen mit Wundversorgung aus. Hoffentlich gut genug, um Harry helfen zu können.
Er setzte sich auf die Toilette und sah sich den Inhalt des Erste-Hilfe-Kastens genauer an. Sie hatten einige Klammerpflaster und Verbände vorrätig und auch eine desinfizierende Jod-Salbe war noch da. Er legte alles auf das Waschbecken, während Harry sich wusch.
Dafür brauchte er lange, was bei der Verschmutzung allerdings kein Wunder war, denn er musste allein die Haare mehrmals waschen, um all den Dreck herauszubekommen. Anfangs hatte er noch stehen können, doch nach wenigen Minuten schien seine Kraft endgültig nachzulassen. Er setzte sich auf den Boden der Dusche und wusch sich im Sitzen weiter.
Schließlich hatte er es geschafft und trat wieder auf den Vorleger. Er zitterte am ganzen Körper, als er sich abtrocknete und Louis wandte sich ab. Er wollte ihm die Privatsphäre lassen, die er brauchte und putzte sich in der Zwischenzeit schon mal die Zähne.
„Wow, du siehst ja wieder aus, wie ein Mensch", stellte er fest, als er sich zu dem Soldaten umdrehte und sah, dass er fast schon rosige Haut hatte, wenn man von den Verletzungen einmal absah, die ihn überzogen. Am rechten Unterarm hatte er einen mächtigen Kratzer und einige Stellen an Hüfte, Knien und Bauch waren Blau. Den Kopfverband hatte er abgenommen, doch eine sichtbare Wunde war nicht auszumachen.
DU LIEST GERADE
Airspeed Oxford
FanfictionDie Nacht ist nicht jedermanns Sache. Louis fühlt sich im Dunkeln allerdings ganz wohl, denn da stört ihn niemand. Er ist ganz allein, als er sich in seiner Nachtschicht im Museum gemütlich in eines der alten Flugzeuge aus den 40er Jahren setzt. De...
