Am anderen Ufer angekommen, klettern Dante und ich aus dem Boot, das bei dieser Aktion heftig ins Schaukeln gerät, sodass ich mich an meinem Begleiter festklammern muss, um nicht ins Wasser zu fallen.
»Sorry«, murmele ich peinlich berührt, während ich das Schwanken der Barke auszutarieren versuche und es dadurch nur noch schlimmer mache.
»Halt dich ruhig fest«, erwidert Dante und stützt sich mit seinem Holzstock am Grund des Sees ab. Dabei muss er irgendwie auf den feuchten Felsen wegrutschen. Jedenfalls verliert er plötzlich das Gleichgewicht, kippt vornüber und reißt mich mit sich.
Mit einem fast synchronen, erstickten Aufschrei landen wir im See. Das Wasser ist gerade tief genug, damit wir uns nicht verletzen.
Ich stoße mich am Grund ab und tauche wieder auf.
Dantes Kopf bricht neben mir durch die Wasseroberfläche. Er prustet, schnauft und lacht. Die schwarzen Locken kleben ihm am Kopf, seine grünen Augen funkeln lebhaft. Und plötzlich wird mir bewusst, um was ich ihn wirklich beneide. Es ist nicht sein Aussehen – auch wenn ich finde, jeder Schönheitschirurg sollte Bilder von Dantes Lippen in seinem Portfolio haben – sondern seine selbstsichere und unbeschwerte Art. Keine Ahnung, ob er nicht daran denkt, was für Keime und Urzeitkreaturen hier herumschwirren könnten oder ob es ihn schlicht nicht stört, aber er lässt sich davon jedenfalls nicht die Laune verderben. Ich wünschte, ich könnte so sein wie er.
»Wie gut, dass wir nackt sind.« Dante wischt sich die nassen Haare aus dem Gesicht. »So müssen wir uns wenigstens keine Gedanken um unsere Klamotten machen.«
Mist, denke ich. Offenbar hat er doch bemerkt, dass wir in der Kleidungsabteilung gerade etwas unterbelegt sind.
Um von meiner Verlegenheit abzulenken, mache ich etwas, das ich besonders gut kann, und sage etwas Dummes: »Dafür werden wir vermutlich schneller an Unterkühlung sterben.«
Das Wasser ist tatsächlich ziemlich kalt. Einige Teile meines Körpers - und ich muss hoffentlich nicht ausführen, welche - werden bereits taub.
Statt einer Erwiderung werde ich jedoch nur mit Wasser bespritzt. Verärgert spritze ich zurück. Daraus entwickelt sich sowas wie eine Schlacht. Zuerst patschen wir nur mit den Händen auf die Wasseroberfläche, dann werden stärkere Geschütze aufgefahren und wir fuchteln mit den Armen herum, um möglichst viel Wasser aufzuwirbeln. Dantes Kopf verschwindet hinter einem Sprühnebel, aber ich kann ihn immer noch lachen hören.
»Hast du genug?«, rufe ich ihm zu.
Dante lacht. »Ist das schon alles, was du draufhast?«
»Wie du willst. Halt dich-«
Plötzlich taucht Dante neben mir auf, stützt sich auf meine Schultern und drückt mich unter Wasser. Ich winde mich hin und her, kann seine Hände abschütteln und mich am Grund des Sees abstoßen, um wieder aufzutauchen.
Leise fluchend und nach Luft schnappend, reibe ich mir das Wasser aus den Augen und muss feststellen, dass Dante nicht mehr bei mir ist. Verwirrt sehe ich mich um und entdecke ihn etwa zwei Schritte entfernt. Er steht aufgerichtet im Wasser, das ihm an dieser Stelle nur noch bis zur Hüfte reicht, und späht die Uferböschung hinauf.
Dort wartet ein nackter Junge von vielleicht sieben oder acht Jahren. Er ist dünn und drahtig, mit dunklem Teint und kurzen, schwarzen Haaren. Misstrauisch sieht er auf uns herab. Seine schokoladenbraunen Augen sind groß wie Unterteller und er hat blutige Kratzer an Armen und Beinen. Als hätte er sich gegen eine Meute wilder Hunde gewehrt. Oder gegen eine Meute wilder Wölfe.
»Hey ...«, sagt Dante.
Seine Stimme scheint den Jungen zu erschrecken. Jedenfalls macht der Kleine einen Satz rückwärts.
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Dante & Nick: Down The Rabbit Hole
ParanormalNick gehört der unterschätzten Gattung der Werkaninchen an, die sich auf dem ganzen Erdball rasch ausgebreitet hat und dabei immer wieder in Konflikt mit der dominanten Werwolf-Spezies gerät. Diese schwierige Situation wird noch verschärft, als die...
