Gadriel (Supernatural Staffel 9)

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Ich schreckte vom Kochen auf. Hatte es geklopft? Nein, oder? Schnell nahm ich beide Kopfhörer aus den Ohren.
Doch. Nun hämmerte es förmlich gegen die Tür!
"Ich komm ja schon. Castiel, mach nicht so 'nen Stress!", rief ich mehr oder weniger wütend aus der Küche. Schnellen Schrittes war ich bei der Tür und riss sie, bewaffnet mit meinem Pfannenwender, auf.
Aber der der vor mich stand, das war nicht Cas. Es war dieser Engel...dieser Gabriel? Nein Gadriel! Genau.
"Was zum Teufel, hat dich geritten, dass du hier auf die Tür einschlägst, als hätte sie dir was getan! Das geht auch normal", schnautzte ich ihn an.
"Ich weiß...", fing er an, doch ich unterbrach ihn.
"Wenn du das eh weißt, dann versteh ich das Gehämmer nicht! Soll ich dir demonstrieren, wie man an eine Tür klopft. Ihr Engel seid doch alle gleich! Ihr führt euch auf, als währt ihr was ganz besonderes, aber hier auf der Erde habt ihr nicht wirklich helle Momente. Oder seh' ich das vielleicht falsch?", fragte ich grinsend, gespannt auf die nächste Antwort.
Doch stattdessen sah der Blonde sich suchend um, bevor er seinerseits fragte: "Wo ist Castiel?"
"Siehst du doch. Er ist nicht da. Und jetz muss ich auch wieder in die Küche."
Schon wollte ich die Tür zu machen, als er eine Hand an sie legte und mich stoppte: "Ich warte hier auf ihn."
"Schön", genervt ging ich vor und vernahm, wie der Engel die Tür schloss.

Eigentlich wollte ich weiter Musik hören, aber Gadriel war auf Methatrons Seite. Man konnte ihm nicht trauen und dazu kam noch, dass er neben mir stand und mir über die Schulter sah.
"Was machst du da?", ging schon die nächste Frage an mich.
Alter bin ich hier 'Mrs. Fragt-mich-alles'?
"Kochen."
Einfach kurz und knapp antworten, dann wird er irgendwann von selbst aufhören zu reden. Doch zu früh gefreut.
"Ihr Menschen seid echt seltsam. Ihr esst und schlaft, habt Geschlechtsverkehr ohne Kinder zu kriegen und müsst euch permanent unterhalten", stellte er für sich fest.
"Der einzige der hier redet bist du", witzelte ich. Auch wenn mich seine Meinung echt nicht interessierte, verdrehte ich gequält die Augen. Ich wollte heute einen ruhigen Abend, mit Essen und einem heißen Bad. Nicht auf einen Engel aufpassen! Bitte Cas, komm in die Socken.

Ich gewann wieder etwas Abstand zu ihm, als mein Essen fertig war. Während ich die Pfanne auf der Spüle abstellte, wählte ich die Handynummer von Dean.
Es klingelte und plötzlich hörte ich den Refrain von 'Born to be wild' durch die Wohnung hallen.
"Das ist jetzt nicht euer Ernst!", fauchte ich leise und versuchte gleichzeitig ruhig ein- und auszuatmen.
Nebenbei hatte mich Gadriel beobachtet und meinte nun: "Wird wohl noch etwas dauern, bis Castiel kommt."
"Blitzmerker", murmelte ich und schüttete den Pfanneninhalt auf einen großen Teller.
Mit der anderen Hand griff ich hinter mich, aber konnte nur etwas weiches erfühlen und eine große Hand, die sich um mein Handgelenk schloss. Mist! Muss der ausgerechnet dort stehen?!
Langsam drehte ich mich um. Als ich erst auf seine Hand, dann in sein Gesicht blickte, überzog mich eine Gänsehaut. Eine angenehme Wärme glühte in mir auf und mir blieben meine nächsten genervten Worte im Hals stecken. Seit wann haben Männer auf mich so eine Wirkung?
Wie hypnotisiert drehte ich meine Hand aus seiner und deutete ihm, dass er kurz zur Seite treten sollte. Nach geschlagenen Stunden löste er auch seine Augen von mir und begab sich ins Esszimmer.
Verwirrt über mich selbst schüttelte ich den Kopf und versuchte es danach am Tisch bei Sam. Auch der ging nicht dran. Warum haben die zwei überhaupt Handys!

"Du siehst wütend aus. Kann man dir vielleicht helfen?", erkundigte sich der Gefallene.
Seine blauen Augen starrten mich förmlich zu Boden, sodass ich nur mit dem Kopf schüttelte. Etwa eine Minute später entschied ich mich doch zu antworten, auch wenn ich mir die Wortwahl nicht vorher gut überlegt hatte: "Weißt du, ich wollte eigentlich einen entspannten Abend verbringen. Tja, daraus wurde nichts, weil du aufgetaucht bist und Castiel mich mit dir hier hängen lässt. Die Winchesters gehen nicht an ihr Handy und mein Essen ist halb angebrannt, weil du mich vorhin so lange an der Tür aufgehalten hast. So, und jetz frag mich nochmal, ob ich sauer aussehe!"
Ruhig räusperte er sich:"Versteh' ich dich richtig...ich störe dich bei deinem 'entspannten Abend'?"
Intensiv sah er mich an und fragte etwas lauter: "Ich STÖRE dich?!"
"Nimms nicht persönlich", nuschelte ich etwas eingeschüchtert.
"Ich soll was nicht? Denkst du, du nervst hier niemanden? Was glaubst du denn wer du bist?!" Zornig sah er mich an.
Danach war Stille, bis ich einfach aufstand und mein Essen in der Küche weiter aß.
Schnell wusch ich ab und danach meine Hände. Was solls, dachte ich und wollte gerade aus der Küche spazieren und mich bei Gadriel entschuldigen, als dieser bereits in der Küche stand. Er hatte die Arme verschränkt und musterte mich.
"Ich hatte dich etwas gefragt", stellte er fest.
"Ich weiß, tut mir leid. Sorry, wenn ich dich verletzt hab'", erwiderte ich.
"Du mich verletzt? Nein, hast du nicht. Antworte mir bitte auf meine letzte Frage."
"Ich nerve hier bestimmt viele."
"Die andere", er ließ seine Arme sinken und kam auf mich zu: "Wer glaubst du, bist du, dass du so mit mir redest?"
Herausfordernd sah ich zu ihm auf. Alter, wie groß war der? 1,90? Und diese Muskeln...
Stopp, ich musste mich konzentrieren.
Achselzuckend wollte ich mich wegdrehen, als er mich an meinen Schultern griff und dagegen hielt.
Gadriel leckte sich über die Lippen und lächelte mich gemein an.
"Gadriel, ich weiß nicht wirklich worauf du hinaus willst, aber wüsste ich es, hätte ich keine Antwort auf deine Frage."
Unzufriedenheit machte sich in seinem Gesicht breit und er nahm eine Hand von meiner Schulter und legte sie mir an meine glühende Wange.
Doch bevor er irgendetwas sagen konnte, wurde die Tür aufgerissen und er löste sich abrupt von mir.
Castiel kam in die Küche und übersah die Situation, stufte sie aber als ungefährlich ein.
"Gadriel, was tust du hier?", fragte der Schwarzhaarige den Blonden.
"Ich wollte mich mit dir unterhalten", erklärte der andere Engel und beide gingen in ein anderes Zimmer.

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