Die Tage gingen dahin und die Ausdauer der Kinder wuchs mit jedem Tag. Max musste nicht mehr ganz so viel durch die Gegend getragen werden und die kleinen Hilfestellungen ihrer Knappen erhöhte die allgemeine Laune der Soldaten und somit ihre Zuneigung für die Kinder spürbar. Die enge Zusammenarbeit und die gegenseitige Nähe sorgten auch dafür, dass Max in Gesellschaft der Soldaten langsam auftaute. Der lustige Koch war dabei ein wichtiges Bindeglied zwischen den Kindern und den Soldaten. Seine Albernheiten sorgten nicht selten dafür, dass die Männer ihre Augen verdrehten, Sam nur seinen Kopf schüttelte und Mäxchen so laut und lange darüber lachte, bis er alle anderen damit angesteckt hatte. "Dies ist definitiv der lustigste Einsatz den wir je hatten", gestand der Koch eines Morgens nach einem besonders harten Marsch mit Tränen in den Augen und der Anführer seufzte gespielt auf. "Lächerlich, einfach nur lächerlich", gab er ein Zitat aus einer beliebten Kinderserie im Netz zum besten und alle lachten erneut.
Während ihrer Märsche saugte Sam begierig jedes neue Wissen auf, dass sich ihm bot in dem er das Verhalten der Männer genau beobachtete und ihren Lektionen stets mit Enthusiasmus lauschte. "Hörst du das?" Der Späher sah Sam fragend an und der versuchte verzweifelt zu erkennen, worauf der Mann hinaus wollte, doch schließlich schüttelte er entschuldigend den Kopf. "Ich höre nichts, nicht einmal das Fiepen der Feldmäuse, oder das zirpen der Grillen" gab er leise zu. Der Späher nickte jedoch nur und wirkte erstaunlich begeistert von dieser Antwort. "Ganz genau." Vorsichtig sahen sich die beiden weiter um und entdeckten bald darauf einen trockenen Busch, der in Flammen stand. Schnell erstickten sie das Feuer mit Sand und Erde, damit es nicht auf andere Dinge übersprang, auch wenn es in dieser Gegend wohl kaum genug Nahrung finden würde, um sich all zu weit auszubreiten. So lernte er, dass es beim Spähen nicht nur darauf ankam etwas zu bemerken, was da war, wo es nicht hin gehörte, sondern auch zu erkennen, wenn etwas fehlte, wo es eigentlich vorhanden sein müsste.
Auch die Kinder hatten besonderes Wissen, und begannen langsam damit, dieses mit den Männern zu teilen. "Riechst du das?" Max sah den Koch mit begeisterten Augen an, während sie durch ein kleines Wäldchen marschierten. "Puh, ja, das stinkt furchtbar. Was ist das?" Max lachte. "Lass uns nachsehen." Die Männer waren alarmiert und versuchten, das fröhliche Kind zurück zu halten, weil es um so stärker nach Verwesung roch, je näher sie ihrem Ziel kamen. Erst als sie die ersten Stinkmorcheln entdeckten, entspannten sie sich wieder. "Gott, ist das obszön," schüttelte sich einer der Soldaten bei dem Anblick dieser Pilze und alle überlegten, ob sie den kleinen Jungen besser zurückhalten sollten, als dieser in die Hocke ging um etwas auszugraben was wie halb vergrabene, schmutzige Hühnereier aussah. Vorsichtig legte er sie dem Koch in die Hände, der das Gesicht verzog. Die Dinger fühlten sich an wie hochreife Tomaten, prall aber auch fragil, als ob sie jederzeit platzen könnten. Nur der stolze Blick des Kindes hielt ihn davon ab, sie sofort fallen zu lassen. Zum Glück stanken diese Dinger nicht so fies wie die Pilzen um sie herum. "Hexeneier, lecker" erklärte Sam, als er hinzu kam. Schnell nahm er sein Messer zur Hand entfernte bei jedem einzelnen Ei die weiße Außenhaut, die bräunliche Gallertmasse und die braungrüne Schicht darunter und operierte so die weißen Kerne heraus, um sie einzustecken. "Die können wir vor dem Schlafen gehen anbraten. Mit etwas Salz sind die echt lecker und schmecken kaum pilzig." So lernten die Männer von den Kindern unbekannte Geräusche und Gerüche den Tieren und Pflanzen dieser Gegend zuzuordnen.
In den Pausen begann Sam immer öfter, Fragen zu stellen, zuerst zögerlich, denn niemand in den Außenlanden verriet gerne seine Geheimnisse, doch dann immer öfter, als er bemerkte, dass die Soldaten bereitwillig Auskunft erteilten. "Warum hast du mich vorhin entscheiden lassen, ob wir noch den Schlenker durch das Wäldchen machen sollen oder nicht? Du bist doch der Anführer." Sams Frage entsprang der reinen Neugier und enthielt keinerlei Vorwurf und so erhielt er eine offene und ehrliche Antwort. "Du scheinst die Gegend hier besser zu kennen als wir, also vermutete ich, dass du besser als ich weißt, ob sich der Umweg lohnt oder die Gefahren die Vorteile überwiegen. Außerdem kannst du besser als ich einschätzen, ob Max und du den zusätzlichen Weg noch schafft." Sam war erstaunt, weil ihm ein Erwachsener nicht nur zugehört sondern auch seiner Entscheidung vertraut hat. "Es ist wichtig, deinen Leuten zu vertrauen und sich auf ihre Fähigkeiten zu verlassen. Unser Späher hat mir von deinem Wissen erzählt und mir ist dein Können ebenfalls aufgefallen, warum soll ich also nicht darauf zurückgreifen?" Der größere der beiden Kinder nickte verstehend und erkannte nun, warum dieser Mann so ein guter Anführer war und warum ihm seine Truppe bedingungslos vertraute, weil er dieses Vertrauen erwiderte.
DU LIEST GERADE
Sam & Max ✅
PengembaraanDiese Geschichte handelt von Sam und Max Jakobi. Sie gehört zu meinem Buch "Die Scharfschützin" und ich empfehle daher, diese zuerst zu lesen. Zwar wird die Welt weitgehend im Vorwort beschrieben und soweit nötig auch innerhalb der Geschichte erkl...
