Spencer Reid
Ich stimme Morgan zu, über diesen Typen namens Luke wissen wir nicht viel und das Schicken von Briefen ist nicht sonderlich effektiv. Er hätte damals seine Freundin nicht vor ihm verletzt und getötet, nur um ihn dann physisch komplett unversehrt zu lassen. Als Jose die Vermutung bestätigt, bemerke ich, wie sich Rapids Blick und ihrer treffen. In beiden spiegelt sich ein Ausdruck von Gedankenversunkenheit, Resignation und etwas Wissendem wider. Rapids Ausdruck vermischt sich mit etwas Weiterem, Bedrücktheit. Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie Conner seine Hände verkrampft knetet und in sein Blick etwas Dunkles tritt. Dieses düstere hat schon fast etwas von Verbissenheit. Jose hat es ebenfalls bemerkt und wirkt ein wenig kraftlos. Was geht in ihren Köpfen bloß vor? Was wird uns verschwiegen? Ich kann die anderen schon kaum lesen, doch bei Jose komme ich eigentlich nie durch. Wie gerne würde ich Einlass zu ihrer Gefühlswelt bekommen. Denn ich habe den starken Verdacht, dass Luke es auf Jose abgesehen hat. Morgan will schon anfangen, sie zu durchlöchern, doch sie hebt abwehrend die Hand. Er verstummt. Ich kann nichts dagegen tun, die Chance das meine Vermutung sich nicht bewahrheitet, ist verschwindend gering. Ich ergreife das Wort "Er hat es auf dich abgesehen." Sie blickt mich unverwandt an. Nein, das darf nicht sein. In mir breitet sich ein ungutes Gefühl aus, ich spüre eine Spur von Wut auf diesen Luke. JJs Stimme holt mich wieder zurück, "Aber warum?" Jose lächelt sie an, ich bilde mir ein, etwas Gequältes darin zu erkennen. Trotzdem antwortet sie JJ und beginnt einiges über Luke zu erzählen. Was hat sie mir verschwiegen, als ich sie gefragt habe, ob sie Luke persönlich kennt. Sie muss ihn kennen. Doch ich kann, im Gegenteil zu eben, absolut nichts aus ihrer Mimik oder Körperhaltung herauslesen. Nachdem sie ihre Erzählung beendet hat, fragt Garcia erschrocken das offensichtliche. Morgan mustert sie prüfend. "Die Blakes sind gefährliche Leute, was hast du bitte mit ihnen zu schaffen?" Noch während er dies sagt, blitzt Erkenntnis in seinen Augen auf. Das kann nicht sein, der Name muss einfach ein Zufall sein. Sie zögert, ist kurz unsicher, doch ihr nächstes Wort reicht, um mich innerlich entsetzt zurückfahren zu lassen. "Alej." Das darf doch nicht wahr sein. Warum wissen wir nichts davon? Ihr Seal Team scheint es nicht zu überraschen. Vertraut sie uns nicht? Vertraut sie mir nicht? Enttäuschung und einen Hauch von Wut kommen in mir auf. Ich will nicht solche Gefühle für sie hegen, doch sie nehmen mich unaufhaltbar ein. Ich sehe, wie Conner schräg hinter sie tritt und ihr eine Hand auf die Schulter legt. Er beschützt sie. Wovor? Noch während ich mir die Frage stelle, wird mir klar, wie die Antwort lautet. Vor uns. Er beschützt sie vor uns. Jose erhebt ihre Stimme, sie spricht leiser, mit weniger Stärke als sonst. Ich blicke sie immer noch entsetzt an. Sie mustert unsere Blicke, sie merkt, was in unseren Köpfen abgeht. Nach wenigen Sekunden sehe ich, wie etwas in ihr zusammenfällt. Sie wirkt plötzlich unglaublich verletzlich. Ihre Augen spiegeln Betrübtheit und Gebrochenheit wider. Sie fährt mit dem Daumen über das Tattoo auf ihrem Handgelenk, starrt den Namen an. Schlagartig verschwindet mein Entsetzen. Unsere Reaktion hat das ausgelöst. Es ist wie als wäre eine Mauer gefallen. Ich will sie in Geborgenheit wiegen können, wieder ihr wunderschönes Lachen hören. Sie muss geahnt haben, dass unsere Reaktion so ausfallen würde. Hätte sie es uns sonst früher erzählt? Schulgefühle breiten sich in mir aus. Sie vergräbt ihren Kopf in ihren Händen, will sich unseren Blicken entziehen. Conner verspannt sich und wendet sich an uns. "Keine Sorge, es sind keine gefälschten Identitäten, die wir hier ausleben. Sobald es um etwas außerhalb der Mafia ging, waren wir Conner und Josephine. Lediglich unsere toten Eltern, die nach Camps Folterung damals aufgespürt werden konnten, waren nicht unsere leiblichen. sondern die Schwester unserer Mutter und ihr Mann. Mehr als ein zweiter Vorname ist es nicht. Und wir haben schon lange nichts mehr mit der Mafia zu tun." Er blickt uns starr an, er spiegelt meinen durchringenden Blick. Morgan gibt ein Schnauben von sich, ich ignoriere ihn. Jose hebt langsam ihren Kopf und berührt kurz die Hand ihres großen Bruders. Dieser entspannt sich etwas.
Ich entdecke ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen. Wie sehr ich mir gewünscht habe, dieses schon viel früher auf ihr Gesicht zaubern zu können. Ich spüre Morgans Blick auf mir. Leichte Erschrockenheit zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. Ich kneife meine Augen minimal zusammen und fokussiere ihn kurz. Sein abwertendes Verhalten gegenüber Jose muss aufhören.
Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch! Eine Sicht von Spencer musste einfach nach den Geschehnissen im letzten Kapitel sein :)
Vielen, vielen Dank für die 791 Aufrufe und die 76 Votes!!! Es ermutigt mich unfassbar doll, diese Geschichte weiter entstehen zu lassen. Ohne euch wäre ich nie soweit gekommen!
Wir sehen uns beim nächsten Kapitel, bis dann :D
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Operation Mind-Fallout (Criminal Minds FF)
FanfictionEin Elite Navy Seal beschützt undercover die Profiler. Wird sie Operation Mind-Fallout, ohne, dass ihre Tarnung auffliegt, ausführen können? Da ist ja schließlich noch die Liebe... Oder wird etwas ganz anderes ans Licht kommen? SpencerxNewMember B...
