sloane»Umarmung!« Wie ein kleiner Wirbelwind schlang Sophia ihre Arme um mich und grinste so breit, dass ich es auch tun musste.
»Das ist jetzt aber keine Ausrede dafür, dass du dir deine Zähne nicht putzt.«, murmelte ich, aber sie streckte mir bloß ihre Zunge raus.
»Sophiaaa«, nölte Ana, die jetzt mit Alegria an der Hand unser beengendes Badezimmer betrat.
Die kleinste meiner Schwestern streckte ihre Arme nach mir aus und ich umarmte sie.»Ich mache kurz Frühstück. Sophia, Ana, in zwanzig Minuten kommt euer Bus. Denkt dran. Ich bringe Alegria heute später als sonst weg, deswegen müsst ihr alleine losgehen.« Schon betrat ich die Küche und holte eine Pfanne raus. Sonnenlicht fiel durch das kleine Fenster rein und das Radio dudelte im Hintergrund.
Alegria plapperte neben mir ununterbrochen irgendwas, während ich ihnen schnell Rührei machte und ein paar frische Früchte klein schnitt. Ich verteilte alles auf drei Tellern und stellte sie auf dem Tisch bereit.
Nur kurz atmete ich durch und packte anschließend meine eigene Schultasche. Danach wechselte ich meinen Schlafanzug gegen die offizielle Schuluniform, die aus einem hellblauen Polo- Shirt und passendem Rock bestand. Ich steckte mir meine Kreolen ins Ohr, trug Wimperntusche auf und band mir die Haare zu einem Dutt.
In Sekundenschnelle flogen meine Augen danach über ein Lernblatt für meine Chemie Klausur heute, bevor Ana und Sophia in die Küche kamen und es unfassbar laut wurde, weil alle wie immer durcheinander redeten.
Manchmal wünschte ich mir, ich hätte mehr Zeit.
Mehr Zeit für meine Familie- für meine Mom und meine Schwestern, anstatt entweder wie eine Irre zu arbeiten, oder über meinem Schreibtisch zu hängen, damit ich dieser Schule gerecht werden konnte.
An manchen Tagen wurde mir alles zu viel, und durch solche kleinen, unbedeutenden Momente, wie morgens am Esstisch, konnte ich trotzdem neue Energie schöpfen.
Meine Schwestern erinnerten mich einfach daran, für was es sich lohnte, so hart zu arbeiten und nicht aufzugeben. Lächelnd räumte ich mit Ana ab, danach machten sie und Sophia sich auf zum Bus.
Ich packte Alegrias kleinen Rucksack fertig, griff nach meinem eigenen und schloss bloß zehn Minuten später die Haustür hinter uns.
Mit meiner kleinen Schwester an der Hand kämpfte ich mich durch die belebten Straßen von Manhattan. Sie hier zu verlieren, wäre ein absoluter Albtraum. Also ließ ich ihre Hand nicht los, selbst wenn sie quengelte.
Nächstes Jahr würde Alegria in die Schule kommen. Das würde vieles leichter machen, weil sie mit den anderen Bus fahren konnte. Somit sparte ich morgens viel Zeit und würde es vielleicht öfters schaffen, pünktlich meine U- Bahn zu kriegen.
Denn Springfield lag weit außerhalb. Ich fuhr knapp zwanzig Minuten. In dieser Zeit lernte ich für Tests oder frühstückte.
Nachdem ich Alegria in dem Kindergarten abgegeben hatte, beschleunigte ich meine eigenen Schritte. Fuck, dachte ich. Denn eins stand fest: Die Bahn würde ich verpassen.
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Völlig fertig zog ich an diesem Abend meine Schicht bei Bella durch. Ich arbeitete fehlerlos, war in meinem Kopf aber ganz woanders. Es kam so weit, dass ein Gast mich fragte, ob ich denn nicht lächeln könne. Ab da kleisterte ich mir einfach ein unnatürlich fröhliches Lächeln auf die Lippen und überspielte, wie es mir ging.
Die schlechte Note, die ich heute in meinem Writing Course erhalten hatte, verursachte mir Bauchschmerzen. Ich liebte das Schreiben und ich liebte diesen Kurs. Aber ich hatte mich nicht genug vorbereitet. Ich arbeitete einfach zu viel.
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Until you are mine
RomanceSloane tut alles dafür, um an der Springfield Academy nicht aufzufallen. Sie fühlt sich gerade erst in New York angekommen, und so wäre Drama an der Privatschule das allerletzte, was sie sich leisten kann. Denn zu tief sitzen die Schmerzen ihrer Ver...