Die Löcher finden

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„Kein Hack! Jedenfalls nicht hier bei Dir im heimischen System. Für S&B kann ich Dir da allerdings keine Auskunft geben."

Mark 'Marilyn' Monroe war sich zu hundert Prozent sicher.

Das reichte Frank Sutton fürs Erste. Wenn 'Marilyn' sich darauf festlegte, dann war es so. Wo andere nur unsortierte Einsen und Nullen sowie einige Befehle sahen, da sah Mark Monroe schlüssige Muster in der Software. Mak war hier absoluter Spezialist. Wenn sich Trojaner oder andere Dinge im System befunden hätten und durch die Firewall gekommen wären, so hätte Mark das sicherlich gefunden.

„Okay! Danke Mark. Gute Arbeit.", lobte Frank Sutton.

Frank war froh über diese Einschätzung. Allerdings musste S&B dann woanders her die Informationen haben. Das Telefonat mit den Amerikanern hatte bestätigt, dass die Auslösung der Bestellung der Coin Dreamer- Sensibility- Anzüge aus der S&B Coin Dreamer Zentrale in London erfolgt war.

Aber warum? Der Anzug war noch in der Erprobungsphase- und ein Novum, von dem es bislang nur wenige Dutzend gab. Bis auf zwei Exemplare standen alle anderen Anzüge Frank Sutton persönlich zur Verfügung. Zehn waren hier auf 'Corbanian House' und die anderen in Frank Sutton persönlichem Lager in Chatham.

Die anderen zwei Exemplare? Die hatte Frank seinerzeit an Paul Bellamy gegeben, weil Paul ja auch damit experimentierte. Die Software war ja ein gemeinsames Kind, wenngleich Frank hier in letzter Zeit vor dem Koma und dem 'Vorfall ohne Erinnerung' den Löwenanteil machte.

Konnte sich S&B diese Anzüge besorgt haben?

Ein Anruf bei Lydia Bellamy brachte die Bestätigung.

„Cetric Stowe war bei mir. Da es immer noch keine Neuigkeiten zu Peter gibt, bat er mich, für meinen Mann einige Papiere zu unterzeichnen. Frank? Sei nicht sauer deshalb. Die Verträge waren einfach: Übertragung von Pauls Anteilen zurück in den S&B- Topf- vorbehaltlich von Pauls Rückkehr in die Firma. Er würde dann die Anteile sofort zurückbekommen. Und S&B darf Pauls Arbeitsräume und Rechner auswerten. S&B versprach sich davon Hinweise auf Pauls Verbleib, wenngleich ich da wenig Hoffnung hatte, da ja auch schon Scotland Yard vorher alles abgesucht und auch Daten gesichert hatte. Cetric Stowe hat mir das mit einer Überlassungsvereinbarung finanziell schmackhaft gemacht. Für jeden Monat bekommen Paula und ich eine Art Überlassungs- Rendite von 100.000- nicht zurück zu zahlen. Wenn Paul zurückkommt, ist alles glattgezogen, Anteile gehen zurück zu ihm, es sei denn, Paul verzichtet auf die Anteile für 600.000 als Einmalzahlung von Seiten S&B. Benjamin Brown hat Cetric aufgetragen, mir diesen Vorschlag zu machen, damit die Arbeitsplätze gesichert bleiben und die Geschäfte am Laufen. Wenn S&B in die Krise rutschen oder gar Pleite geht, dann ist ja auch keinem geholfen. Ich habe nur an mein Kind Paula und mich gedacht, wenn es Peter- warum auch immer- nicht für nötig hält, sich bei mir zu melden."

„Lydia, alles gut- auch wenn sich dadurch einiges für mich erschwert. Ich kann Dich verstehen, auch wenn ich Peter nicht verstehe, weil er sich noch nie bei Euch gemeldet hat. Du weißt ja: Ben ist da ein Fuchs, wenn es ums Geschäft geht."

„Naja, so läuft die Firma wenigstens und die Leute sitzen nicht irgendwann auf der Straße."

„Und Peters Rechner? Und die Materialien, an denen wir gearbeitet haben?"

„Hat alles S&B. Die haben quasi erst einmal vieles gegenständlich mitgenommen. Rechner, Papiere zur Firma, Aufzeichnungen zu Euren Projekten und so weiter. Ich dachte, sie hätten mit Dir gesprochen? Dass dies so abgestimmt war?"

„Naja, war es nicht. Aber okay. Dann weiß ich wenigstens, woher Benjamin die Informationen hat."

„Was Schlimmes? War es doch ein Fehler?", fragte Lydia Bellamy dennoch nach. Offenbar hat ihr Gewissen und ihre Unkenntnis über die Dinge ihres Mannes hier den Ausschlag gegeben.

„Nein. Nein. Nichts, was sich klären nicht lässt oder wieder einrenken.", beschönigte Frank Sutton die Lage, um Lydia Bellamy nicht noch mehr zu belasten.

„Okay. Ich hoffe, Du hast recht. Ich muss dann auch. Paula und ich fahren übers Wochenende aufs Land. Ich sitze quasi auf gepackten Koffern. Mach's gut, mein Schöner.", verabschiedete Lydia Bellamy.

„Habt eine schöne Zeit. Bis demnächst mal wieder."

Frank beendete das Gespräch und legte das Handy beiseite.

Da hatte er das „Schlupfloch". S&B, wohl auf Betreiben von Benjamin Brown hin, hatte das schwächste Glied in der Kette einfach überrollt.

Da hatten sie sich die Anzüge- und wer weiß was noch alles- besorgt. Ein schöner Mist.

Doch wozu all dieser Aufwand?

Und warum haben sie nicht auch noch die Muster der Bewegungsplattform in gleichen Größenordnungen bestellt und geordert?

Das ergab für Frank Sutton derzeit noch so gar keinen Sinn.

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