Weil Harry als Nicht-Student unbefugt war, die Unibibliothek zu betreten, mussten sie sich mit der Public Library zufrieden geben.
Die befand sich jedoch in den Grand Arcades, einem Einkaufszentrum und Louis stand ein wenig unschlüssig mit Harry vor dem Gebäude. Da drin gab es eine Menge Geschäfte und sicherlich einiges, das Harry noch nie gesehen hatte. Er wollte ihn nicht überfordern.
„Was ist los, wieso gehen wir nicht rein?", fragte Harry und wippte unruhig auf den Fußballen vor und zurück.
„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, die haben schon geschlossen", sagte Louis schnell, dem keine andere Antwort einfiel. Immerhin wollte Harry sicherlich nicht hören, dass er überfordert sein könnte.
„Ach, wieso das denn? Hier sind doch noch Menschen", meinte der Soldat und deutete auf eine Gruppe junger Frauen, die mit Primark Einkaufstüten an ihnen vorbeigingen. Eine warf noch mal einen Blick über die Schulter und lächelte Harry an, der verlegen zurücklächelte.
„Sie hat mich angelächelt", stellte er dann fest und wirkte fast schon peinlich berührt. Louis nickte und zuckte die Schultern: „Du scheinst ihr eben gefallen zu haben."
„Die Frauen in deiner Zeit scheinen da ziemlich offensiv zu sein. Sie sind auch alle ohne ihre Männer draußen. Bei uns hätte es sowas nicht gegeben. Eine Frau sollte nicht alleine unterwegs sein, da könnte immer etwas passieren." Daraufhin musste Louis kurz lachen, wurde aber schnell wieder ernst, als der Soldat ihn kritisch ansah.
„Entschuldige, es ist nur so ungewohnt, jemanden in deinem Alter so sprechen zu hören", sagte er schnell und räusperte sich, weil seine Stimme vor Verlegenheit ganz rau geworden war.
„Ich bin so erzogen worden", sagte Harry achselzuckend und schob die Hände tief in die Taschen seiner Hose. „Ich kenne es nunmal nicht anders, dass die Frau ihren Mann um Erlaubnis fragt, wenn sie Geld ausgeben oder ausgehen möchte. Und Anstand haben hier wohl auch nur noch wenige. Zu meiner Zeit hätte man einen Hut oder eine Mütze getragen. Ich komme mir fast schon ein wenig nackt vor, ohne."
„Wir können dir eine kaufen, wenn du magst. Da vorne ist ein Secondhandgeschäft, die haben sicherlich Mützen." Louis war froh, das Gespräch von Frauenrechten auf Mützen verschoben zu haben, denn er war sich ziemlich sicher, dass die Ansicht von Harry und seine eigene ziemlich heftig aufeinanderprallen würden, wenn sie sie jetzt ausdiskutierten.
Allerdings konnte man es ihm nicht verübeln. Er kam nun mal nicht aus ihrer Zeit und wenn es damals als normal angesehen wurde, dass Frauen ohne ihre Männer zu nichts befugt waren, dann war das so. Es hatte sich eben nach und nach so entwickelt.
Deswegen hatte er wohl auch auf das Thema Homosexualität so reagiert. Das war immerhin bis 1967 als Straftat eingestuft worden.
Harry schien die Bibliothek vergessen zu haben und steuerte zielgenau auf den Secondhandshop zu, auf den Louis eben noch gezeigt hatte. Im Schaufenster standen schlichte Schneiderpuppen, die klassische Kostüme und schöne Halstücher trugen, es gab aber auch einige Holzköpfe, auf denen man Schiebermützen platziert hatte. Harry hatte bereits die schmale Straße überquert und stand vor dem Schaufenster, als Louis neben ihn trat. „Wie sieht's aus, wollen wir reingehen?"
In den Secondhandladen zu gehen, war die beste Entscheidung des Tages. Hier schien sich Harry wohl zu fühlen und blühte regelrecht auf und das, obwohl die meisten Klamotten aus den 60er und 70er Jahren stammten. 20-30 Jahre später.
Aber es schien ihm trotzdem ein gewisses Gefühl von Zuhause zu vermitteln. Interessiert ging er zwischen den Kleiderständern hindurch, musterte die Jacken und Mäntel an den Kleiderbügeln und besah sich dann die Mützen im Schaufenster. Louis schlenderte hinter ihm her und wartete ab, ob er sich für etwas entscheiden konnte. Für ihn war hier nicht wirklich etwas dabei. Er liebte die Mode der 90er Jahre, aber dieses altmodische Zeug war nichts für ihn.
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Airspeed Oxford
FanfictionDie Nacht ist nicht jedermanns Sache. Louis fühlt sich im Dunkeln allerdings ganz wohl, denn da stört ihn niemand. Er ist ganz allein, als er sich in seiner Nachtschicht im Museum gemütlich in eines der alten Flugzeuge aus den 40er Jahren setzt. De...
