Der Kopf siegte,
Stille im Zimmer,
Schmerz in der Brust,
Wörter auf der Zunge,
Reue in Gedanken.
Er schloss die Tür.
Ich rief ihn nicht zurück.Am nächsten Morgen wachte ich früher auf als gewohnt. Mein Wecker zeigte eine rot leuchtende Vier während meine Augen gedankenlos in eine Richtung starrten. Das dämmrige Licht des Morgengrauens sickerte schwellend durch die Fenster und tauchte das Zimmer in ein helles blau grau. Die Vögel sangen ein ruhiges Lied und begrüßten den Donnerstag überaus motiviert, weshalb ich bloß still liegen blieb und dem Gezwitscher Minuten lang zuhörte bevor mir die Idee kam, Frühstück vorzubereiten.
Ich schlug gekonnt meine Bettdecke zur Seite und spürte für einige Sekunden die kühle Luft an meinem Körper bevor ich von der Matratze auftstand, in meine Hausschuhe schlüpfte und mir einen Hoodie überwarf bevor ich so leise wie möglich durch den Flur zur Treppe tapste. Die alten Stufen knatzten unter meinem Gewicht und gaben mit jedem Schritt den ich tat ein lärmenden Ton von sich, der durch die bedrängende Stille lauter wirkte als zuvor.
In der Küche war alles ordentlich hinterlassen worden. Die Stühle standen an den Tisch geschoben, das Küchentuch hing feinsäuberlich an einem Hacken und das Geschirr silouettenhaft in den Glasvitrinen. Das dämmrige Licht hüllte den Raum in ein müdes grau während die wenigen roten Licher, ausgehend von den Küchengeräten, das Bild störten.Ich dachte gar nicht daran die Lampe über dem Tisch einzuschalten als ich gedankenlos zum Kühlschrank schlich. Das helle Licht blendete mich im ersten Moment, doch kaum hatte ich mich an die Helligkeit gewöhnt, griff ich instinktiv nach der Milchflasche und der Tupperdose mit frischem Obst.
Meine Gedanken ließen mich nicht von der Stelle, drehten sich konstant um ein Thema und ließen mich nicht zur Ruhe kommen.
Changkyun.
Die Sache mit dem Hof.
Meine Zukunft.
Abwesend fühlte ich den Reiskocher, öffnete den Kühlschrank, entnahm die Eier, schloss den Kühlschrank.
Monotonie ergriff mich und alle Bewegungen die ich tat, geschahen aus Gewohnheit, automatisch.
Ich hielt inne, als ich eine Gestalt im Türrahmen erblickte und erkannte Changkyun, wie er dort an der Wand stand und mich durch müde Augen musterte.
"Morgen", grüßte er mich, seine Mundwinkel zogen sich nach oben als er ertappt wurde.
"Guten Morgen", erwiderte ich bloß und stellte zwei Tassen auf den Küchentisch, an den der Junge sich gesetzt hatte. Mit dem Wasserkocher und Teebeuteln setzte ich mich zu ihm auf einen Stuhl und goss das heiße Wasser in die Tassen vor mir.
Wortlos schob ich ihm eine hin und umfasste meine eigene mit beiden Händen.
"Wieso bist du schon so früh wach?", fragte er, mit dem Blick auf mich gerichtet als er mit dem Teebeutel herum spielte.
"Ich konnte nicht mehr schlafen", gab ich zurück, wich seinem Blick aus.
"Achso"
Stille legte sich über uns, nur der Reiskocher brodelte im Hintergrund.
"Weißt du... ich hab mal so darüber nachgedacht... und ich glaube, es würde dir ganz gut tun mal nach Seoul zu kommen", schnitt er das Thema an und zupfte nervös an seinem T-Shirt Saum.
"Nur weil du es hier 'zum kotzen'findest und 'am liebsten sterben würdest'?", zitierte ich seine Wörter, als ich an das gestrige Telefonat zurück dachte. Er hielt in seiner Bewegung inne und starrte mich schockiert an.
"Du hast mich belauscht?", fragte er, unsicher ob er sauer sein oder sich schuldig fühlen sollte.
"Von Belauschen kann nicht die Rede sein, wenn man deine Stimme durch die Wände hören kann. Da blieb mir nichts anderes übrig", erklärte ich verächtlich als meine Hoffnung, auf dass ich mich bloß verhört hatte, verschwand.
"Momentan ist es nun mal so. Du ignorierst mich, Jin zwingt mich zu jedem Mist und es ist hier verdammt heiß. Da ist es nicht verwunderlich wenn ich mein altes Leben vermisse." rechtfertigte er sich und versetzte mir somit einen tiefen Stich in die Magengrube.
"Mir gefällt es hier schon wohl, aber das kann ich meinen Freunden so nicht sagen! Die halten mich dann für total bekloppt", setzte er fort nachdem ich nichts darauf erwiederte und ihn nur anstarrte.
"Jetzt sag doch auch mal was", schnaufte er nervös und blickte mir mit seinen braunen Augen ins Gesicht.
"Was erwartest du jetzt von mir? Dass ich dir lächelnd zustimme und es dabei belasse? Changkyun, ich dachte du hättest dich hier ein wenig eingelebt, etwas gelernt und vielleicht auch zu dir selbst gefunden", sagte ich standhaft während ich den Augenkontakt konstant hielt. Er wich ihm aus.
"Klar, verständlich, aber so einfach ist das nicht..."
"Aber dann soll es für mich einfach sein? Du kommst daher gelaufen und willst mir verklickern, dass dieser Ort nicht gut für mich sei und die Menschen hier verlassen soll. Du kennst mich doch gar nicht und denkst, dass mir diese ziellose Fahrt einfach so meine Läster genommen hat. Wie du sagtest, so einfach, wie wir uns das vorstellen, ist es leider nicht..."
"Ich..." setzte er unschlüssig an, gab es aber auf sich zu rechtfertigen und wandte den Blick ab. Man sah ihm an, dass er seinen Standpunkt wieder durchsetzen wollte um im Recht zu liegen, doch er sah seine negativen Aussichten auf einen Verlust. Er würde gegen meine Meinung nichts ausrichten können.
"Hasst du mich?", fragte er, nachdem er für eine Weile nachdenklich aus dem Fenster gesehen hatte und aufstand. Ernst richtete er seinen Blick auf mich und schaute mir in die Augen.
"Nein"
Er nickte langsam, schaute ein letztes Mal aus dem Fenster.
"Gut"
Er verließ die Küche danach und ließ mich mitsamt zwei unangerührten Tassen zurück. Meine Augen waren auf den Fleck gerichtet, an dem er zuletzt gewesen ist, als er aus meiner Sicht verschwand.
"...wie könnte ich auch"_*_
Der Tag verlief schleppend. Die Zeiger der Uhr schienen sich kein Stück zu bewegen und auch die Arbeit auf dem Hof lenkte mich nicht davon ab, über Changkyuns Worte nachzudenken.
Dass mir Seoul gut tun würde, dass der Hof mich vom Leben abhalten würde. Ich wollte es nicht wahr haben, aber seit dem er mir das gesagt hatte, fing ich an mein bisheriges Leben zu hinterfragen.
"Tae, da ist genug Heu drin, mach den nächsten!", riss Jin mich scharf aus den Gedanken, als ich nicht aufhörte den kalten Betonboden des Kalbstalles mit Heu auszulegen.
"Na, die werden es weich haben...", murmelte ich gleichgültig und wanderte mit der Schubkarre eine Zelle weiter. Ich spürte die Blicke der beiden Jungs in der Scheune in meinem Rücken, und dennoch wollte ich nicht so tun, als ginge es mir gut.
So war es nämlich ganz und gar nicht. Ich mein Leben nicht mehr so hinnehmen und dachte immer zu daran wie es wäre, nicht hier zu wohnen. Nach Seoul zu ziehen und das zu machen, worauf ich wirklich Lust hatte.
Changkyun war Schuld daran mich auf solche Gedanken zu bringen.Changkyun P.O.V
Seit Samstag bemerkte ich, dass Cho Lim anders war. Auch Jin ist es aufgefallen und hatte mich direkt am nächsten Morgen aufgesucht um mich zu fragen, was genau zwischen uns passiert sei.Ich scheute mich davor, ihm alles anzuvertrauen und unser Gespräch auszuplaudern, doch als ich ihm alles erklärt hatte, begriff er ihr Verhalten.
Ich konnte nicht von mir behaupten, alles, was er erzählt hatte, nachvollziehen zu können. Doch trotz meiner schlechten Menschenkenntnisse hatte ich wenigstens einen blassen Schimmer von dem, was in ihrem nachdenklichen Kopf vor ging.
"Da hast du ja was angerichtet...", hatte Jin geseufzt und sich verzweifelt an den Kopf gegriffen.
"Lass... lass sie vorerst am besten in Ruhe... wie es aussieht muss sie erst mal ihren inneren Konflikt lösen bevor sie sich um anderes kümmern kann", waren seine ratsamen Worte, als ich fragte, was zu tun sei.
Von den inneren Konflikten hatte ich wenig verstanden, aber laut Jin stieg ihr momentan wohl alles zu Kopf. Nie hatte sie darüber nachgedacht von hier wegzugehen, ihren sicheren Hafen zu verlassen, aber ich habe sie wohl ein bisschen durcheinander gebracht. Als er das sagte, wusste ich nicht wie ich reagieren sollte, denn während die Schmetterlinge in meinem Bauch nicht zur Ruhe kamen, musste ich Jin gegenüber gleichgültig wirken. Sein Blick bohrte sich drohend in meine Augen, als würde er mich vor ihm warnen wollen.Ich befolgte seinen Rat und zog mich den Rest des Tages gänzlich zurück. Ich sah sie kein weiteres Mal mehr, was teilweise an Jins Arbeitsteilung lag. Arbeitete sie im Stall, ackerte ich auf dem Feld meine Seele aus dem Leib, und sobald er ihr eine Pause gab, machte ich mich zurück an die Arbeit. Großmutter viel Tae Ris plötzliche Wandlung kaum auf, da sie uns Kinder sowieso nur beim Mittagessen antraf.
"Chang, hast du Tae gesehen?", schallte es durch den Schuppen als ich die Schubkarre an ihren Platz zurück stellte. Verdutzt wandte ich mich Jin zu, der schwer atmend an der Schiebetür anhielt, bereit jeden Moment wieder davon zu hetzen.
"Nein, nein nicht dass ich wüsste, wieso?", fragte ich nervös und ließ die Karre eilig los, um auf den Älteren zu zugehen.
"Ach nichts, ich habe sie nur eine Zeit lang nicht gesehen, sie ist bestimmt schon duschen", winkte er aufgewühlt ab, und versuchte seine Nervosität lächelnd zu verbergen, ehe er mit einem flüchtigen: "Man sieht sich", davon machte.
Misstrauisch ging ich auf den Ausgang zu und blickte Jin skeptisch hinterher, wie er eilig in seinen Gummistiefeln über den Hof hastete und Hals über Kopf in die Küche rannte. Sofort läuteten die Alarmglocken in meinem Kopf, woraufhin meine Augen den Hof in sekundenschnelle nach der Gestalt des Mädchens absuchten, aber auch auf der Kuhwiese nicht fündig wurden. Mit schnellen Schritten lief ich von einem Ort zum anderen, bis ich in die Garage gelangte, in der mich der Traktor gehässig anstarrte, neben ihm eine verlassene grüne Plane, die unachtsam auf dem Boden lag.
Es klickte, sobald ich die Tür schließen wollte. Mein Blick ruhte auf der Plane. Unachtsam verzerrt und zerknüllt erstreckte sie sich über den staubigen Untergrund, hinterließ eine nie da gewesene Leere.
Ich riss meine Augen auf, bewegte meinen Blick nicht vom Fleck und war gleichzeitig dabei zum Haus zu sprinten. Mein Mund riss sich von alleine auf, entsetzt brüllte ich über den gesamten Hof.
"Jin!"
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«applepie» || im changkyun
Fanfic"Ein Stück Apfelkuchen", befahl ich abweisend und schaute mich weiterhin im Raum um. "Wie wär's mit Bitte?" Changkyun konnte sich nicht damit abfinden. Gegen seinen Willen muss er seine Sommerferien auf dem Bauernhof seiner Großmutter verbringen und...