Versammlung 1/1

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"Ich habe hier was für dich." meinte Michael und gab Jacky den lang ersehnten Umschlag. Sie arbeitete momentan mit ihren Kollegen an ein paar Projekten.
"Danke, das hilft mir wirklich weiter." bedankte sich Jacky. Auch wenn sie das Projekt nicht gestartet hatte, begann sie schnell einen großen Teil zu übernehmen. Das Projekt, welches das Ziel hatte, den Umgang im Rettungsdienst mit Fällen, die chronische Krankheiten involvierten zu verbessern. Zuerst war es nur eine Idee des Vorstandes. Am Anfang wurde sie das ein oder andere Mal um Mithilfe gebeten. Schnell wurde sie ein führender Teil von dem allen. Als das Projekt zeitweise kurz vor dem aus stand, war sie diejenige die es voran trieb. Fast jede freie Minute nutze sie. Wie heute, nach ihrem Dienst ging es direkt weiter zu einer Versammlung.

"Ok, was sind die Aufgaben in nächster Zeit?" fragte Marion, die ebenfalls ein Teil des Teams war.
"Das sind die Dinge die noch nicht erledigt sind." übergab die blonde ihr die Liste. Woraufhin die Aufgaben aufgeteilt wurden. Einem großen Teil davon machte Jacky.

So war es die nächsten Monate. Einmal alle zwei Wochen trafen sie sich, um Fortbildungen und ähnliches zu planen.

"Wir haben recht viel zu tun. Hier sind die Aufgaben für die nächste Zeit." begann Jacky ihren Beitrag zur Sitzung. Auch bei der Verteilung der Aufgaben hießen ihre Worte meist. "Ich könnte das machen." So ging es bis alles verteilt war, jede Woche.
"Weiter geht's. Ich hätte ein paar Ideen...." kündigte sie an. So ähnlich lief es meistens. Ihre Beiträge machten über die Hälfte der Sitzung aus.

In der aktuellen Versammlung saßen Oli, Alex, Phil, Phillip, Dustin,  Marion und sie. Viele hatten an diesem Termin keine Zeit. Wie immer wurde Jacky gefragt was es neues gibt und was ansteht. Normalerweise sprudelten die Iden nur so aus ihr heraus, die anderen musste sie normalerweise stoppen und sie an die Realität erinnern. Diesesmal überlegte sie erst kurz, kramte dann in der Tasche und zog eine Liste raus. Diese las sie vor. Es war schließlich ein halb zusammenrknülltes Blatt, nicht wie sonst.
"Es gibt diese Woche nicht so besonders viel. Einer müsste die Broschüren abholen, einer die paar Emails beantworten und wir haben einen Brief bekommen, der muss gelesen werden." meinte sie, als sie die 3 Aufgaben gesagt hatte. Ihre Stimme war ungewöhnlich Schüchtern und ihre Augen fixierten sich auf die Liste. Die Flamme die man normalerweise in ihren Augen sehen konnte schien heute erloschen.
"Das klingt machbar. Was sind deine Ideen für die nächste Zeit?" fragte Marion sie. Doch sie zuckte nur mit den Schultern.
"Ich denke wir haben so ziemlich alles mögliche getan." murmelte sie.
"Wir haben noch Ideen vom letzten Mal." erinnerte sich Marion und sie begannen diese zu besprechen.

"Ok, als wir haben jetzt ein weiteres Thema für die nächste Fortbildung. Alle zufrieden?" fasste Oli zusammen. Seine Blick fiel auf Jacky. Ihre Worte lauteten in den letzten Monaten meistens Nein. Diesmal nickte sie nur.
"Dann Gute Nacht." verabschiedeten sich alle.
Es war aufgefallen, dass Jacky sich anders verhielt, aber jeder hatte ja mal einen schlechten Tag. Zur nächsten Versammlung erschien sie gar nicht. Als Phil am nächsten Tag mit ihr arbeitete, beschloss er Mal mit ihr zu reden.

"Können wir kurz reden?" fragte er sie.
"Klar, worum geht's?"
"Um dich."
"Was ist mit mir?"
"Du verhälst dich komisch. Du hast nicht eine Versammlung bisher verpasst."
"Ich hatte was anderes vor. Ihr werdet doch einmal ohne mich auskommen."
"Kamen wir nicht. Aber auch davor. Von einen auf den anderen Tag hast du dich vom Projekt distanziert. Seit wann denkst du denn, man könnte nichts mehr machen?"
"Weiß nicht. Ich glaube es ist besser, wenn ihr das ohne mich weiter macht. Meine Ideen waren so oder so unrealistisch."
"Das stimmt nicht, durch deinen Input, wurde doch erst überhaupt Ideen entstanden."
"Trotzdem, ich möchte es nicht mehr."
"Sicher, dass nicht passiert ist? Du kannst auch weniger machen, wenn es dir zu viel ist. Ich möchte nur das du weißt, dass das Projekt nur wegen dir funktioniert. Nur weil du mitmachst. Eigentlich alles machst."
"Ok, ich überlege es mir nochmal."
"Du hast keine Idee was der Auslöser ist?"
"Nein, ist doch auch nicht so wichtig, oder?"
"Schon. Wenn jemand bei einer Sache, wo die Person vorher sein Herzblut reingesteckt hat, plötzlich aufhört, ist das schon komisch. Ich mache mir doch nur Sorgen."
"Brauchst du nicht."
"Mache ich aber, es ist ja nicht nur das. Seit dem einen Tag benimmst du dich irgendwie anders."
"Was mache ich denn anders?" fragte sie, in der Hoffnung zu wissen, was sie in Zukunft ändern musste.
"Ich kann es dir nicht genauer sagen, aber du verhälst dich anders."
"Heute ist nicht mein Tag."
"Es ist wohl ehr nicht dein Monat."
"Wir auch immer, mach dir keine Sorgen."

"Weißt du warum ich angefangen habe zu helfen?" fragte sie nach einer langen Stille.
"Nein, ich erinnere mich nicht mehr. Wie kann ich sowas vergessen?"
"Ist schon okay. Ich habe es auch nie gesagt. Kennst du meinen Bruder?"
"Nicht so richtig."
"Wie du wahrscheinlich auch, habe ich an irgendeinem Punkt überlegt, was wäre, wenn ich einmal jemanden fahren muss, den ich kenne. Mein Bruder ist chronisch Krank. Ich habe überlegt wie jemand reagieren würde, wenn ich nicht jede Fahrt mit ihm machen würde. Deswegen tausche ich so oft Dienste, wenn er was hat, fahre ich immer mit. Das ist alles mit der Leitstelle geklärt. Wenn das nicht so wäre, würde jeder falsch handeln oder könnte es besser machen, ich auch würde ich ihn nicht so gut kennen. Deswegen war mir dieses Projekt so wichtig. Für meinen Bruder. Vor fast einem Monat ist passiert was nicht passieren sollte. Ich war schon im Einsatz, deswegen konnte ich ihn nicht fahren. Er hat es nicht bis ins Krankenhaus geschafft. Das liegt natürlich nicht daran was das Team gemacht hat, ich habe mir danach, ohne die Verhältnisse klar zu machen, alles exakt erzählen lassen, man hätte es jedoch alles etwas angenehmer für ihn machen können. Es ist bei ihm alles so ein Sonderfall, das Team hatte gar keine Chance alles zu wissen, was hätte das Projekt daran geändert? Was hätte man überhaupt ändern können? Nichts. Es war klar, dass das passieren wird."
"Das tut mir Leid. Aber das ist doch kein Grund aufzugeben. Solltest du nicht weiter kämpfen, dass es nucht nochmal passiert?"
"Eigentlich schon, aber es ist nicht so einfach. Das Projekt kostet Energie, die momentan nunmal nicht habe."
"Du kannst ruhig eine Pause machen und ich denke schon, dass das alles etwas bringt. Allein mir hat es schon geholfen."
"Ich probiere es."

Nach ein paar Wochen machte sie wieder mit. Sie hatte einfach etwas Zeit gebraucht, um mit allem klar zu kommen.

ASDS Oneshots 2Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt