-10-

35 2 7
                                        

Ich drehte mich um und vor mir stand der Junge von vorhin. Er räusperte sich und sagte dann:
„Mr. Hale hat mich geschickt. Er meinte ich solle dich zu ihm bringen, da du schon bei McWyer warst. Komm einfach mit."
Den letzten Satz musste er schreien, da irgendein Idiot herausgefunden hatte, wie die Musikanlage funktionierte und sie auf volle Lautstärke gedreht hat.

***

Ich folgte also dem schwarzhaarigen Jungen nach draußen, wo schon Sam mit Mr. Hale auf uns wartete. Wir liefen ein Stück, um vom Haus wegzukommen, dann erklärte Chris uns, dass McWyer meinte, dass sie schon mit uns geredet hat und Sam wohl keine weiteren Fragen hätte. Deshalb sollte Luca, sein Auszubildender, uns schon mal unsere Hütten zeigen. Zum Schluss fügte Mr. Hale noch grinsend an Luca gewande hinzu: „Kann ich dich den überhaupt mit den Beiden hier allein lassen? Nicht das du später wieder irgendwo bewusstlos rumliegst."
Auf dem Gesicht des Jungens breitet sich eine leichte Röte aus. Anscheint war es im nicht ganz egal, dass er von zwei Mädchen überfallen wurde. „Dafür konnte ich nichts!", protestierte er, „die eine von hinten hat mich voll überrascht." Sam zog nur die Augenbraue hoch und meinte genervt: „Können wir dann jetzt?"
Der Junge nickte und lief einen Pfad neben dem Haupthaus entlang. Schweigen breitet sich aus, bis wir an den ersten dreieckigen Hütten ankamen. Sie sahen echt schön aus und nicht wie diese Häuser oder fast Baracken, die immer in Jugendherbergen zu finden waren. Luca lief an ihnen vorbei und erklärte uns, dass das hier die Jungshütten sind.


Danach ging den Weg weiter geradeaus und schon bald war das erste Dach einer Hütte zu sehen.
„Das hier sind die Hütten für euch. McWyer hat vorher schon eine Einteilung gemacht, aber da ihr als erstes hier wart und so gut im Team gearbeitet habt, hat sie den Hüttenplan noch einmal überarbeitet, was bei ihr ein echtes Wunder ist. Ihr müsst Samantha Whitley und Lucinda Fryman sein?"
Fast gleichzeitig sagten Sam und ich, dass wir Sam und Lucy sind und so auch genannt werden wollen. Daraufhin lächelte Luca nur und verdammt, sein Grinsen war echt süß. Ich konzentrierte mich schnell wieder auf die Hütten vor uns, die alle mit ca. 20 Metern Abstand voneinander aufgereiht waren. Ganz am Ende befand sich noch eine Hütte, etwas abgelegener von den anderen. Auf diese steuerte Luca nun zu.
So, da wären wir," meinte Luca und schloss die Tür auf. Er drückte mir den Schlüssel in die Hand und verschwand zwinkernd mit den Worten, dass wir uns ja schon mal in unserem luxuriösen Appartement umschauen können.

***

„Schlecht siehst hier drinnen echt nicht aus!", urteilte Sam über unsere Behausung. Ich musste ihr echt recht geben. Wir befanden uns in einem Art Wohnzimmer mit einem Sofa und einem Tisch mit fünf Stühlen auf der anderen Seite. In einer Ecke stand ein kleiner Kühlschrank, der aber leider leer war, wie Sam feststellte. Wir durchschritten den Raum und befanden uns in einem rechteckigen Gang, von dem drei Türen abzweigten. Wir lugten in die Zimmer und stellten fest, dass zwei als Schlafzimmer und das am Ende des Ganges, als Badezimmer dienen sollten.

„Wir müssen aber echt Glück haben, wenn wir nur zu zweit sind.", sagte Sam glücklich. „Freu dich mal nicht zu früh, oder hast du die kleine Treppe im Wohnzimmer nicht gesehen?"
Und ich sollte recht behalten. Die Treppe hoch gab es noch zwei weitere Zimmer, mit jeweils einem Bett und Schrank. Diese Räume waren durch einen kleinen Gang verbunden. Ich suchte mir eins der oberen Zimmer aus. Es war in einem angenehmen beige gestrichen und mit Laminat ausgelegt. Der Schrank stand an der geraden Wand, genau gegenüber von einem Fester, welches sich an der Schräge befand. Als ich aus dem Fenster sah, konnte ich auf der einen Seite einen Trainingplatz und auf der anderen den Wald sehen.
Ich schmiss meine Jacke aufs Bett und lief runter zu Sam. Sie hatte sich für eines der Zimmer unten entschieden. Es war so ähnlich wie meines eingerichtet, besaß aber ein kleineres Fester. Ein weiterer Unterschied war die Wandfarbe, die in ihrem Raum weinrot war. Auch sie legte ihre Jacke auf ihr Bett und wir verließen die Hütte, schlossen aber vorher ab. Ich wollte mir später, um die Schlüssel nicht mit denen von den anderen zu verwechseln, den Namen unserer Hütte mit Edding auf den Schlüssel schreiben.

***

Sam und ich schlugen den Weg zurück zum Hauptplatz ein. Unterwegs kamen uns mehrere Jugendliche, aber auch Kinder zwischen 10 und 12, aufgeregt entgegen. Sie hielten alle Zettel in der Hand, auf denen ihre Hüttennummern standen. Im Vorbeilaufen fiel mir auf, dass die Namen der Hütten der Jungs alle mit eine A gekennzeichnet waren, während wir Mädchen ein B hatten.

Nachdem die ersten Schwärme ihre Häuser begutachtet hatten wurde es langsam ruhig. Wir bekamen alle ein neues Handy, da die Nummern der Campleiter streng geheim bleiben müssen, wir diese allerdings für den Notfall in unseren Kontakten haben mussten und zusätzlich ein Nutzernamen und Passwort für die campinternen Computer. Trotzdem werden wir morgen mit unseren Klamotten und noch ein paar anderen eigenen Dingen unser „altes" Handy bekommen, um zum Beispiel den Kontakt mit unseren Freunden zuhause aufrecht zu erhalten.
Danach gingen wir in der riesengroßen Mensa, direkt neben dem Büro der Campleiterin essen. Es gab Nudeln mit Tomatensoße. An sich schmeckte das Essen echt gut.
Mr. Hale und Mrs. Foster teilten nach dem Essen im Aufenthaltsraum die Stundenpläne aus. Ich verglich meinen mit Sams und wir stellten fest, dass wir Kampfsport, Geschichte und Waffentraining zusammen hatten. Ich freute mich schon auf die nächste Woche, da dort der Unterricht normal beginnen würde, war aber auch etwas niedergeschlagen, dass ich so weit weg von meiner Heimat und meinen Freunden war.

Am späten Abend saß ich zusammen mit Sam auf dem Sofa in unserer Hütte. Wir hatten Schlafklamotten vom Camp gestellt bekommen, was sich echt komisch anfühlte, aber für die zwei Nächte war es echt in Ordnung. Um 22:30 Uhr war im ganzen Camp Nachtruhe und die Lehrer haben schon angedroht was passieren würde, wenn sie einen danach noch draußen erwischen. Wir hielten uns daher lieber an die Zeit und es dauerte auch nicht lange bis ich eingeschlafen war.
Ich schlief unruhig und träumte von riesigen affenähnlichen Wesen, die mich quer durch den Wald verfolgten.

Agent 16 - Das Boot Camp (ON HOLD)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt