Die Fahrt zu Colins Heimatstadt dauerte knapp eineinhalb Stunden, die die beiden Jungs händchenhaltend verbrachten. Sie teilten sich Kopfhörer, hörten Musik und redeten nur wenig, da sie beide es hassten, wenn Leute bei Zugfahrten nicht leise sein konnten. Noah legte irgendwann seinen Kopf auf Colins Schulter und schloss die Augen, während Colin ein Buch las und dabei mit seinem Daumen kreisend über Noahs Handrücken strich.
Als sie ankamen, fuhren sie noch ein Stück mit dem Bus bevor sie endlich bei Colins Elternhaus ankamen.
„Bringen wir unsere Sachen in mein Zimmer und dann zeig ich dir den Rest vom Haus.", schlug Colin vor und führte sie die Treppe hoch. Noah sah neugierig im Vorbeigehen jedes Foto an, das an den Wänden hing, und lächelte beim Anblick der glücklichen Familie und süßen Kindheitsfotos von Colin. Sein Herz wurde ein wenig schwer beim Gedanken daran, dass es von ihm keine Fotos dieser Art gab, doch seine Wehmut verflog schnell, als Colin seine Hand nahm und ihn weiterzog.
Noah nahm sich viel Zeit, Colins Zimmer zu studieren. Jedes Buch, Bild und Deko Teil wurde begutachtet und er fand nichts, über das er sich lustig machen konnte. Es war ein schönes Zimmer mit einem großen Bett, viel Farbe und lauter kleinen Gegenständen, die Colin wichtig waren.
„Es passt zu dir.", war Noahs Urteil und Colin lächelte.
„Das nehm' ich mal als Kompliment. Komm, schauen wir, was noch zum Essen hier ist. Vielleicht müssen wir noch einkaufen gehen. Wir können auch was bestellen, aber hier in der Nähe liefern nur ein Italiener und ein Inder, also viel Auswahl haben wir nicht."
„Italiener und Inder, die zwei Is.", murmelte Noah und Colin stutzte, bis er erkannte, dass Noah sich über Chris lustig machte, und er lachen musste.
„Lass den armen Barista in Ruhe!"
„Ach, jetzt nimmst du ihn auf einmal in Schutz?", grinste Noah mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Okay, hast recht. Der Typ war super weird und seine Sprüche echt bescheuert.", lenkte Colin ein. „Auch wenn's süß war, dass du eifersüchtig warst."
„Ich war nicht eifersüchtig!"
„Natürlich, love.", grinste Colin und auch Noah lächelte. Ob das am Kosenamen lag, oder daran, dass er offensichtlich log, wusste Colin nicht so genau. Vielleicht an beidem.
Nach einer kleinen Tour des Hauses und einer Bestandaufnahme der vorhandenen Lebensmittel, beschlossen die beiden, einkaufen zu gehen.
Den restlichen Tag verbrachten sie mit Playstation zocken, Netflix schauen und Nichtstun. Abends bestellten sie Pizza, denn obwohl sie extra eingekauft hatten, fand keiner der beiden die Motivation, auch etwas daraus zu kochen.
Als sie schließlich ins Bett gingen, kuschelte sich Colin nah an Noah, obwohl sie deutlich mehr Platz hatten als in Noahs Bett im Internat, das sie sich die letzte Woche über jede Nacht geteilt hatten.
Noah zog Colin noch näher und lehnte seine Stirn an Colins.
„Danke, dass ich hier sein darf.", sagte er leise.
Colin küsste ihn nur sanft als Antwort und fuhr durch Noahs lange Haare.
„Ich liebe es, wenn du deine Haare offen trägst. Das macht dich irgendwie so... weich."
„Gefällt es dir offen besser?"
„Nein, ich liebe deinen Dutt genauso. Ich hab' nur das Gefühl, dass es etwas Besonderes ist, wenn ich deine weiche Seite sehen darf, weil die nicht jeder zu Gesicht bekommt."
Noah lächelte und nickte.
„Du bist ja auch etwas Besonderes. Ich liebe übrigens deine Locken."
„Ich liebe deine Augen."
„Ich liebe deine Grübchen."
„Ich liebe..." Colin stockte. Nicht, weil ihm nichts mehr einfiel, was er an Noah liebte - da könnte er noch lange weiter Sachen aufzählen - sondern, weil er kurz davor war, alles in einem Satz zusammenzufassen und nicht wusste, ob das nicht viel zu früh war.
Andererseits hatte Noah gesagt, dass sie immer ehrlich miteinander reden konnten und nichts zurückhalten mussten. Auch jetzt schaute er Colin offen und mit so viel Zärtlichkeit in seinem Blick an, dass Colin den Satz ganz automatisch beendete.
„Dich. Ich liebe dich, Noah."
Noah stockte der Atem und in seinen Augen stiegen Tränen auf.
„Ich weiß, es ist sehr früh, das zu sagen, und ich erwarte auch nichts von dir, aber ich-"
Weiter kam Colin nicht, da Noahs Mund sich auf seinen presste und er so intensiv und leidenschaftlich geküsst wurde wie nie zuvor. Nach einigen Minuten rang Colin nach Luft, doch Noah entfernte sich nur wenige Zentimeter und hielt Colins Gesicht in seinen Händen.
„Ich liebe dich auch."
Colins Herz schlug Purzelbäume bei diesen sanft geflüsterten Worten. Er strahlte Noah an, der genauso zurückstrahlte, und ihnen liefen beide Tränen über die Wangen. Noah wischte mit seinen Daumen Colins Tränen weg und begann dann, sein gesamtes Gesicht zu küssen. Zwischen den Küssen wiederholte er immer wieder die drei Worte.
„Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich."
Colin drehte sie, so dass er auf Noah lag, und begann ihn wieder zu küssen. Er fuhr mit seiner Zunge sanft über Noahs Lippen, die er bereitwillig öffnete. Colin konnte Noah nicht nah genug sein. Mit einer Hand strich er Noahs Brust entlang und schob sie dann unter sein T-Shirt. Noah gab einen Laut von sich, der Colin verrückt machte.
„Ist das okay?", fragte er keuchend, bevor er sich komplett verlor.
„Ja!", meinte Noah nur und zog ihn zurück in den Kuss.
Jetzt wanderten sie beide mit den Händen über den Körper des anderen.
„Wir sagen beide, wenn es zu viel ist oder wir etwas nicht mögen, ja? Wir machen einfach das, was sich gut anfühlt.", sagte Noah, als sie wieder eine Pause vom Küssen brauchten, da der Sauerstoffmangel sie dazu zwang.
„Ja. Ich vertraue dir. Ich liebe dich.", erwiderte Colin und sah fest in die Augen seines Freundes.
„Ich vertraue dir auch. Und ich liebe dich.", lächelte Noah.
Dann lernten sie sich auf eine ganz neue und intime Art kennen und kamen sich näher als je zuvor.
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Nolin | Unconditionally
FanfictionHappy Nolin, von Anfang an, weil mein Herz nicht noch mehr angst aushält. Tooth-rotting fluff. Realismus? I don't know her.
