Die Polizei tappt im Dunkeln

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Inspektor Joshua Willcox hatte sein Team zu einer Arbeitsberatung gebeten., nachdem er von der Besprechung bei seinem Abteilungsleiter bei New Scotland Yard zurückkam.

Das kleine Team bestand aus ihm selbst, dem Bearbeiter für Vermisstensachen Sergeant Tom Mannish als seinem Vertreter der Ermittlungsgruppe, einem IT- Spezialisten und einer jungen Kollegin, die in die Auswertung eingebunden ist und sich mit dem IT- Mann aktuell die Überwachungskamera- Aufzeichnungen ansieht und dokumentiert.

Willcox nahm sich einen Kaffee und setzte sich an den Tisch zu den anderen. Er öffnete sein 'schlaues Buch', in welchem seine handschriftlichen Aufzeichnungen über Besprechungen und Aufträge standen.

„Ich kann es kurz machen: Wir bekommen aktuell eine Menge Druck von oben. Ich habe den Artikel im „Circle" zwar nicht gelesen, aber wohl der Chef. Die Presse hat im Nachgang des Artikels natürlich auch wieder eine schriftliche Anfrage gestellt. Und nun muss irgendein Ergebnis her. Also: Im Wochenblatt „The Circle" war eine Veröffentlichung unter dem Aufmacher „Ist S&B Coin Dreamer weiter kopflos?". Neben einer Menge Spekulationen der Autoren und einigen Fotos fanden sich auch ein Statement des S&B Observer Benjamin Brown und der Kanzlei Stowe und Banneman im Artikel, die unsere Polizeiarbeit heftig kritisieren. Das sieht unser Chef natürlich nicht gern, da so ein Aufhänger der Außenwirkung der Ermittlungsarbeit natürlich einen ordentlichen Tiefschlag in die Weichteile gibt. Schlechte Publicity will natürlich niemand- und auf der Seite der Verlierer möchte er Scotland Yard auf keinen Fall sehen. Wie weit sind wir mit den Aufzeichnungen?"

„Samantha und ich sitzen Tag um Tag daran. Alles im Nahfeld des Firmensitzes ist durchgesehen und die Berichte jeweils dazu zu den Akten gegeben. Keine Spur von Peter Bellamy- auch mit den Rasterprüfungen hatten wir bislang keine Treffer.", erklärte der IT- Experte.

„Tom? Bei Dir? Was gibt es Neues?"

„Ich habe den Bekanntenkreis ordentlich abgeklopft, wie sonst auch. Da hat sich nichts ergeben. Mit der Erlaubnis der Ehefrau Lydia Bellamy hatten wir ja noch die letzten Kontenübersichten erhalten, die Uns noch fehlten. Kein Einsatz von AMEX- Karte oder anderen nichtbaren Zahlungsmitteln, die uns aufzeigen könnten, wo Peter Bellamy abgeblieben sein könnte. Wir haben die Passagierlisten nun auch von den schottischen und kleineren Flughäfen durchgesehen. Kein Passagier des Namens Bellamy- auch hier hatten wir ja die Überwachungsaufzeichnungen schon durchgesehen.", erklärte Tom Mannish.

„Also auch nichts, was Uns auf die Spur des Vermissten bringen kann.", fasst Inspektor Willcox zusammen. „Und bei mir sieht es ähnlich aus. Ich hatte die Daten aus Indien und Brasilien von den Hauptgeschäftsstellen von externen Wirtschaftsprüfern ja auf unsere Fragestellungen durchsehen lassen. Das hat eine Menge Geld gekostet. Gebracht hat es allerdings keine Hinweise auf irgendwelche unlauteren Geschäfte bei S&B. Also wenn Sutton und Bellamy einen heftigen Streit hatten, wie wir ja immer noch annehmen- aus dieser Richtung kommen wir da zu keinem Ansatzpunkt."

Willcox schnaufte lang durch- und sah leider in wenig Hoffnung verheißende Gesichter seiner Kollegen.

„Was können wir abrechnen, was Uns wieder in ein Licht der Gnade beim Chef bringt?"

„Neues nicht.", Tom Mannish brachte es auf den Punkt. „Wir können nur weiter auswerten und hoffen, dass sich irgendwo eine Tür öffnet. Etwas, mit dem wir weitermachen können."

„Genau."

Inspektor Willcox wusste, dass die Ermittlungen wirklich festgefahren waren. Auch wenn er seinem Chef viel blumiges heute Morgen gesagt hatte- Mannish hatte wohl Recht. Wenn es so weitergeht, dann wird man die Vermisstensache wohl alsbald schließen müssen und diese Ermittlungen werden beendet.

Willcox rieb sich das Gesicht mit beiden Händen. Dann stand er auf und ging zum Fenster. Er nahm einen Blick über die Themse.

„Okay. Ihr macht so weiter, wie wir es vorgestern festgelegt hatten. Aber ich weiß nicht, wie es Euch geht- ich habe wirklich das Gefühl, dass wir vollkommen in die falsche Richtung denken."

„Das glaube ich nicht.", entgegnete Sergeant Mannish. „Ich denke, wir sind vollkommen im richtigen Fahrwasser. Dann sag doch mal, was Dich umtreibt. Es bleibt ja hier im Raum."

Willcox drehte sich zu seinen Kollegen am Tisch um. Angelehnt ans Fensterbrett erklärte er seine Bedenken.

„Ich sehe Uns vollkommen in die Leere ermitteln. Und wenn dies so ist, dann sollte man das Ganze hinterfragen. Und dies machen wir schon lang nicht mehr. Wir sind doch keine Anfänger. Und dann finden wir nichts? Das passt doch nicht zusammen. Mich treibt schon seit Längerem der Gedanke um, dass wir dem Offensichtlichen zu lange hinterherjagen und Alternativen ignorieren. Vielleicht gab es den Streit- aber unter einem anderen Auslöser. Vielleicht ist Lydia Bellamy der Schlüssel- entweder ging es im Streit um sie oder die von ihr geschilderte Variante mit der Drittperson stimmt. Oder es gibt einen anderen Schlüssel, den wir noch nicht gesehen haben. Irgendwas."

Willcox schien bei diesen- seinen Gedankenspielen völlig abwesend, auch wenn er hier im Raum war. Aber eben dieses logische Alternativdenken war seine Stärke. Er sah oftmals kleine Feinheiten, die letztlich den Schlüssel zum Erfolg darstellten.

Sein Partner, Tom Mannish, sah dies allerdings anders. „Dann sag uns Bescheid, wenn dir etwas einfällt. Wir gehen wieder an die Arbeit und werten aus."

Mannish stand auf und verließ den Besprechungsraum. Seine beiden Kollegen taten es ihm gleich, denn augenscheinlich war die Besprechung wohl vorbei.

Willcox indessen starrte wieder Löcher aus dem Fenster heraus in die Luft.

'Wo muss man ansetzen, wenn Lydia Bellamy oder vielleicht Frank Sutton der Schlüssel sind?', dachte Inspektor Willcox für sich weiter nach. 'Wo nur ansetzen?'

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