Stumm sah sie in Richtung Boden. Der Schock saß ihr noch in den Knochen.
Obwohl sie eine Decke auf den Schultern liegen hatte zitterte Maggie wie Espenlaub. Es war vielleicht zehn Minuten her, dass sie eine Panik Attacke gehabt hatte. Ihr war bewusst gewesen, dass so etwas passieren könnte, doch sie hatte es nicht erwartet. Dass sie fast die Einzige war, die noch da war hatte ihrer Situation nicht gerade geholfen. Wie gesagt, fast.
Isobel hatte noch in ihrem Büro Papierkram erledigt und hatte ihr helfen können. Irgendwie war es der SAC gelungen sie so weit zu beruhigen, dass sie Maggie in ihr Büro führen und sich auf die Couch setzen lassen konnte.
"Hier." Isobel sank neben sie und reichte ihr ein Glas Wasser. Maggie nahm dieses schweigend entgegen. Durch ihr Zittern konnte sie das Glas kaum ruhig halten und beeilte sich deshalb einen kleinen Schluck zu trinken, ehe sie es wieder absetzte.
"Geht es wieder?" Darauf bekam Isobel keine Antwort, weshalb sie einfach eine Weile neben Maggie sitzen blieb und schwieg.
"Sie war meine Freundin...", flüsterte die jüngere Agentin schließlich. Isobel blinzelte verwirrt. "Ihre...Freundin?" "Anna." Nun wurde es der SAC klar. Maggie wurde noch immer von Schuldgefühlen geplagt, weil sie bei ihrem Undercover Einsatz eine Frau hatte töten müssen.
"Sie war nicht Ihre Freundin. Sie war die Freundin der Person, die Sie ihr vorgespielt haben." Maggie schien sich durch diese Aussage nicht besser zu fühlen. "Sie war trotzdem ein Mensch, den ich getötet habe", flüsterte sie zurück und Isobel konnte sehen, wie ihre Hände noch immer zitterten.
"Sie mussten es tun. Sie hatten keine Wahl." "Ich hätte sie zur Seite stoßen können." "Dann wären Sie vielleicht verletzt worden." Sie behielt den Gedanken, dass sie es sehr viel schlimmer fände wenn Maggie etwas passiert wäre, als dass Anna etwas passiert war für sich.
"Verletzt. Aber getötet? Ich hätte vielleicht eine Schnittwunde, gut, vielleicht eine schlimme Schnittwunde, vielleicht hätte ich eine Operation gebraucht oder hätte eine Menge Blut verloren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich daran gestorben wäre ist sehr viel geringer, als dass es glatt gelaufen wäre. Ich hatte eine Schussweste unter der Kleidung und wusste wie ich mich so positioniere, dass mir nichts passiert, aber anstatt es zu tun habe ich einfach geschossen..."
Maggie rollte eine Träne über die Wange.
"Haben Sie mit jemandem über ihre Schuldgefühle erzählt?", fragte Isobel sanft und begann vorsichtig über Maggies Schulter zu streicheln. Diese schüttelte den Kopf. "Nein. Ich meine...O.A. hat mich darauf angesprochen und ich habe ihm erklärt was passiert ist, aber wir haben nicht wirklich darüber geredet." Sie griff erneut nach dem Glas, noch immer mit zitternden Händen und trank ein paar weitere kleine Schlucke.
Isobel seufzte leise. Maggie war offensichtlich noch nicht bei dem Level der Stabilität angekommen, an dem die SAC sich wohl damit fühlen würde sie alleine nachhause fahren zu lassen. Zum Einen wegen der fahrt an sich, zum Anderen wäre Maggie wenn sie angekommen war ja auch alleine.
Natürlich könnte sie einfach jemanden bitten sie zu begleiten und ein, zwei Stunden bei ihr zu bleiben bis sie in einem etwas besseren Zustand war, doch auch damit fühlte Isobel sich nicht wohl.
Das war ihre Agentin, die da neben ihr saß und von ihren Schulgefühlen aufgefressen wurde, nur wegen etwas, das von ihr erwartet wurde zu tun.
Es war ein Mensch für den sie die Verantwortung trug, der nun so kaputt war, dass er Panik Attacken bekam.
Das mindeste was sie tun könnte, war Maggie dabei zu helfen, sich selbst zu reparieren.
"Ich muss meinen Bericht noch fertig schreiben", murmelte Maggie und riss Isobel damit aus ihren Gedanken. Die Agentin ließ die Decke wieder von ihren Schultern sinken und versuchte aufzustehen, doch es gelang ihr nicht das Gleichgewicht zu behalten. Isobel griff nach ihren Händen und drückte sie sanft wieder in eine sitzende Position. "Sie denken doch nicht wirklich, dass ich unter diesen Umständen noch von Ihnen verlange den Bericht morgen einzureichen. Sie lehnen sich jetzt zurück und entspannen ein Bisschen, bis es Ihnen etwas besser geht. Sie sind offensichtlich unglaublich müde, wieso versuchen Sie nicht ein Bisschen zu schlafen?" Obwohl Maggie sie nicht ansah konnte Isobel einen Anflug von erneut aufkommender Panik über Maggies Gesicht huschen sehen.
"Hey", sagte sie ruhig und nahm die beiden Hände der Frau vor ihr wieder in ihre eigenen, "Ich weiß was sie gerade durch machen. Falls es noch einmal passiert, bin ich hier und kann Ihnen helfen. Ich gehe nirgendwo hin bis es Ihnen besser geht, Sie haben mein Wort. Ich sitze nur dort an dem Schreibtisch und fülle Akten aus, falls etwas passiert kann ich eingreifen. Ihnen passiert nichts. Sie sind in Sicherheit, Sie können sich die Pause nehmen." Maggie schwieg ein paar Sekunden, ehe sie langsam aufsah. "Wenn...Sie das nicht stört..." Isobel schüttelte den Kopf. "Auf keinen Fall. Legen Sie sich hin und schlafen ein Bisschen. Das tut gut, glauben Sie mir." Sie stand auf, um der Agentin etwas mehr Raum zu geben und wandte sich wieder der Papierarbeit zu. Nach ein paar Minuten wagte sie einen
Blick zu Maggie, die sich inzwischen eine bequeme Position gesucht hatte und bereits vor sich hin döste.
Ein Schmunzeln schlich sich auf die Lippen der SAC, als sie ihre Agentin halb schlafend sah. Maggie hatte diese Pause dringend nötig.
~*~
Zwei Stunden später war Maggie noch immer am Schlafen und Isobel bereits mit dem Papierkram fertig. Eigentlich hieße das für sie, dass sie jetzt heim gehen durfte, doch sie brachte es nicht übers Herz, die Agentin aus ihrem Schlaf zu reißen. Stattdessen nahm sie ihr Handy zur Hand und beschloss Ethan darüber zu informieren, dass sie etwas später nachhause kommenwürde.
"Izzy?" "Hey Ethan. Ich komme etwas später nachhause als gedacht, im Büro ist was passiert." "Was? Oh mein Gott, geht es dir gut?" "Ja. Ja, ja, bei mir ist alles in Ordnung. Einer Agentin geht es nicht gut und ich will bei ihr bleiben bis sich ihr Zustand etwas verbessert hat." "Kannst du nicht einfach jemand anderen bitten das zu übernehmen? Oder ihr einfach ein Taxi rufen und sie damit nachhause schicken?" Isobel knurrte leise. Männer konnten manchmal solche Hohlbirnen sein. "Nein, das möchte und werde ich nicht tun. Ich trage die Verantwortung für diese Person, ich will sicher gehen, dass es ihr gut geht bevor ich gehe!" "Izzy-" "Nein! Entweder du akzeptierst, dass ich später komme, weil ich mich hier um was kümmern muss, oder du tust es nicht und verschwindest!" Damit legte die SAC mit einem wütenden Schnauben auf.
"Sie müssen nicht wegen mir bleiben. Ich kann wirklich nachhause gehen", erklang eine müde Stimme hinter ihr, welche Isobel sich umdrehen ließ. "Nein. Er muss verstehen, dass mir etwas dazwischen gekommen ist. Sie wissen doch wie Männer sind. Wenn die etwas wollen dann muss es sofort passieren." Maggie schmunzelte müde. "Ja, das kommt mir bekannt vor."
Isobel griff nach der Wasserkaraffe, die auf dem Tisch neben ihr stand und ließ sich wieder neben Maggie nieder, wo sie ihr erneut Wasser in das vorherige Glas schenkte.
"Wie fühlen Sie sich?" "Besser", murmelte Maggie und nahm das Glas wieder.
Isobel schwieg für ein paar Sekunden, unsicher wie sie dieses Gespräch angehen sollte.
"Ähm...während Sie geschlafen haben, habe ich mich bei einem unserer Psychologen erkundigt, und...wenn Sie das wollen, dann werde ich Ihnen dabei helfen eine interne Therapie zu bekommen." Sie merkte wie Maggies Haltung angespannter wurde und die Agentin begann sich unwohl zu fühlen, weshalb sie ihr eine Hand auf den Rücken legte. "Sie dürfen sich helfen lassen, Maggie. Sie müssen nicht alles alleine schaffen." Die Jüngere nickte langsam und blinzelte ein paar Mal. "Ich...ich kann es versuchen...", murmelte sie. "Ja?" Maggie nickte. "Okay. Dann frage ich nach einem Termin und der Rest regelt sich schon", meinte Isobel und streichelte sanft über Maggies Rücken. Diese entspannte sich langsam wieder ein wenig.
"Danke übrigens, dass sie mir geholfen haben..." Die SAC schmunzelte. "Das ist doch selbstverständlich."
___________________________________________
Also Izzy, so unter uns, bevor du weiter Ethan datest würde ich Mal ganz schnell anfangen was illegales zu tun 😉
DU LIEST GERADE
FBI-Oneshots
FanfictionIch habe zu viele davon in meinen Entwürfen, deshalb kriegen die jetzt ihre Chance veröffentlicht zu werden 🤝 In diesen Oneshots geht es eher weniger um spannende Kriminalfälle, als um den Zusammenhalt und die gesamte Beziehung des Teams, wer also...
