Shoyo war nervös. Das konnte er nicht leugnen. Er hatte lange gezögert. Doch letzten Endes hatten Natsus Worte ihm den letzten Stoß gegeben. Menschen machen Fehler. Das hatte sie gesagt. Er hatte darüber nachgedacht. Lange. Und immer wieder kamen auch die guten Momente hinzu.
Er hatte mit Kageyama so viel erlebt. Kageyama hatte ihn gefunden, als er gebrochen am Ufer saß. Er kam zu ihm und war einfach sein Freund. Er hatte ihm durch so viele schwere Zeiten geholfen. Durch jeden April. Er hatte ihn irgendwie zum Volleyball gebracht. Das Volleyball, das er so sehr liebte wie Kageyama. Er liebte ihn. Hatte ihn geliebt.
Das erste Oberschuljahr war schön, aber auch hart. Er war so oft von seinen Gefühlen überwältigt worden. Er hätte ihn so gern nach jedem Spiel in ein dunkle Ecke gezogen und unartige Dinge gemacht. Er hatte Abende lang an seine majestätischen dunkeln Augen gedacht. In seinem Kopf hatte er sich ihr gemeinsames Leben ausgedacht. Er würde ihn heiraten. Kinder adoptieren. Sie würden ein Profi Volleyball Pärchen werden und all so Sachen.
Und als am Anfang des zweites Jahres sein Traum wahr wurde, schwebte er auf Wolke 7. Er hatte nie gedacht, dass Kageyama das Gleiche empfinden würde. Sie verbrachten ein wundervolles ganzen Jahr. Bis... bis er verschwand. Dieses letzte Jahr wog schwer. Es hatte Shoyo zerstört. Er war so oft am Rande der Klippe gewesen und nur mit Hilfe seiner Freunde war er nicht gesprungen.
Kageyama... Kageyama war schuld. Und diese Schuld... all die guten Momente konnte die Schuld nicht ausgleichen. Er würde sich anhören, was Kageyama zu sagen hatte. Er wollte seine Geschichte hören. Was passiert war. Und dann würde er entscheiden. Irgendein Gefühl sagte ihm, dass er Kageyama bei der Brücke sein würde. Es war nur eine Vermutung, aber es stimmte.
Shoyo sah Kageyama am Ufer sitzen, da wo sie immer als Kinder gespielt hatten. Genau da wo Kageyama ihn das erste Mal angesprochen hatte, als er mal wieder von der Trauer zu hause ausgebrochen war.
Diesmal war es Shoyo, der auf ihn zuging. Kageyama saß zusammengesunken da und hatte seinen Blick auf das Gras vor ihm gerichtet. »Hey.« Shoyo setzte sich mit ein bisschen Abstand neben Kageyama und blickte ihn an. Kageyama schreckte bei seiner Begrüßung auf und schaute ihn überrascht an. »Was machst du hier?«, fragte er. »Ich will dir eine Chance geben. Ich will dich anhören.« »Warum?« »Weil Menschen Fehler machen.« »Ah.« Kageyama blickte auf den Boden vor ihm und spielte nervös mit seinen Fingern.
Eine Weile sagte niemand was und Shoyo lauschte dem Rauschen des Flusses. Dann erhob Kageyama die Stimme: »Es tut... mir wirklich leid. Es ist viel passiert und... es gibt einige Sachen, die ich echt bereue.« Shoyo nickte und wartete, dass Kageyama weitermachte.
»Weißt du, die Zeit letztes Jahr. Es ging mir nicht so gut. Meine Eltern hatten den Umzug schon geplant und außerdem hatte sie über unsere Beziehung rausgefunden...« Kageyama schluckte und fing an das Gras vor ihm rauszurupfen.
»Sie waren davon nicht begeistert. Sie... wir hatten einen Streit und dann haben wir lange nicht geredet. Ich hab dir nichts erzählt, weil... es war April und ich wollte dich nicht noch mehr belasten. Und ich dachte ich könnte es alleine klären. Doch meine Eltern waren stur. Es herrschte eine bedrohliche Stimmung und sie haben mir fast alles verboten. Und dann haben sie mir von dem Umzug erzählt. Ich war geschockt und dagegen, doch ich konnte nichts einwenden. Sie hatten alles schon geplant. Und dann kam die Nachricht, dass es meinem Großvater schlechter ging. Ich... ich war überfordert und... ich habe ihn besucht und... es war mein letzter Besuch gewesen. Am Tag darauf hatte ich Kopfschmerzen und mir ging es echt schlecht. Das war der erste Schultag. Ich hatte dir geschrieben, dass alles in Ordnung wäre, aber... zu der Zeit war ich einfach überfordert. Der Stress mit meinen Eltern, der Umzug und mein Großvater. Ich.. ich hätte auch an dich denken sollen. Aber... ich... ich hab es nicht. Das tut mir jetzt leid.«
Shoyo nickte mit einem Klos im Hals. Er konnte nichts sagen, deswegen schwieg er einfach. »Am nächsten Tag wäre ich eigentlich wieder in die Schule gekommen, wenn nicht... wenn nicht mein Großvater gestorben wäre. Die Nachricht kam am Morgen und... ich war so verzweifelt.« Kageyama blickte ihn mit Tränen in den Augen an. Er schluckte einmal.
»Ich wollte doch noch soviel von ihm lernen und ihn noch soviele Fragen fragen. Besonders hätte ich ihn mit der Beziehungssache und meinen Eltern gebraucht. Doch... naja. Wir hatten einen Tag für die Verabschiedung. Dann sind wir schon umgezogen. Meine Eltern hatten alles schon vorbereitet. Das neue Haus, die Schule,.... Ich konnte nichts tun. Ich... es tut mir so leid, Shoyo.«
Die Tränen rollten über Kageyamas Wange und Shoyos Herz zog sich zusammen. Er verstand ihn, irgendwie. In einzelnen Punkten. Doch so vieles war noch ungeklärt. Er traute sich fast nicht die Frage zu stellen, doch leise fragte er: »Und warum hast du mir nicht geschrieben?«
»Ich will nicht sagen, ich hätte es nicht gekonnt, denn das hätte ich. Und das bereue ich jetzt, doch... Meine Eltern hatten mir mein Handy und Laptop weggenommen. Sie wollten wegen dir und mir nochmal richtig reden, doch ich war noch viel zu geschockt vom Tod meines Großvaters. Ich lag nur im Bett, starrte die Wand an und fragte mich, was das Leben für einen Sinn hatte. Ich hab überhaupt nicht an dich gedacht. Wie schlecht es dir gehen könnte. Ich hab mich in die neue Schule geschleppt und zurück. Irgendwann ging es wieder. Es wurde ein bisschen besser. Das erste Mal als ich wieder so richtig an dich dachte, war als meine Eltern mich darauf ansprachen. Sie sagten, sie akzeptieren es nicht und ich würde Schluss machen müssen, doch das brauchte ich nicht. Ich wusste ja nicht, wie es dir geht. Ich hatte keinen Kontakt mehr zu dir seit Wochen und ich hatte Schuldgefühle. Ich war so von mir eingenommen, ich hab dich total vergessen, obwohl du doch immer an erster Stelle standest. Ich hatte so Angst und ich hasste mich selbst.«
»Als ich mein Handy wieder bekam, traute ich mich nicht. Es war soviel Zeit vergangen und ich hatte soviel Angst. Was du nur von mir halten würdest. Ich dachte, du würdest nicht verstehen. Deswegen hab ich dir nicht geschrieben. Ich weiß, dass das ein Fehler war und dass ich das für immer bereuen werde. Ich war damals ein Feigling und ich verachte mich selbst dafür. Ich hab dir ein Versprechen gegeben. Zwei. Und ich Idiot habe sie nicht gehalten. Ich habe es nicht mal geschafft mich dafür zu entschuldigen.«
Mit zitternden Unterlippe drehte sich Kageyama zu Shoyo. Er blickte ihm tief in die Augen und beugte seinen Kopf vor ihm. »Es tut mir leid. Für all die Fehler, die ich gemacht habe und für die Versprechen, die ich gebrochen habe, ich möchte mich entschuldigen. Ich bereue alles. Und wenn du mir das alles nicht glauben solltest, dann würde ich das auch verstehen. Ich habe etwas Schreckliches getan und ich verdiene keine Vergebung, aber ich hoffe... ich hoffe, du kannst es irgendwie verstehen.«
Shoyo schaute Kageyama an, der vor ihm den Kopf beugte und sich entschuldigte. Für all seine Taten und für all das Leid. »Ich weiß es nicht.«, sagte er. »Ich muss darüber nachdenken.« Er stand auf und ließ Kageyama am Ufer zurück. Er hatte sich alles angehört. Er hatte endlich all die Antworten, die er immer haben wollte. Jetzt musste er nur noch entscheiden. Entscheiden, wie es weitergehen wird.
Es ist der Sonntag der Wahrheit: Kageyama erzählt seine Geschichte.
Nun bin ich sehr gespannt. Wie findet ihr seine Gründe? Was denkt ihr dazu? Und wie hättet ihr in Kageyamas Situation gehandelt?
Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag und tolle Ferien, falls ihr Ferien habt ;)
Jeeeness
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versprochen und gebrochen
Fanfiction~~Ich schwöre das und dass ich dieses Versprechen niemals brechen werde.~~ Die wichtigste Person in Shoyos Leben war Kageyama. Sie kannten sich seit ihren Kindheitstagen und gaben sich ein Versprechen immer auf den anderen Acht zu geben. Doch dieses...
