12. Freunde

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Mit Chiyoko verstand ich mich prima. Es war eine große Erleichterung, endlich eine Freundin an der Schule zu haben - und sie ging sogar in meine Klasse.
Ihre Freundinnen waren von unserer Freundschaft noch nicht sonderlich begeistert, aber das war ihr egal. Wir hatten seither jede Pause zusammen verbracht und es half mir ungemein, dem launenhaften Tetsurou aus dem Weg zu gehen.
Gerade saßen wir draußen auf einer der Bänke unter einem Kirschblütenbaum und aßen aus unseren Bento Boxen. "Wow (d/vn), du kannst so gut kochen.", sprach Chiyoko entzückt, als sie von meinem Bento kostete. Ich lächelte glücklich und stellte ihn in die Mitte, um ihr mehr davon anzubieten. "Und du machst die jeden Morgen für dich und für deine Familie? Wahnsinn, das ist sicher viel Arbeit! Ich bewundere dich!" Chiyoko war eher schüchtern und zurückhaltend, aber wenn man sie besser kannte, taute sie auf. Sie war total liebenswert und süß.
Sie lehnte sich in der Bank zurück und sah mich mit einem sanften Lächeln an. "Und? Geht es dir etwas besser?", fragte sie ruhig. Ich rieb mir leicht über meinen Arm und zuckte leicht mit den Schultern. "Heute Morgen war Tetsurou wieder nicht da.", gab ich leise zu. Heute war bereits Donnerstag. Seit dem Montag, an dem ich geweint hatte und hörte, dass er mit einem Mädchen flirtete, hatte er sich morgens nicht mehr blicken lassen. "Aber Kenma und ich gehen jeden Tag zusammen zur Schule und auch wieder zurück." Chiyoko legte ihren Kopf leicht schief. "Und zurück, geht er auch nicht mit euch?" Ich schüttelte leicht meinen Kopf. Sie stieß einen Seufzer aus. "Also, aus Kuroo würde ich auch nicht schlau werden. Wir waren alle fest davon überzeugt, dass ihr ein Paar seid, so viel, wie ihr zusammen unterwegs gewesen seid." Ich lächelte traurig und hob beschwichtigend meine Hände. "Nein, nein. Nichts dergleichen. Es steht ihm frei zu tun und zu lassen, was er möchte.", erklärte ich leise. Chiyoko zog leicht ihre Augenbrauen zusammen. "Findest du? Ich finde, man hat dir deine Gefühle angesehen." Eine Röte legte sich auf meine Wangen. "W-Was?" Chiyoko kicherte leicht. "Komm schon. Vor mir brauchst du es nicht verheimlichen. So, wie du ihn immer ansiehst... Er müsste blind sein, um es nicht zu bemerken." Ich strich mir nervös durch mein (d/hf) Haar. "A-Ach was...", murmelte ich leise, doch Chiyoko ließ sich davon nicht abbringen. "Ich dachte auch ehrlich gesagt, er mag dich auch.", gestand sie leise. "Es hat mich sehr gewundert, als er plötzlich so komisch zu dir wurde und mit anderen geflirtet hat." Ich spürte, wie das unangenehme Gefühl sich wieder auf meine Brust legte. "Er darf machen, was er möchte. Wenn er eine andere mag, ist das so...", murmelte ich und bemerkte ein Fünkchen Wut in Chiyokos Augen aufblitzen. Sie hob ihren Zeigefinger und sah mich geradewegs an. "Mag sein, aber er darf nicht so mit dir umgehen! Selbst wenn, ihr seid ja immer noch Freunde. Man zeigt Freunden nicht die kalte Schulter. Und wenn er von deinen Gefühlen weiß - oder sie auch nur erahnt und dich dann ignoriert und mit einer anderen flirtet, finde ich das nicht okay. So... verhalten sich Freunde nicht." Ich sah sie aus geweiteten Augen an. Was sie sagte, leuchtete definitiv ein. Sie hatte Recht. Es gab keinen Grund für ihn, mich so zu behandeln. Er könnte doch einfach nett zu mir sein... Er musste meine Gefühle ja nicht erwidern. Aber er musste mir auch nicht die kalte Schulter zeigen. Unsicher nickte ich und stieß einen leisen Seufzer aus. "Eventuell hast du recht...", gestand ich leise und richtete meinen Blick zum Himmel. Das Sonnenlicht tanzte durch die Blätter der Bäume und reflektierte sich leicht in meinen (d/af) Augen, während mir eine leichte Brise entgegen kam. "Mein Herz ist so unfair. Wieso musste es sich unbedingt in ihn verlieben? In jemanden unerreichbaren, der mich nicht mag?" Leichte Tränen trübten meine Sicht, als mein Blick sich wieder senkte und ich Chiyoko in die Augen sah. Sie sah mich geweiteten Augen an und griff sanft nach meiner Hand. "Es ist mir ein Rätsel, wie er dich nicht mögen kann, (d/vn).", flüsterte sie. Ein warmes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. "Du bist nämlich wunderschön. Meine Freundinnen sind alle total neidisch - das wollen sie nur nicht zugeben." Ich spürte, wie meine Wangen sich wieder erröteten und ich wischte mir die Tränen aus den Augen. "A-Ach quatsch.", kicherte ich leise. "Doch, ehrlich! Die Jungs in deinem Volleyballteam, schwärmen sicher total für dich." Ich wandte verlegen meinen Blick ab und sah hinab auf meine Bentobox. "Oder dieser... Sugawara?" Vor Schreck hob ich meinen Kopf und sah sie an. "A-Ach was, nein!", rief ich beinahe und fuchtelte mit meinen Händen. "Er ist nur ein Freund!" Ein kleines, freches Grinsen legte sich auf Chiyokos Lippen. "Ach ja? Er schreibt dir andauernd! Und er will dich Samstag treffen, oder?" Ich nickte leicht und senkte meine Hände. "So.. ist das nicht." Chiyoko schüttelte lächelnd den Kopf. "Abwarten. Er scheint hingegen sehr lieb zu sein. Bestimmt ist er auch total romantisch. Ganz anders als..." Der Name blieb ihr im Hals stecken. Ich musterte sie mit leicht schiefen Kopf und wollte gerade meinen Mund öffnen, um etwas zu sagen, da bemerkte ich ihre vor Schreck geweiteten Augen. Ich folgte ihrem Blick und drehte mich um.
Da stand er. An die Mauer gelehnt. Vor ihm, ein sehr schönes Mädchen aus einer Parallelklasse im dritten Jahr. Sie presste sich an ihn, hatte ihre Arme um seinen Hals geschlungen und stellte sich auf ihre Zehenspitzen, ehe sie ihn küsste.
Bei dem Anblick von Tetsurou, wie er seine Hände seitlich an ihre Hüften legte und seine Augen schloss, um den Kuss zu erwidern, zerbrach mein Herz beinahe in tausend Teile.
Das hatte gefehlt. Dieser Tropfen hatte gefehlt, um das Wasserfass überlaufen zu lassen.
Ich hörte Chiyokos Stimme kaum noch und nahm auch sonst nicht mehr wirklich wahr, was um mich geschah. Ich nahm meine Tasche und die Bentobox, warf Chiyoko noch einen kurzen, vor Tränen verschwommenen Blick zu und ging schnellen Schrittes direkt an Tetsurou und dem schönen Mädchen vorbei. Schniefend und schluchzend.
Es war endgültig. Tetsurou Kuroo hatte keine Gefühle für mich. Er hatte eine andere - eine hübschere. Ich spürte gar nicht, wie ich meine Hände zu Fäusten ballte, als ich mich auf das Schultor zu bewegte. Ich konnte unmöglich zurück in den Unterricht und neben ihm sitzen. Auf keinen Fall.
Als ich gerade dabei war, meine Tränen aus den Augen zu wischen, blickte ich einmal geradeaus. Das nächste, was ich spürte, war ein Körper, in den ich rein stieß. Ich taumelte zurück und spürte, dass ich aufgefangen wurde. "(d-d/vn)?!" Als ich die bekannte Stimme hörte, blinzelte ich die Tränen aus meinen Augen und sah direkt in Kenmas Augen. "Was ist los?" Der sonst so neutrale Ausdruck, hatte sich in einen sorgenvollen verwandelt. Vorsichtig half er mir zurück auf die Beine und musterte mich besorgt. "Wolltest du gerade abhauen?" Ich biss mir leicht auf die Unterlippe und griff nach meinem rechten Arm. "(d/vn), bitte antworte. Was ist los?" Ich hatte Kenma noch nie so erlebt. Er war komplett auf mich konzentriert, seinen Augen wohnte ein ernster Ausdruck inne. Ich hatte meine Gefühle und Sorgen bisher versucht vor Kenma zu verbergen, da er Tetsurous bester Freund war und ich keinesfalls dazwischen stehen wollte. Doch nun, da sich mein Herz so zerstört anfühlte, in tausend Scherben zersprungen, konnte ich weder meine Gefühle, noch meine Tränen zurückhalten. "T-Tetsurous hat eine neue Freundin.", stammelte ich mehr, als dass ich sprach. "Ich habe ihn mit ihr zusammen gesehen." Ich sah, dass sich in Kenmas Ausdruck etwas regte, doch ich wusste nicht so recht, wie ich es zuordnen sollte. "Du...", begann er leise und ließ vorsichtig von mir ab. "Du magst ihn, stimmts?" Seine Stimme war so sanft, dass es mich unvorbereitet traf. Ich presste leicht meine Lippen aufeinander, während ich nickte. "Das... habe ich gemerkt.", gab er lächelnd zu. "War eigentlich kaum zu übersehen." Waren meine Gefühle wirklich so offensichtlich, dass es jeder hatte merken können?
"Aber eigentlich dachte ich..." Kenma beendete seinen Satz vorzeitig und schüttelte leicht seinen Kopf. "Was...?", fragte ich leise, doch er sah mir nur lächelnd entgegen. "Komm, (d/vn). Wir schwänzen den Rest des Tages." Ehe ich reagieren konnte, griff er nach meiner Hand und zog mich vom Schulgelände. "Du magst Spiele, oder?", fragte er mit einem kleinen Grinsen. Meine Augen weiteten sich leicht, als ich ihn so ansah. Kenma, du bist ein unglaublich guter Freund...
Ich strich mir die letzte Träne von der Wange und schenkte ihm ein Lächeln. "J-Ja!", erwiderte ich.

Wir gingen zu ihm und spielten den Rest des Tages Videospiele. Das Klingeln unserer Handys ignorierten wir, obgleich ich auch ein schlechtes Gewissen hatte, das Team hängen zu lassen. Doch ein Training konnten wir mal ausfallen lassen und ich war beim besten Willen nicht in der Lage, Tetsurou heute zu sehen.
Lediglich auf die Nachrichten von Chiyoko, Kiyoko und Koushi reagierte ich.

Chiyoko:

13:12 Chiyoko: Bist du nach Hause gegangen?
13:30 Chiyoko: Unterricht geht weiter. Melde dich bitte später, damit ich mir keine Sorgen mache, okay? ❤️

15:07 (d/vn): Tut mir leid! ❤️ Ja, ich musste da weg. Kenma hat mich dabei erwischt, wie ich abhauen wollte. Wir sind zu ihm gegangen.
15:09 (d/vn):

15:23 Chiyoko: Oh, da bin ich aber erleichtert! ❤️15:23 Chiyoko: Hahhahaha, Kenma guckt ja begeistert

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15:23 Chiyoko: Oh, da bin ich aber erleichtert! ❤️
15:23 Chiyoko: Hahhahaha, Kenma guckt ja begeistert. Wie lieb von ihm. Verlieb dich doch in ihn! Oder in Sugawara!
15:24 Chiyoko: Vergiss diesen Kuroo! 😡

15:31 (d/vn): Du hast recht...
15:31 (d/vn): Also bei dem Teil mit Kuroo. Kenma und Sugawara sind bloß Freunde, Chiyo. 😂
15:32 (d/vn): Ja, er hat mich gefragt, wieso ich ihn fotografiere und sagte mir, ich solle mich auf das Spiel konzentrieren. 😂

Koushi:

16:27 Koushi: Ich freue mich auf Samstag. Du hast jetzt noch Volleyball, oder?

16:30 (d/vn): Ich gehe heute nicht hin, mir geht es nicht gut.
16:31 (d/vn): Ich freue mich auch auf Samstag. 😊

16:36 Koushi: Oh, wieso? Was ist los? Soll ich dir eine Suppe vorbei bringen?

16:37 (d/vn): Nach Tokyo? 😃 Du würdest viel zu lange fahren, für eine Suppe! Und außerdem bin ich nicht direkt krank... Mir geht es einfach nicht so gut.
16:38 (d/vn): Aber danke, das ist super lieb. 😊

16:39 Koushi: Möchtest du darüber reden?
16:39 Koushi: Tokyo ist ein Katzensprung. 😃

16:43 (d/vn): Nein, alles gut. 😊 Dankeschön. Morgen ist es wieder besser. Und Samstag machen wir uns einen schönen Tag!

Kiyoko:

19:32 Kiyoko: Sugawara hat heute ununterbrochen von dir geredet. 😃
19:33 Kiyoko: Er hat erzählt, dass ihr am Samstag verabredet seid! Viel Spaß! ❤️ Die anderen waren ganz neidisch. 😂

19:35 (d/vn): Danke! ❤️😊
19:35 (d/vn): Er hat von mir geredet?? 😳

19:38 Kiyoko: Hihi, ja. 🤭

Gerade, als Kenma und ich die nächste Runde starten wollten, hörten wir es an der Tür klingeln. "Deine Eltern?" Kenma schüttelte den Kopf. "Sind bis morgen weg.", murmelte er und schlenderte aus dem Zimmer. Ich folgte ihm die Treppe herab und luscherte hinter ihm hervor, als er die Tür öffnete.
Als ich sah, wer dort stand, spürte ich, wie mir mein Herz in die Hose rutschte. "Kenma! Wo warst du heute?! Du kannst doch nicht einfa-" Die Worte blieben Tetsurou im Hals stecken, als er mich sah. "(d/vn)...", murmelte er überrascht.
Ich griff instinktiv nach meiner Tasche und zog mir meine Schuhe ab. "D-Danke für den Tag, Kenma.", stammelte ich leise. "Kein Problem. Jederzeit.", sprach Kenma und warf mir nochmal ein Lächeln zu, ehe er sich wieder Tetsurou zuwandte. Dessen Blick lag auf mir, als ich an Kenma und ihm vorbei, aus der Haustür heraus trat. "Heee, warte mal, (d/vn).", sprach Tetsurou und hielt mich am rechten Handgelenk fest. Sofort riss ich es weg. Etwas doller, als ich es wollte. Ich hielt mir mein Handgelenk und sah Tetsurou aus Tränenreichen Augen heraus an. "Lass.. mich bitte gehen. Ich habe dir gerade nichts zu sagen.", murmelte ich leise. Ich bildete mir ein, Schmerz oder Trauer in seinen Augen zu sehen, doch ich wusste es besser. "Wir.. sehen uns.", sprach ich und machte auf dem Absatz kehrt, um zu meinem Haus zu gelangen.
Ich schloss das Gartentor auf und verschwand eilig hinter der Haustür.
Drinnen ließ ich mich an der Haustür hinab sinken und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Verdammt, verdammt, verdammt. Es tut so weh.


Eins zu sieben Milliarden (Kuroo x Reader)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt