9. Ein bekanntes Gesicht

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Das Spiel gegen Shirato, war das erste Trainingsspiel, welches ich als Managerin mit dem Team erleben durfte. Unser Team hatte haushoch gewonnen, was mitunter daran lag, dass die Shirato einige unserer Spieler definitiv unterschätzt hatten. Besonders Kenma. Er war, besonders neben jemandem wie Tetsurou, recht schmächtig und wirkte wesentlich ruhiger. Nichtsdestotrotz war er ein unglaublich begabter Zuspieler und für das Team von großem Wert. Nicht umsonst nannte Tetsurou ihn immer das Gehirn, das Herz und das Rückgrat des Teams.
An dem Abend nach dem ersten Trainingsspiel, hatte ich erneut für alle gekocht. Heute saß ich direkt neben Tetsurou. Das gestrige Gespräch spukte noch immer in meinem Kopf herum und ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich zu ihm herüber sah. Die Stimmung zwischen uns war zwar normal und positiv, doch es lag etwas in der Luft. Etwas unausgesprochenes, was mir schwer auf der Brust lag. Doch ich hatte mich gestern Abend dazu entschlossen, mich damit abzufinden, dass meine Gefühle vermutlich nur zu Problemen führen würden. Sie würden unerwidert bleiben oder sogar für Unmut im Team sorgen. Auch, wenn ich hin und wieder den Eindruck gehabt hatte, dass er mich womöglich mögen könnte... Doch vermutlich nur ein kleines bisschen - und wer wusste schon, wie viel davon ich mir eingebildet hatte.
"Morgen ist das Spiel gegen die Karasuno. Das Trainingsspiel heute, könnt ihr als Aufwärmung für morgen betrachten. Ich sagte es schon einmal und ich sage es noch einmal: Unterschätzt die Krähen nicht.", sprach Herr Nekomata. Ich sah zu Tetsurou hinauf, der mit ernster Miene zu seinen Trainern herüber sah. "Machen wir nicht.", versprach er ruhig.
Morgen würde ich dem Team ihr neues Banner präsentieren. Ich hatte es für den großen Kampf aufgespart.
Als alle aufgegessen hatten, räumten Kenma und ich gemeinsam ab. Dankbar für seine Hilfe, lächelte ich ihm entgegen. Als hinter ihm Tetsurou in der Tür erschien, ergänzte sich das Lächeln durch eine leichte Wangenröte. "Ich helfe dir beim Abwasch, (d/vn).", sprach er lächelnd und sah zu mir herab. Ich nickte leicht, ehe ich ihm das Tuch zum Abtrocknen in die Hand drückte und ihn neben der Spüle positionierte. Ich wusch das Geschirr und drückte ihm einen Teller nach dem anderen in die Hände.
Über den Zeitraum des Abwasches, schwiegen wir uns die gesamte Zeit an. Kenma war bereits auf seinem Zimmer, also waren es nur noch wir beide. Dennoch brachte keiner von uns ein Wort über die Lippen - nicht mal einen blöden Scherz oder dergleichen. Wir beide schienen in unseren Gedanken gefangen zu sein.
"Fertig.", murmelte ich schließlich und schüttelte das Wasser von meinen Händen ab. "Hier.", sprach Tetsurou und griff nach meinen Händen. Er wickelte sie in ein Geschirrtuch und drückte sie leicht. Durch den Stoff konnte ich die Wärme seiner Haut auf meinen Händen spüren. "D-Danke.", stammelte ich leise und sah auf unsere Hände herab. Leicht presste ich meine Lippen aufeinander, kaum dazu im Stande, etwas zu sagen. Tetsurou löste seine Hände von meinen und kratzte sich lächelnd am Hinterkopf. "Also dann... Wir sollten schlafen gehen.", sprach er. Ich nickte leicht und gemeinsam verließen wir die Küche und den Speisesaal. "Gute Nacht, Tetsurou.", verabschiedete ich mich, als ich an meiner Tür innehielt und zu ihm herüber sah. "Gib morgen alles!" Er warf mir ein Grinsen entgegen. "Das werde ich."

Am nächsten Morgen gingen die Jungs zeitig laufen und ich bereitete das Frühstück vor. Herr Naoi ging mir dabei etwas zur Hand, während Herr Nekomata die Jungs anspornte.
Wir betraten rechtzeitig den Bus, um zur Karasuno Oberschule zu fahren. Sie war nicht weit von der Shirato entfernt und lag in der selben Präfektur. Ich musste etwas lächeln, als ich bemerkte, dass mir ein paar der Straßen etwas bekannt vorkamen. Die Karasuno-Oberschule lag in der Nähe meiner ursprünglichen Heimat. "Alles okay?" Ich wandte meinen Blick vom Fenster ab und sah Kenma in die Augen, der sich von seiner Konsole gelöst hatte. "Ja.", erwiderte ich ruhig. "Erinnerungen.", erklärte ich kurz. "Ich komme hier aus der Gegend."
Als der Bus zum Stehen kam, verließen wir ihn der Reihe nach und stellten uns draußen auf. Die Spieler des gegnerischen Teams, hatten sich ebenfalls bereits versammelt. Als alle versammelt waren, standen sich die Teams direkt gegenüber und musterten einander schweigend. Ich hatte das Gefühl, dass man die Anspannung in der Luft förmlich greifen konnte. Es war kein negatives Gefühl, mehr ein aufregendes Kribbeln. Ich stand der Managerin des anderen Teams gegenüber und weitete leicht meine (d/af) Augen. Sooo hübsch. Ein Seitenblick zu meinem Team genügte, um zu wissen, dass es auch ihnen nicht entgangen war. Unweigerlich musste ich etwas grinsen.
Mein Blick glitt zurück zu den Gegnern, während ich nach und nach alle Spieler musterte. Bei einem Jungen, blieben meine Augen hängen. Erstaunt weiteten sie sich und als er meinen Blick erwiderte, sah er mindestens genauso überrascht aus. Das... war doch... Koushi. Koushi Sugawara.
Eine Welle der Nostalgie durchströmte mich, als ich ihn sah. Die Trainer begrüßten einander und das Team durfte in die Halle gehen. Koushi hielt einen glatzköpfigen Kerl aus seinem Team auf, sich mit Taketora zu streiten. Morisuke schien ihm dabei zu helfen. Ich musste kichern, als sich sowohl Koushi, als auch Morisuke jeweils für ihre Spinner entschuldigten. Offenbar hatte jedes Team so einen. Als die Streithähne und auch Morisuke sich der Halle zuwandten, trat ich lächelnd zu Koushi. "(d/vn)! Wir.. haben uns ewig nicht mehr gesehen. Ich dachte, du lebst in Deutschland?!" Ich spürte, wie mein Herz bei seiner Stimme einen kleinen, schmerzhaften Satz machte. Ich hatte ihm nichts erzählt. Gar nichts. Nichts von all dem, was in Deutschland geschehen war und auch nichts davon, dass ich zurückgekehrt war. Wir hatten nur wenige Monate Kontakt, nachdem ich verschwunden war. Danach hatte es sich im Sande verlaufen. Dabei war Koushi... mein Kindheitsfreund. "Ich.. ja, ich bin wieder zurück. Seit etwas mehr als einem Monat.", erklärte ich leise und schenkte ihm ein unsicheres Lächeln. Ich spürte, wie meine Hand wieder zu meinem rechten Arm wanderte und leicht darüber rieb. Wie immer, wenn ich nervös war, oder wenn mich etwas beschäftigte. Koushis Blick trübte sich leicht. "Du.. hast dich nicht gemeldet." Ich presste leicht meine Lippen aufeinander. Beschämt senkte ich den Blick zu Boden. Nein, ich hatte mich nicht gemeldet. "Es tut mir leid, Koushi. Es sind ein paar Sachen passiert und..." Ich hob leicht meine Schultern hoch. "Ich wusste nicht, ob ich mich überhaupt noch bei dir melden darf. Nachdem ich ja damals einfach so plötzlich weg war und... wir kaum noch Kontakt hatten." Meine Stimme war leicht heiser. Ich wich seinem Blick aus. Erst, als ich eine warme Hand auf meiner Schulter spürte, sah ich wieder hoch. Koushi lächelte mich sanft und herzlich an. Genau so, wie ich es schon immer von ihm kannte. "(d/vn), ich bin sehr glücklich, dass du wieder da bist. Ich habe mir nur Sorgen gemacht." Aus dem Augenwinkel sah ich die dunklen Haare von Tetsurou und wandte ihm einen Blick zu. Er schien die Szenerie mit zusammen gezogenen Augenbrauen zu beobachten. Mein Blick glitt zurück zu Koushi und ich erwiderte sein Lächeln. "Danke.", sprach ich sanft. Er war so lieb, wie damals auch. "Hast du meine Nummer noch? Wir könnten uns demnächst treffen. Meine Mutter würde sich bestimmt auch total freuen, dich wieder zu sehen.", stellte er lachend fest und ich stieg mit ein. "Ich dachte damals schon, sie wolle mich adoptieren, so oft, wie ich bei euch sein durfte.", gestand ich amüsiert. Mit ihm in Erinnerungen zu schwelgen, tat mir erstaunlich gut. Es war wie eine Salbe, die die kleinen Risse in meiner Seele behandelte, die sich in Massen angesammelt hatten. "Ja, ich habe deine Nummer noch. Ich lebe jetzt in Tokyo, aber die Fahrtzeit hält sich im Rahmen.", versicherte ich sanft und holte mein Handy heraus. Ich schickte Koushi eine Nachricht.

09:07 (d/vn): 😄

"Jetzt hast du meine Nummer wieder.", sprach ich und wedelte einmal lächelnd mit meinem Handy, ehe ich es wieder einsteckte. Ein breites Lächeln bildete sich auf Koushis Lippen. "Hey Koushi, hör auf mit der Nekoma Managerin zu flirten. Das ist unfair. Komm endlich." Der glatzköpfige Typ aus dem Karasuno-Team rief vom Halleneingang zu uns hinüber. Lachend hob Koushi beschwichtigend seine Hände. "Ich komme ja schon." Er warf mir noch einen Blick über seine Schulter zu. "Bis später, (d/vn)." Ich sah ihm lächelnd nach, ehe ich meine Tasche anhob und ebenfalls zum Halleneingang ging. Dort stand Tetsurou, an die Eingangstür gelehnt und musterte mich. Ich hatte irgendwie den Drang, mich zu rechtfertigen. Ihm zu erklären, dass ich Koushi schon seit meiner Kindheit kannte. Doch es gab keinen Grund dafür. Tetsurou war nur ein Freund - und meine unerwiderten Gefühle wollte ich verdrängen. Also sah ich ihm nur lächelnd entgegen. "Na komm, wärm dich mit auf. Ich hänge gleich noch die Überraschung für das Team auf.", sprach ich und ließ die Tasche in meiner Hand baumeln. Kurz zuckte Tetsurous Mimik, dann löste er sich mit einem leichten Lächeln von der Wand. "Hast recht."
Ich ging an ihm vorbei und eilte die Treppen herauf, um das Banner auf dem Boden vorzubereiten. Sobald das Spiel los ging, würde ich es über die Tribüne hängen.

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Ich werde das Trainingsmatch etwas abwandeln. (: Im Original hat ja glaube ich primär Kageyama zugespielt. Das wird jetzt auch wieder so sein, aber ich würde Sugawara auch etwas mitspielen lassen. ^^ Ich meinte ja mal, es wird etwas vom Original abweichen. Ich hoffe, dass das so okay ist. c:

Eins zu sieben Milliarden (Kuroo x Reader)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt