Lea
Ich werfe einen letzten Blick in den Spiegel und betrachte das dunkelrote Top und die Jeans, die ich für mein Date mit Ryan angezogen habe. Aber eigentlich interessiert mich gar nicht, wie ich aussehe und ob Ryan es gut findet. Ich kann nur an das Grummeln in meinem Magen denken, dieses Gefühl der Unruhe und Anspannung. Und daran, dass ich das hier eigentlich gar nicht will. Aber jetzt kann ich auch nicht mehr absagen. Ryan schon wieder zu versetzen, damit würde ich mich noch schlechter fühlen. Also nehme ich meine kleine Handtasche und verlasse mein Zimmer.
»Geht es jetzt los?«, will Penny wissen, die mir im Korridor vor unserem Zimmer entgegen kommt. Sie mustert mich flüchtig, dann lächelt sie, als wäre sie zufrieden mit mir.
»Ja, wahrscheinlich wartet er schon«, sage ich und schon wieder grummelt mein Magen und ich muss an Ian denken, von dem ich nichts mehr gehört habe, seit er im Diner gekündigt hat. Was Karen ganz schönen Ärger bereitet hat, weil sie so schnell keinen Ersatz für ihn gefunden hat und ich noch nicht genug eingearbeitet bin, um alle Vorgänge zu kennen.
»Dann viel Spaß«, wünscht sie mir.
Ich nicke und gehe die Treppen nach unten. Als ich am offenen Wohnzimmer vorbeikomme, sehe ich Liz, die so mit ihrem Handy beschäftigt ist, dass sie mich gar nicht bemerkt. Ich verlasse das Haus und treffe auf der Veranda auf Ryan, der eine einzelne rote Rose in der Hand hält und über das ganze Gesicht strahlt. Er geht vor mir auf die Knie, senkt den Kopf und hält mir die Rose entgegen. »Danke, dass du mir noch eine Chance gibst. Ich habe mir das Hirn zermartert, auf der Suche nach einer Antwort, warum du nicht mit mir ausgehen möchtest.«
Laut lachend nehme ich die Rose. »Danke. Es tut mir leid, dass ich dich versetzt habe.«
Ryan steht auf und nimmt meine Hand. »Dir ist verziehen.«
Wir gehen zu seinem SUV, der direkt vor dem Haus parkt, er öffnet mir die Tür und hilft mir auch dieses Mal beim Einsteigen. Ich sehe ihm zu, wie er vor dem Auto auf die Fahrerseite wechselt und dann einsteigt.
»Was zeigst du mir heute?«
Er lächelt geheimnisvoll, startet den Motor und fährt los. »Zuerst gehen wir Essen. Eine hübsche Frau führt man in ein gutes Restaurant aus«, sagt er und fährt das Auto aus dem Campus heraus in Richtung Stadt. »Danach ... mal sehen.« Seine Augen funkeln und ich habe das Gefühl, dass er genau weiß, was er mir danach zeigen möchte, es mir aber noch nicht verraten möchte. Ob ich ihm sagen sollte, dass ich Überraschungen nicht leiden kann. Besonders, wenn ich mit einem Mann unterwegs bin, den ich kaum kenne?
Ich versuche mich zu entspannen, während Ryan weiter stadteinwärts fährt, und konzentriere mich auf meine Atmung. Das hilft mir, die aufsteigenden Ängste herunter zu kämpfen, noch bevor sie aus mir herausbrechen können. Das ist Ryan. Ryan ist in Ordnung.
Der Abend verläuft ruhig und je weiter er fortschreitet, desto ruhiger werde ich. Ryan besitzt eine Menge Humor und ich kann viel über ihn lachen, was mir sehr gefällt. Er ist zuvorkommend, aufmerksam und je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, desto mehr mag ich ihn. Eine Weile hilft er mir sogar dabei, den Schmerz in meiner Brust zu vergessen.
Nach dem Abendessen fährt Ryan zurück auf den Campus und parkt das Auto vor der Stevenson Hall. Es ist schon dunkel, aber die hübschen Laternen beleuchten den Campus, so dass es kaum dunkle Plätze gibt. Das ist etwas, das ich sehr mag an diesem Campus, dass man sich sicher fühlen kann, selbst wenn man spät abends noch über den Campus läuft. Außerdem ist der Campus eigentlich nie leer, irgendwo gehen immer einige Studenten spazieren oder unterhalten sich.
Wir durchqueren das wie einen Park angelegte Zentrum und folgen dann einem der Hauptwege, bis wir fast am Ende des Campus angekommen sind. »Wir hätten auch hier hinten parken können«, sagt Ryan und deutet mit dem Kinn auf einen kleinen Parkplatz vor einem kleineren Gebäude, von dem ich nicht weiß, was sich darin befindet. »Aber ich dachte, es ist vielleicht ganz angenehm, wenn wir ein Stück laufen, solange es noch nicht zu kühl ist.«
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The Distance between us
RomantizmDie letzten beiden Jahre hat Lea damit verbracht zu vergessen, sich selbst einzusperren und gegen ihre Ängste anzukämpfen. Jetzt soll sich alles ändern. Leas erstes Semester am College beginnt und sie verspricht sich selbst, dass sie ab sofort das L...
