„Hast du Angst vor ihm?"
„Ein bisschen schon. Hatte er eine Waffe bei sich?"
„Nein zum Glück nicht, sonst hätte er mich vermutlich gleich erschossen", sagte Louis halb belustigt, halb ernst und packte das Gemüse in den Kühlschrank.
„Louis?" Die fremde Stimme, rau und heiser, kam aus dem Zimmer und Louis hob den Kopf. Sollte er reinkommen?
„Los, mach schon", zischte Zayn und schob ihn aus der Küche hinaus auf den Flur.
„Harry? Ich bin hier", sagte Louis leise, klopfte an die Tür und öffnete sie.
Harry lag noch immer auf dem Sofa, schien aber schwach zu sein, denn er hob den Kopf nur kurz an, als er eintrat.
„Du bist immernoch da? Mist", sagte er und zupfte unsicher an dem fremden Bettzeug herum.
„Ja, dasselbe habe ich mir heute Morgen auch gedacht. Glaub mir, es wäre mir lieber gewesen, wenn das alles nur Einbildung gewesen wäre", sagte Louis und versuchte ein Lächeln zustande zu kriegen, doch Harry erwiderte es nicht. Er sah auf seine Hände und Füße, musterte die saubere Haut und berührte vorsichtig eines der Pflaster in seinem Gesicht, dann zuckte er zusammen und schloss die Augen. Ihm schien alles weh zu tun.
„Danke", sagte er dann leise und sah ihn kurz an, „ich kann es immernoch nicht fassen. Das kann doch alles nicht wahr sein."
Was sollte man darauf erwidern?
Ihm selbst wäre es auch auch lieb, wenn das alles nur Humbug wäre, aber da auch Zayn Harry gesehen hatte, musste Louis das Ganze einfach glauben.
„Wie geht es dir denn?", fragte er, trat ans Sofa heran und setzte sich. Er musterte den Soldaten. Harry sah nicht sonderlich gut aus und das, obwohl er sicher heute zum ersten Mal seit langem, ungestört geschlafen hatte.
„Ich fühle mich vollkommen erschöpft und mir tut der ganze Körper weh", antwortete er und kniff die Augen zusammen.
Einige der Pflaster hatten das Blut nicht ganz zurückhalten können, es zeichnete sich dunkel auf dem Material ab.
„Ich wechsele dir die Verbände mal", sagte er langsam und stand auf. „Ich bringe dir etwas zu trinken mit." Im Bad sammelte er den Erste-Hilfe Kasten wieder zusammen – gestern hatte er in der Eile einfach alles liegen lassen. Dabei stellte er fest, dass nicht mehr viele Pflaster da waren und er eigentlich Nachschub besorgen sollte.
Mit dem Kasten und einer Flasche Wasser kam er wieder zurück ins Zimmer und fand Harry wieder dösend vor.
„Harry", sagte er vorsichtig und streckte die Hand aus, um ihn zu berühren. Mit einem Keuchen schreckte er zusammen und schlug die Augen auf. Dabei berührte Louis seine Stirn und stellte fest, dass der Mann hohes Fieber hatte.
„Mist", fluchte er und Harry öffnete die Augen wieder. „Was ist los?"
„Du hast Fieber...", murmelte Louis und stellte die Flasche ab.
„Mir ist auch unglaublich warm", hauchte Harry und schloss die Augen wieder, sagte nichts mehr und ließ sich nur wieder ins Kissen sinken. Ratlos musterte Louis den Soldaten. Was, wenn er schlimmere Verletzungen hatte, als nur eine gebrochene Rippe und einige Kratzer?
Starb man nicht auch häufig durch innere Verletzungen, die durch Druckwellen ausgelöst wurden? Immerhin hatten solche Granaten doch eine ziemliche Einschlagskraft und konnten einem die inneren Organe ordentlich zerfetzen.
Was, wenn Harry seit Tagen innerlich verblutete? Da half das beste Pflaster nichts. Beschämt sah Louis auf den Erste-Hilfe Kasten hinunter, den er in der Hand hielt und mit einem Mal kam er sich total kindisch vor.
DU LIEST GERADE
Airspeed Oxford
FanfictionDie Nacht ist nicht jedermanns Sache. Louis fühlt sich im Dunkeln allerdings ganz wohl, denn da stört ihn niemand. Er ist ganz allein, als er sich in seiner Nachtschicht im Museum gemütlich in eines der alten Flugzeuge aus den 40er Jahren setzt. De...
