Die angespannte Stimmung legte sich nach jener Nacht, als hätte sie niemals existiert.
Changkyun und Tae Ri waren am nächsten Morgen noch immer die gleichen wie am vorherigen Abend, sprachen über das Geschehene und fanden zusammen.
"Lass es uns versuchen. Geben wir 'uns' eine Chance", lautete der Beschluss, den sie vor dem Frühstück einstimmig getroffen hatten.
Jin versuchte seine Enttäuschung zu verbergen, obwohl er gar nicht enttäuscht sein sollte, das wusste er nur zu gut.
Er wusste genau, dass Changkyun nicht so war wie er, und dennoch hatte er die Hoffnung erst begraben müssen, als er die beiden am nächsten Morgen gesehen hatte.
Er war froh darüber, ihm nie etwas gesagt zu haben, geschweige denn, es Tae Ri gebeichtet zu haben.
Das hätte sie wahrscheinlich sehr getroffen.
Als sie zu zweit nach Tae Ri gesucht hatten ist die Versuchung sehr groß gewesen, doch er hatte sich zusammenreißen können.
Das Pärchen schien in ihrer eigenen Welt zu leben, und ihre Großmutter schien diese Entwicklung sehr zu begrüßen.
Es geschah oft, dass die beiden vom Hof verschwanden, und Jin sagte nichts.
Auch dieses mal, als er sie davon schleichen sah, vertuschte er ihr verschwinden irgendwie, denn er hatte das Gefühl, den beiden etwas zu schulden.
Nicht, weil er auch in Changkyun verliebt war, sondern eher, weil er sich für Tae Ri freute, die nach all den Jahren endlich wieder glücklich aussah, als hätte sie ihren Weg jetzt gefunden.
"Wohin fahren wir?", rief sie über seine Schulter und klammerte sich an Changkyun, und das nicht, weil sie sonst vom Roller fallen würde.
"Weiß noch nicht!", hatte er gegen den Lärm zurück gebrüllt und sauste, so schnell es die Maschine eben konnte, die Straße entlang.
Sie kamen an Wäldern vorbei, fuhren mit der Sonne im Rücken über Feldwege und blickten über die gigantischen Weiten der Kornblumenfelder, grüßten die Menschen auf den Feldern mit einem Hupen und waren schon verschwunden, bevor sie sich überhaupt zu ihnen umdrehen konnten.
Und dennoch hoben sie die Hände und wunken.
"Wie lange haben wir noch Ferien?", fragte er wehleidig, als sie auf einer winzigen Lichtung im Wald herum dösten, mit dem Blick in den strahlend blauen Himmel gerichtet.
"Eine Woche, glaube ich", antwortete sie und begann damit, ihre Hände in das Gras zu graben und einzelne Halme heraus zu ziehen.
"Kommst du mich mal wieder besuchen?", fragte sie zögerlich und hob ihren Kopf, um ihm ins Gesicht zu schauen. Er drehte es in ihre Richtung und verschrenkte nachdenklich seine Hände hinter dem Kopf, ehe er den Blick wieder abwandte.
"Wenn ich die Zeit dazu finde, auf jeden Fall. Versprechen kann ich dir in nächster Zeit aber nichts", gab er widerwillig zu und versuchte sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.
Er vermisste die Zeit mit ihr jetzt schon, wenn er daran dachte, zurück nach Seoul zu kehren und sie erst im Herbst wiedersehen zu können.
Wenn er nach Hause zurück kehrte, würde er in der Firma seines Vaters anfangen müssen, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein, wenn dieser irgendwann nicht mehr ist.
"Vielleicht... vielleicht kannst du dann auch mal nach Seoul kommen? Dann siehst du wie ich so lebe", schlug er vor, etwas zurückhaltend, weil er wusste, wie sie über die Stadt dachte.
"Ich, in der Stadt? Du weißt, dass du mich anleinen müsstest, damit ich nicht verloren gehe?", antwortete sie belustigt und streckte sich.
"Klar, ich pass doch immer auf dich auf!", antwortete er lachend, und verlor nach dieser Antwort die Hoffnung, dass sie ihn begleiten würde.
Sie schwiegen eine Weile und lauschten dem Wind, der leicht durch die Bäume wehte und die Blätter zum rascheln brachten. Einzelne davon schwebten durch die Lüfte und landeten sanft auf der Erde, wo sie nur einige Sekunden verlieben, ehe sie weiter getrieben wurden.
"Wenn ich frei habe komme ich dann mal. Mal sehen, ob du genau so gut auf mich aufpassen kannst, wie ich auf dich", spaßte sie und lächelte zufrieden als sie seinen erstaunten Blick zu Gesicht bekam.
"Ehrlich?", rief er aus und setzte sich in Windeseile auf, um sie mit großen Augen anzustarren.
"Klar, wenn du dir schon das hier antust, muss ich mir ja auch mal ansehen wie die Großstadt sich verändert hat"
Sie kehrten erst spät am Abend wieder zurück, als Jin schon alles erledigt hatte und gerade die Scheunentür hinter sich schloss.
Die beiden fühlten sich ein wenig schlecht, jedoch taten sie das immer, wenn sie ihn alleine zurück ließen.
"Komm das nächste Mal mit", sagten sie immer, doch insgeheim wussten sie, dass er das niemals zulassen würde.
Denn auch Jins Weg fing an, sich zu festigen. Was früher nur aus Dreck und Kieseln bestand, nahm die Form von einer gepflasterten Straße an, nach und nach bildete sie sich, und jeder trug dazu bei, ihm einen Stein aus dem Weg zu räumen und in den Weg hinein zu bauen, um ihn einen Teil seines Pfades werden zu lassen.
Tae Ri baute ebenfalls daran, genau so wie Changkyun und jeder half jedem ihn zu vollenden, in Form zu bringen und die Hindernisse zur Verzierung an den Wegesrand zu stellen.
Es war ein Geben und Nehmen, und irgendwann, das wussten sie, würden sich ihre Straßen ineinander bauen, ineinander verweben und sich niemals wieder lösen lassen.
The End – Apple Pie
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«applepie» || im changkyun
Fanfiction"Ein Stück Apfelkuchen", befahl ich abweisend und schaute mich weiterhin im Raum um. "Wie wär's mit Bitte?" Changkyun konnte sich nicht damit abfinden. Gegen seinen Willen muss er seine Sommerferien auf dem Bauernhof seiner Großmutter verbringen und...