Am nächsten Morgen versucht Bun weiterhin, dem alltäglichen Leben wieder näherzukommen. Das Putzen seiner Haut, das Zähneputzen, sein Frühstück – alles geht ihm mittlerweile durch die Schnelligkeit hundertfach schneller von der Hand. Mit mechanischer Präzision absolviert er seine Routine, doch innerlich tobt ein Sturm.
Das Frühstück ist ein besonders schmerzlicher Moment für ihn. Jeden Bissen kaut er sorgsam, jeder Schluck scheint schwerer als der vorherige. Die Einsamkeit umklammert ihn fest, während er in dem leeren Haus sitzt. Der Tisch ist viel zu groß für eine einzelne Person, und das Schweigen ist ohrenbetäubend. Dennoch gibt Bun sein Bestes, kämpft gegen die Tränen an und zwingt sich, nicht aufzugeben.
Er hat sich an die Materie gewöhnt, die nun zu einem festen Bestandteil seines Alltags geworden ist. Er nutzt sie für alltägliche Aufgaben wie den Müll herauszubringen oder aufzuräumen. Diese Kräfte geben ihm einen Funken Freude, ein kleines Licht in seiner düsteren Welt, doch sie können die Leere nicht füllen, die das Verschwinden seiner Eltern hinterlassen hat.
Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu. Bald wird er sein Zeugnis abholen – ein Moment, den seine Eltern nie miterleben werden. Die Tradition, dass die Mutter dem Kind das Tanzen für den Abschlussball beibringt, bleibt unerfüllt. Diese Gedanken nagen an ihm, fressen ihn innerlich auf. Die Erinnerungen an seine Eltern sind wie Messerstiche in seinem Herzen.
Trotz allem klammert er sich an den Erfolg von gestern. Der Gedanke, mit Eli auf der Tanzfläche zu stehen, erfüllt ihn mit einer Mischung aus Aufregung und Traurigkeit. Sein Herz schlägt schneller, wenn er an Eli denkt, aber zugleich zieht ihn die Realität wieder herunter. Seine Mutter kann ihm nicht das Tanzen beibringen, und dieser Verlust wiegt schwer.
Während er darüber nachdenkt, was er nun tun soll, schaukelt Bun unruhig auf dem Esszimmerstuhl hin und her. Sein Blick wandert ziellos durch den Raum, bis ihm plötzlich eine Idee kommt. Er nimmt sein Handy heraus und ruft Phil an. „Hey Phil, hast du gleich Zeit?"
Am anderen Ende der Leitung herrscht kurz Schweigen, dann antwortet Phil mit einem Hauch von Ärger in der Stimme: „Wir hatten eigentlich ja etwas vor, aber du hast mir Eli vorgezogen. Hat sie dir etwa schon abgesagt?"
Bun spürt einen Stich der Schuld, aber er schluckt ihn herunter. „Nein, wir treffen uns später noch. Ich wollte dich nur fragen, ob du mir das Tanzen beibringen könntest." Er zögert, bevor er weiterspricht. „Du weißt ja, meine Mutter kann es nicht mehr tun..."
Phil schweigt eine Sekunde länger. Bun kann die Enttäuschung und den Schmerz in der Stille spüren. Er weiß, dass Phil sauer auf ihn ist, weil er ihn immer wieder zugunsten von Eli vernachlässigt. Doch Phil versteht auch Buns Lage, seine Einsamkeit. Schließlich bricht Phil das Schweigen: „Klar... wann möchtest du denn hier hin? Ich hätte jetzt Zeit..."
Noch bevor Phil den Satz beenden kann, steht Bun bereits neben ihm. Phil schreit erschrocken auf: „Dein Ernst? Warne mich doch!" Bun lacht, und für einen Moment löst sich die Spannung zwischen ihnen.
„Okay, wie gehen wir das an?", fragt Bun und sieht Phil erwartungsvoll an.
„Gib mir fünf Minuten, dann mache ich Musik an und wir können etwas tanzen üben." Phil macht sich bereit, während Bun ungeduldig wartet. „Okay, du machst mir einfach nach. Nimm meine Hände in deine Hände."
Die beiden beginnen zu üben, und es dauert nicht lange, bis Phil bemerkt, wie schlecht Bun tatsächlich ist. „Wenn das so weitergeht, wirst du sie noch umbringen mit deinem Getrampel."
Bun lacht nervös, doch plötzlich hat er eine Idee. „Ich könnte doch einfach meine Kräfte nutzen, um auf jeden Schritt achten zu können."
Phil überlegt kurz und nickt dann. „Das könnte funktionieren. Testen wir es aus."
Mit seiner Fähigkeit verlangsamt er für sich die Zeit und nun bewegt sich Bun perfekt. Für ihn fühlt sich alles extrem langsam an, aber seine Schritte sind präzise und genau. Phil ist für Bun zwar kein idealer Partner für diese langsame Zeit, da er nicht für Stunden in sein Gesicht starren möchte, aber bei Eli würde es sich lohnen.
Nach einer Weile machen die beiden eine Pause. „Es ist echt komisch, wenn die Musik so langsam ist," sagt Bun und schaut auf sein Handy, als eine Nachricht von Eli eingeht. „Du, Eli hat geschrieben. Ich muss los."
Phil sieht ihn an, seine Enttäuschung deutlich sichtbar. „Okay, aber wir sehen uns doch morgen, oder?"
Bun zögert, während er zur Tür geht. „Ich weiß nicht, es kann sein, dass Eli etwas machen möchte, sorry!", ruft er über die Schulter, als er Phils Wohnung verlässt.
Phil bleibt zurück, und Wut mischt sich mit Traurigkeit. Bun hat ihn wieder einmal zugunsten von Eli vernachlässigt, und der Schmerz, den das verursacht, wächst in seinem Inneren.
Er sprintet zum Treffpunkt und sieht Eli bereits in der Ferne. Ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus, und er verlangsamt die Zeit für sich selbst, um den Moment voll auszukosten, sie anzusehen. Ihre langen, dunklen Haare tanzen im Wind, und das Sonnenlicht lässt ihre Augen funkeln. Als sie vor ihm ankommt, strahlt sie ihn an. "Na du, wie geht es dir?"
Bun kämpft gegen die Aufregung an, die in ihm brodelt. "Mir geht es gut, und wie geht es dir?" schafft er es noch zu sagen, bevor seine Stimme erneut versagt. Eli kichert leise, und Bun fühlt, wie sein Herz einen Schlag aussetzt. Gemeinsam laufen sie die Straße hinunter, ihre Gespräche fließen ununterbrochen, voller Lachen und Geschichten.
Sie betreten den wunderschönen Park, der mit goldenen Bänken, rosa Bäumen und einer grünen Wiese wie aus einem Märchen erscheint. Die Blätter der Bäume tanzen in der Luft, und ein leichter Wind streichelt ihre Gesichter. Eli hält Bun plötzlich an. "Ich hab da mal eine Frage," sagt sie mit einem ernsten Blick. Bun schluckt nervös, unsicher, was nun kommt.
"Wie lange wolltest du schon etwas von mir?" Ihre Frage trifft ihn unerwartet, und seine Augen suchen überall nach einem sicheren Platz – auf dem Boden, bei den Bäumen, nur nicht in ihren Augen. "Seit ein paar Wochen oder so," antwortet er schüchtern, seine Stimme kaum hörbar.
Eli hebt eine Augenbraue und lächelt schelmisch. "Seit Wochen? Ich glaube, du meinst wohl eher seit Jahren." Ihre Worte lassen Buns Herz schneller schlagen. "Du wusstest es? Wie lange denn schon?"
"Ach komm, das war doch total offensichtlich," sagt sie lachend. "Du hast mich ständig angestarrt und immer auf den Boden geguckt, wenn ich dich angeschaut habe. Soll ich dir noch mehr Beispiele nennen?"
Bun lacht verlegen und schüttelt den Kopf. "Ich glaube, das brauchst du nicht." Er führt sie weiter durch den Park, ihre Schritte synchronisiert wie in einem Tanz.
"Warum hast du denn dann nie etwas gesagt?", fragt Bun nach einer Weile.
Eli bleibt stehen und dreht sich zu ihm um. "Nun, ich dachte mir, dass der Tanz vielleicht schön mit dir sein könnte. Du weißt schon, weil du mich eben magst und definitiv nicht sitzen lassen wirst."
Buns Gedanken überschlagen sich. Hatte sie nur ja gesagt, weil sie sonst alleine gewesen wäre? Der Zweifel nagt an ihm. Doch als er in ihre Augen schaut, sieht er etwas, das seine Unsicherheit mildert – eine Wärme, ein Funken echter Zuneigung.
"Ich hätte nie gedacht, dass du das so siehst," sagt er schließlich, seine Stimme leise aber fest. "Für mich ist es mehr als das. Du bedeutest mir wirklich viel, Eli."
Sie lächelt sanft und nimmt seine Hand. "Dann lass uns diesen Moment genießen. Wer weiß, was der Abend noch bringt."
Gemeinsam setzen sie ihren Spaziergang fort, und Bun fühlt, wie sich ein kleiner Hoffnungsschimmer in seinem Herzen ausbreitet. Die Zukunft mag ungewiss sein, aber dieser Augenblick mit Eli ist perfekt.
Nächstes Kapitel am: 10.06.2024
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Buch 2: Bun Origins
AcciónBun führt ein scheinbar normales Leben auf dem Planeten 27FA im beeindruckenden Alpha Centauri Sonnensystem. Doch als er plötzlich unglaubliche Kräfte entwickelt, ändert sich alles. Inmitten der futuristischen Stadt mit grünen Dächern und fliegenden...
