24. Die Verhandlung (1)

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Am Tag der Gerichtsverhandlung, trugen Steven und ich einen grauen Anzug. Tony band uns die Krawatte zusammen und klopfte uns zur Aufheiterung auf die Schulter. Wir würden alles versuchen um Gerechtigkeit für diesen Tag zu bekommen. Tyson durfte einfach nicht damit durchkommen.

Im Schutze der Morgendämmerung, stiegen wir gemeinsam mit Stevens Eltern ins Auto und machten uns auf den Weg zum Gericht. Es war ein leicht kühler, windiger Oktobermorgen. Hier in den Südstaaten, war es noch ziemlich warm, wenn die Baumkronen sich rötlich färbten und die dunkle Jahreszeit begann. Doch ich denke, dass es nicht an der Wärme lag, warum ich an jenem Morgen so sehr ins Schwitzen kam. Mein Herz klopfte wie wild, je näher wir der Großstadt kamen, in der die Verhandlung stattfand.

Steven versuchte sich mit dem schönen Ausblick, der noch vernebelten Felder und Weiden, abzulenken. Ich bemerkte jedoch die ganze Zeit über, dass seine Hände zitterten. Für uns beide, Nein, für alle Teenager, welche aufgrund ihrer Sexualität, Gewalt erlebten, ist heute ein wichtiger Tag. Tony verriet mir einmal einen kleinen Trick, mit dem man die Nervosität vor großen Ereignissen, ein wenig senken konnte. Man sollte sich vornehmen, anderen von diesem Ereignis zu erzählen. Besonders wenn es etwas war, was auch anderen widerfahren konnte. Damit man diese Geschichte weiter erzählen und andere Ermutigen konnte.

Genau diese Worte, sagte er zu Steven, als er Angst hatte, damals diese Klinik zu betreten, wo er seine Autismus-Diagnose bekam.

"Kopf hoch. Später wirst du sicher viele Geschichten von diesem Tag erzählen, dann werden andere vielleicht weniger Angst haben müssen. Sei stolz, dass du ihnen von diesem Tag berichten kannst", lauteten damals seine Worte. Diese hatte Steven niemals vergessen. Denn danach, konnte er wieder neuen Mut fassen.

Ich konzentrierte mich so sehr, auf diese Worte, dass ich gar nicht merkte, als das Auto zum stehen kam. "Danny, wir sind da", weckte Steven mich. Langsam richtete ich mich auf und atmete die frische Herbstluft ein, als ich aus dem Auto stieg.

Vor dem Gerichtsgebäude, wartete bereits unsere Anwältin auf uns. Wir wanken ihr zu und fragten sie, nach dem aktuellen Stand der Dinge.

"Mr. Hall hält weiterhin an seiner Aussage fest. Vor einigen Wochen, hätte uns das noch große Bauchschmerzen bereitet. Da wir jetzt aber die Aussage von Jamie Hall haben und einer der drei Täter, die Seiten gewechselt hat, kann sich das Blatt wenden", meinte sie, während sie ihre Zigarette vor dem Gerichtsgebäude ausdrückte.

Gemeinsam liefen wir in den Wartebereich, wo wir beobachten konnten, wie Tyson an uns vorbei geführt wurde. Er wurde von zwei Polizisten festgehalten. Seine Hände waren in Handschellen. Sein Blick auf den Boden gerichtet. Er wagte es nicht einmal mehr, Steven und mich anzusehen. Wie Feige.

Nachdem dann alle Parteien eingetroffen waren, wurden wir endlich in den Gerichtssaal eingelassen. Tyson wurde auf die Anklagebank verfrachtet. Er schwieg noch immer und schenkte niemandem Augenkontakt.

"Tyson Hall, geboren am 03.04.1998 in Atlanta. Zuletzt wohnhaft in Vicksburg, Mississippi. Zurzeit untergebracht in Untersuchungshaft in der JVA in Jackson. Geht noch zur Schule", las die Richterin alle ihr vorliegenden Fakten vor.

Er nickte zustimmend. Ließ jedoch weiterhin keinen Ton aus seinem Mund entweichen. Als wenn er absolut nichts damit zu tun haben wollte.

"Am 04.05.2015, soll der Angeklagte laut Aussage, Daniel Cambridge und Steven Martinellí mit einer Eisenstange angegriffen haben. Er schlug mehrmals auf die Beiden ein und verursachte somit einen sowohl körperlichen als psychischen Schaden bei seinen Opfern. Unterstützt wurde er dabei von zwei Freunden, welche heute als Zeugen geladen sind. Beide erzählen jedoch einen anderen Tathergang. Während Steven Martinellí kurz Ohnmächtig wurde und ein paar Hämatome und Schürfwunden davon trug, lag Daniel Cambridge, mehrere Tage im Koma. Sein rechter Arm musste, aufgrund einer schweren Trümmerfraktur, Notoperiert werden. Bis zum heutigen Tage, ist die rechte Hand von Daniel, aufgrund verletzter Nerven geschädigt", erklärte die Richterin den Sachverhalt.

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