7. Gerüchte

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Ich hatte diese Nacht kein Auge zutun können. Die vergangenen Tage hatte sich das Team gut auf die Trainingsspiele vorbereitet und auch ich habe Vorbereitungen getroffen, um meiner Aufgabe als Managerin gut nachgehen zu können. Nun war es soweit - heute Abend würden wir los fahren. Nach der Dusche hatte ich meine Sachen gepackt, da ich nach dem Training nicht noch einmal nach Hause kommen würde, um sie für das Trainingscamp mitzunehmen.
Es war ein verhältnismäßig kurzes Trainingscamp, doch das störte mich kein bisschen. Ich war einfach nur froh, das erste Mal mit dabei zu sein. Hoffentlich haben die anderen Teams auch eine Managerin. Ich schloss meine Tasche für die Schule, stellte unten die Bentos bereit und nahm mir eine. "Hee, Nervensäge. Wie viel Uhr nochmal?"
Ich blickte über meine Schulter, als ich gerade zur Tür hinaus gehen wollte. Ikuto stand hinter mir und kratzte sich am Hinterkopf. "18:30. Bitte sei pünktlich, ich kann da nicht warten." Ich hörte noch einen genervten Protestlaut hinter mir, doch da hatte ich bereits das Haus verlassen und die Tür ins Schloss fallen lassen.
"Guten Morgen ihr zwei.", grüßte ich meine Freunde, die bereits an unserer Mauer lehnten. "Spät dran Kitten." Entschuldigend lachte ich und folgte den beiden in schnellen Schritten. "Ich musste noch die Koffer packen, gestern Abend habe ich zu lange an etwas getüftelt.", gab ich verlegen zu. Kuroo hob seine Augenbrauen und sah mit seinen honigfarbenen Augen zu mir herunter. "Woran?" Meine Augen weiteten sich und ich wich eilig seinem Blick aus. Das sollte eine Überraschung werden. "A-Ach, an nichts. Nicht so wichtig." Mir war bewusst, dass er sich mit der Antwort nicht unbedingt zufrieden geben würde, doch ich würde ihm nichts verraten. Ich ging also einfach schnellen Schrittes voran.

In der letzten Stunde, saß ich ungeduldig auf meinem Platz und konnte mich nicht davon abhalten, immer wieder zur Uhr an der Wand zu gucken. Nur noch fünf Minuten...
Unauffällig warf ich Kuroo einen Blick zu. Anders als mir, sah man ihm die Aufregung nicht wirklich an, doch ich wusste, dass er sich freut. Als er meinen Blick bemerkte, warf er mir sein charakteristisches, breites Grinsen entgegen und ich erwiderte es mit einem Lächeln. Fast einen Monat war ich nun schon hier, kaum zu glauben. Ohne Kuroo, könnte ich mir meinen Alltag eigentlich gar nicht mehr vorstellen.
Als die Klingel uns erlöste, erhob sich Kuroo und warf seine Tasche über die Schulter, um auch seine Sport und Schlaftasche aufzuheben. "Kommst du Kitten?" Aufgeregt nickte ich und griff ebenfalls nach meinen Sachen. Als ich mich hinunter beugte, fielen mir die Blicke einer Gruppe von Mädchen auf. Ich nahm meine Sachen und schenkte ihnen ein Lächeln, als ich mich wieder aufrichtete. Ich hatte leider noch keine Freundinnen gefunden, dabei wünschte ich mir das sehr. So gerne ich die Jungs hatte, so sehr wollte ich trotzdem einfach mal ein paar Freundinnen zum Reden haben. Als ich bemerkte, dass die Mädchen keine Miene verzogen und meinen freundlichen Ausdruck auch nicht erwiderten, bröckelte mein Lächeln etwas. Hatte ich etwas falsch gemacht?
Ich durchquerte hinter Kuroo den Klassenraum, um zur Tür zu gelangen, doch ich spürte die Blicke auf meiner Haut. "Die hängen die ganze Zeit zusammen ab." "Hast du die Taschen gesehen? Ob sie in ein Hotel gehen?" "Nee, ich glaube, deren Team hat ein Trainingscamp oder so." "Eeehhh..." "Ich wette, wenn er sie bisher noch nicht hatte, hat er sie dann da." "Er hatte sie noch nicht, sonst würde er sich gar nicht weiter mit ihr abgeben." Ich presste meine Lippen aufeinander und versuchte, das Getuschel und Gelächter auszublenden. Kuroo schien es überhaupt nicht zu bemerken. Er schob die Tür auf und verließ den Klassenraum. Was meinten die damit? Kuroo war eventuell ein Mädchenschwarm, aber er war doch keiner, der nur mit Mädchen schlief und sie dann fallen ließ. Kuroo war nett, lustig, sarkastisch...
Die Worte der Mädchen nervten mich. Es störte mich fast weniger, wie sie über mich sprachen. Es nervte mich mehr, wie sie über Kuroo sprachen. Doch es verunsicherte mich auch ein kleines bisschen. Was, wenn etwas da etwas dran war? Unsicher verließ ich den Klassenraum und musterte Kuroos Hinterkopf. Selbst wenn. Er konnte ja tun und lassen, was er wollte. Das hatte nichts mit mir zu tun. Zumindest versuchte ich mir das einzureden. Genauso, wie ich versuchte, das Flattern in meiner Brust zu ignorieren.

In der Sporthalle angekommen, begrüßte ich alle und das Training wurde schnell aufgenommen. Ich versuchte im Verlauf des Trainings, gar nicht weiter darüber nachzudenken, was die Mädchen vorhin gesagt hatten. Stattdessen konzentrierte ich mich auf meine Aufgaben als Managerin. Immer wieder blickte ich zu dem kleinen Beutel herüber. Dort war ein selbst gemachtes Banner für die Spieler des Volleyballteams drinnen, womit ich das Team morgen überraschen wollte. Für Kuroo hatte ich zusätzlich einen kleinen Glücksbringer angefertigt... Doch ich wusste nicht so recht, ob ich ihm den Anhänger geben sollte.
Das Training wurde abgepfiffen, es war 18:10. "Räumt auf und zieht euch um. Um 18:30 treffen wir uns beim Hallenausgang.", rief Herr Naoi. Ich half eilig mit und verschwand dann in die Umkleide. Die frustrierte Gewissheit, dass mein Bruder gleich hier sein würde, kam mir erst jetzt wieder hoch. Sie bestätigte sich noch einmal, als ich als erste die Sporthalle verließ und in das mürrische Gesicht von Ikuto blickte. "Lass es uns hinter uns bringen. Ich will zu meinem Date." Ich kicherte etwas und musterte meinen Bruder. Sogar eine Blume hatte er dabei. "Wow.", sprach ich. "Du hast dich ja sogar schick gemacht.", stellte ich fest und klopfte ihm amüsiert auf den Rücken. Er wurde leicht rot und blickte weg. "Hm. Na und?", murrte er leise. Ich musste lachen. "Du gibst dir doch sonst nicht so viel Mühe." Tatsächlich war mein Bruder leider ein kleiner Schürzenjäger, soweit ich wusste. Doch so hatte ich ihn noch nie erlebt. "Wer ist denn die Glückliche?" Mein Bruder hatte noch immer diesen leicht verlegenen Ausdruck auf dem Gesicht. Das war ich ja gar nicht von ihm gewohnt. "Na sag schooon.", jammerte ich und sprang vor ihm auf und ab.

Kuroos Sicht:

Ich zog mich um und packte meine Taschen, um gleich zum Treffpunkt zu gehen. "Beeil dich, Kenma.", wies ich ihn grinsend an.
Heute wäre das erste Trainingscamp, bei dem (d/vn) dabei wäre. Mir war in den letzten Wochen nicht entgangen, wie ich auf sie reagierte. Dass es mich freute, wenn sie bei mir war, dass ich ihr Abends immer schrieb, bevor ich schlafen ging. Eigentlich war das eher nicht so mein Ding, aber langsam machte sich die nervige Gewissheit in mir breit, dass ich (d/vn) irgendwie... mochte. Wohl schon eine ganze Weile, wenn ich ehrlich zu mir war.
Dieses Mögen ging sogar über ihr hübsches Gesicht und ihre heiße Figur hinaus. Klar, dahingehend fand ich sie schon vom ersten Tag an gut. Doch ihre Art und Weise, ihr Charakter... Ich mochte sie. Keine Frage.
Gewohnt war ich das von mir nicht mehr so richtig, deshalb versuchte ich wohl unterbewusst, dieses Gefühl manchmal etwas zu unterdrücken.
Ich hob meine Tasche an und warf sie über meine Schulter, ehe ich mit Kenma die Halle verließ.
Als ich (d/vn) entdeckte, wollte ich gerade etwas rufen. Da sah ich ihn. Einen großen Kerl, mindestens so groß wie ich. Er sah mürrisch aus, ein wenig draufgängerisch. Wie... ich. Und er hatte sich schick gemacht, hielt sogar eine Blume in der Hand. Ich spannte meinen Kiefer an und bemerkte, wie sich eine unangenehme Eifersucht in mir ausbreitete, als ich sah, wie (d/vn) sich mit ihm unterhielt. So vertraut... Wer zur Hölle war das?
"Ikutooo, sei nicht so gemein zu mir~" (d/vn)'s Stimme brachte mich etwas aus dem Konzept. Wieso zur Hölle sprach sie so mit ihm? Und war das sein Vorname?
"Ah. Da sind deine Teammitglieder.", murrte Ikuto und sah zu uns hinüber. Neben mir kriegte Taketora beinahe einen roten Kopf - vor Wut. "Na na, warum denn die mürrischen Blicke? Ich bin nur hier, um mir einmal anzusehen, mit wem meine (d/vn) sich so abgibt.", sprach der Kerl, als er zu uns ging. Seine (d/vn)? Ich blickte zu ihr, doch sie sah verlegen weg. Also doch. Der Kerl war definitiv ihr Freund. Ich ballte meine Hände zu Fäusten. Verdammt, wieso nervte mich das so?! War doch ihre Sache...
"Na, da bin ich ja beruhigt. Keine Bedrohung dabei.", sprach Ikuto überschwänglich. Sein Blick blieb an mir heften, ein kleines, dreckiges Grinsen auf seinen Lippen. Ich konnte ihn nicht leiden.
"Wir müssen los.", raunte ich dem Team zu, während mein Blick jedoch an Ikuto heften blieb. "Los."
Wortlos ging ich an (d/vn) vorbei und lud dort mein Gepäck ein, ehe ich in den Bus einstieg.

Deine Sicht:

Ikuto ärgerte mich und hatte mir den kleinen Beutel geklaut, in dem das Banner und der Anhänger für Kuroo drinnen war. Gerade beschwerte ich mich, dass er gemein zu mir war, da ließ er den Beutel in meine Hände fallen und richtete seine Aufmerksamkeit zum Hallenausgang.
Ich folgte seinem Blick und sah das Team. Als Kuroo und die anderen aus der Halle kamen, wollte ich ihnen glücklich zuwinken, doch mir entging die seltsame Stimmung keinesfalls, die nun unmittelbar in der Luft herrschte. Nanu? Was war... denn jetzt los?
Ikuto ging provozierend auf Kuroo. Oh nein, er ist so peinlich... Ich wich Kuroos Blick aus. Jetzt musste ich ihm stecken, dass ich einen nervigen, älteren Bruder hatte.
Wie ich es erwartet hatte, provozierte Ikuto das Team etwas, ehe er sich mir wieder zuwandte.
Ich wollte Kuroo ansprechen, doch er ging wortlos an mir vorbei. Traurig sah ich ihm hinterher. Oh nein. "Ich muss... los.", murmelte ich, ohne Ikuto anzugucken und schnappte meine Sachen. "Nette Typen hast du da.", rief er mir mit einem Grinsen hinterher, doch ich ignorierte ihn.
Ich verstaute meine Sachen im Bus und stieg ein. Eigentlich hatten Kuroo und ich geplant, nebeneinander zu sitzen, doch er hatte sich neben Taketora platz gemacht. "Kuroo? Wegen eben..." Der Bus ruckelte leicht. "Setz dich bitte hin (d/nn), ertönte Herr Naois Stimme, der gerade neben Herr Nekomata platz nahm. "Ja, tut mir leid.", erwiderte ich eilig und warf Kuroo noch einen Blick zu, doch er sah mich nicht an. Frustriert presste ich meine Lippen aufeinander und setzte mich weiter vorne in den Bus, neben Kenma. Seufzend drückte ich meinen Kopf gegen die Lehne und sah dann zur Konsole hinüber, auf der er irgendetwas spielte.
Wieso war Kuroo mir nun so böse? Also klar, mein Bruder war unhöflich... Aber dafür konnte ich nichts. Ich würde ihm die Situation später erklären und mich entschuldigen. "Darf ich auch mal?", murmelte ich und sah zu Kenma, der mich überrascht ansah. "Klar." Ich mochte Spiele, aber so gut wie Kenma war ich bestimmt nicht. Gemeinsam spielten wir ein wenig auf der Konsole und unterhielten uns die Fahrt über.
Irgendwann fielen mir die Augen zu und ich schlief ein.

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Geht bald weiter. c:

Eins zu sieben Milliarden (Kuroo x Reader)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt