"Dieser Vollidiot!", hörte man Erwin fluchen und machte sich gerade auf den Weg zu seinem Pferd, als Hanji ihm am Arm packte und versuchte ihn aufzuhalten.
"Nicht, Erwin. Das bringt doch nichts."
"Doch! Ich werde ihm mal so richtig eine Ansage machen, dass auch er es versteht!"
"Erwin, nein! Soll das wieder handgreiflich enden?"
"Vielleicht versteht er es dann endlich", sagte Erwin und riss sich los, doch Hanji versuchte es weiter.
"Erwiiiin! Jetzt bleib doch stehen! Du tust ihm damit wirklich keinen Gefallen. Willst du, dass er das alles hier abbricht? Dann können wir unseren Film ganz vergessen."
Erwin antwortete nun genauso energisch, aber leiser, so als dürfte keiner mitbekommen, was er nun sagte.
"Hanji, er muss endlich begreifen, dass er nicht zum Spaß hier ist! Sein Vater setzt mir die Pistole auf die Brust. Er muss das Beste aus sich rausholen. Du weißt, was er erwartet."
"Ja, wie könnte ich das vergessen..."
"Äh, Entschuldigung....", traute ich mich dann was zu sagen. Langsam ging ich auf die beiden zu, die mich geschockten Blickes betrachteten. So als hätte das, was sie gesagt hatten, wirklich nicht in die Ohren der anderen gedurft. Leider hatte ich alles gehört, doch tat so, als wüsste ich von nichts.
"Streitet ihr euch darüber, wer Levi zurückholen soll?"
"Ist schon okay, Y/N. Ich mache das schon", sagte Erwin, doch Hanji hielt ihn auf.
"Nein, Erwin. Y/N hat recht. Lass sie gehen und Levi zurückholen. Ich denke, dass ist für uns alle das Beste."
Erwins ernster Blick switchte zwischen uns hin und her, bis er dann letztendlich einknickte.
"Also schön. Versuch dein Glück."
Irgendwie war es abenteuerlich, sich mit einem fremden Pferd in die Wildnis zu stürzen, die lächerlicher Weise aus weiten Feldern bestand. Hatte ich denn eine Ahnung, wo Levi hingeritten sein könnte? Der könnte ja nun wirklich überall sein! Doch meine Intuition lenkte mich in den Baumriesenwald. Ein fataler Fehler. Hier sah es aus wie in einem Labyrinth und vermutlich würde ich nie wieder lebend hier rauskommen. Gott sei Dank war Marshmallow, mein Pferd, ein ziemlich gütiges und brachte mich sicher überall hin und, ich hoffte, wieder zurück.
"Wo ist denn dieser Trottel?", fragte ich mich laut und Marshmallow schnaubte, so als hätte er mich verstanden. Im Schritt liefen wir nun zwischen diesen riesigen Bäumen durch und mein Blick scannte wirklich jede Ecke ab. Bis ich dann einen schwarzen Pferdeschweif sah.
"Na endlich", seufzte ich und trabte in die Richtung. "Levi!", rief ich und kam dann bald darauf vor diesem gigantischen Baum, auf dem er sich oben auf dem Ast gesetzt hatte, zum Stehen. "Da bist du ja! Warum haust du denn einfach ab? Meine Güte, wir haben uns alle Sorgen gemacht! Es ist gefährlich hier draußen alleine! Und ja, du bist groß und stark und erwachsen und schaffst es, dich in dieser Welt ganz alleine zurechtzufinden, aber-"
"Schrei hier nicht so rum", kam es nur kühl vom Ast herab, auf dem locker zwei Menschen nebeneinander sitzen konnten. Nebeneinander!
"Also schön", seufzte ich. "Ich bin hier, um dich abzuholen."
"Wie überaus erfreulich", antwortete er nur spottend. "Das ist genau das, was ich gewollt habe."
"Wirklich?", fragte ich viel zu schnell, ehe ich begriff, dass es pure Ironie war. "Levi, bitte. Du musst zurückkommen. Du weißt doch, der Zeitplan!"
"Tch, der Zeitplan ist mir gerade scheißegal."
Ich schaute verwundert zu ihm rauf. Er saß dort angelehnt am Baumstamm, seine Knie angezogen, seine Unterarme darauf abgestützt, während er ein Taschenmesser in der Luft jonglierte und wieder auffing. Sofort gingen bei mir die Alarmglocken an.
"Ach du Scheiße! Pack sofort das Messer weg! Hast du sie noch alle? Ich komme jetzt hoch, um dich zu retten!" Meinte ich das eigentlich gerade ernst? Wen wollte ich hier retten? Das war nicht meine verfluchte Aufgabe.
Also stieg ich ab und schaute hoch. Wie um alles in der Welt war er da hochgekommen? Und wie sollte ich da hochkommen? Bis mir einleuchtete, dass wir ja die 3D Manöver Apparate trugen, vergingen bestimmt zwei Minuten. "Okay, du bist schlau. Du hast es offensichtlich geschafft, mithilfe der Apparate auf diesem Baum zu kommen. Ohne helfende Seile aus dem Himmel...", nuschelte ich eher zu mir selbst und fragte mich, ob ich das wohl auch schaffen würde.
Ich haperte eine ganze Weile und nahm dann schließlich die Griffe der Klingen in die Hand, nur um mich dann erneut zu fragen, ob ich es wirklich schaffen konnte, mich damit nach oben zu ziehen. Warum auch immer fing ich an nervös zu werden, feuerte dann ab einen Schuss in Richtung Ast ab, woraufhin der Haken losschoss und sich glücklicher Weise um den Ast wickelte. Fein. Nun musste ich mich nur noch hochziehen und...
"Aaaaah!", kreischte ich, denn ich hatte mich aus Versehen zu schnell nach oben gezogen, weswegen ich gegen den Ast knallte und diesen nun wie ein Äffchen umklammerte. Angestrengt strampelte ich nun mit meinen Beinen, in der Hoffnung, dass mich diese wie im Wasser nach oben befördern würden, doch leider hing ich eher wie ein Idiot hier rum und wurde neugierig von Levi dabei beobachtet. Arschloch! Anstatt mir zu helfen!
Doch die Blöße wollte ich mir nicht geben, nahm mit meinem linken Bein Schwung und katapultierte mich auf den Ast. Nun lag ich wie ein Faultier drauf, völlig fertig, aber ich war oben!
"Ach du Scheiße, wie konntest du nur...hier hoch...", japste ich. Doch Levi musterte mich immer noch unbeeindruckt und spielte mit seinem Messer. "Levi! Selbstmord ist keine Lösung!"
Nun zog er eine Augenbraue nach oben. "Wer redet hier von Selbstmord?"
"Ich", sagte ich. "Du bist wutentbrannt abgehauen und sitzt hier spielend mit einem Messer! Warum führt man sowas überhaupt mit sich?"
"Du solltest dich jetzt wirklich wieder beruhigen", antwortete er und im Gegensatz zu mir war er sehr entspannt. Ich krabbelte dann langsam zu ihm und lehnte mich dann, so wie er, neben ihm an den Baumstamm. Zwischen uns war nicht wirklich viel Platz, sodass sich unsere Schultern berührten. Dort verweilte ich dann schwer atmend.
"Du bist wirklich lebensmüde, dich auf so einen großen Baum zu flüchten", sagte ich dann. "Dich hier runter zu holen ist gar nicht leicht."
"War auch nicht von mir gewollt", sagte er nur. "Weswegen ich mich bewusst, allein, dazu entschieden habe, mich hierher zu flüchten." Okay, das war einleuchtend. "Jedoch...", erzählte er dann weiter und stoppte kurz mit seinem Messer zu spielen, "...war deine Aktion mehr als nur spannend. Hat nur noch Popcorn gefehlt."
"...du machst dich über mich lustig?"
Ein minimales Grinsen zog sich nun auf seinen Lippen und es raubte mir einige Sinne. Nicht nur, dass es ihm richtig gut stand, sondern vor allem, weil es wegen mir war. Wegen mir !
"Na, immerhin konnte ich deine Laune erheitern", sagte ich dann und lehnte meinen Kopf gegen den Baum. Kurz darauf wurde es so still um uns. Lediglich hörte man die Vögel switchern und ich verstand nun, warum er hier her geflüchtet war.
"Darf ich dich was fragen?" Seine Antwort kam nicht sofort. Also eigentlich gar nicht. Er schwieg, aber es war kein Nein. "Was war los? Warum hast du die Szene abgebrochen?"
Immer noch schwieg er und ich konnte nur zu ihm rüberschielen. Sein Blick schweifte in die Natur und er fing erneut an mit seinem Messer zu spielen. "Ich kann verstehen, dass dich das alles nervt, aber...ich will nicht eingebildet klingen, jedoch könnte es dich auch schlechter treffen."
"Es liegt nicht an dir", antwortete Levi dann. "...zumindest nicht ganz."
Oh. Da wurde ich aber hellhörig. "An was denn dann?
Nun schwieg er wieder, schien nicht wirklich darüber reden zu wollen. "Ist es...wegen Petra?"
Schweigen. Und das war meine Antwort. Immer wenn es um Petra ging, wurde er total komisch. Und auch, wenn mich das alles brennend interessierte, so akzeptierte ich seine Entscheidung, nicht darüber reden zu wollen. Während ich mich bereit machte, wieder nach unten zu kommen, sagte ich: "Alles klar, ich lass dich dann wohl besser wieder alleine."
"Warte", sagte er dann, während ich gerade wie ein Hund auf dem Ast kniete und mich nicht mal so eben zu ihm umdrehen konnte. Langsam verlagerte ich mein Gewicht auf meine Knie und drehte mich dann mit meinem Oberkörper zu ihm um. Er schaute mich nicht an, sondern immer noch in die Ferne. "Du hast es verdient, die Wahrheit zu wissen", sagte er dann. "Ich mag wie ein empathieloser Arsch wirken, aber aus gutem Grund."
"...du willst keine Gefühle zulassen", antwortete ich dann sanft für ihn. Und ich fand diesen Moment gerade wunderschön. Man konnte mich für verrückt halten.
"Zwischen Petra und mir ist es kompliziert", erzählte er dann weiter und man merkte richtig, wie sein Kopf arbeitete. Sich die passenden Informationen raussuchte. Die Momente Revue passieren ließ.
"Und...das heißt? Ihr seid noch zusammen?" Warum wollte ich so sehr, dass er Nein antwortete?
"Ich habe keine Ahnung, was das zwischen uns ist." In seiner Antwort lag ein wenig Verbitterung. Was genau war vorgefallen?
"Dann ist es wirklich kompliziert", sagte ich nur.
"Wir haben schonmal in einem Film zusammengespielt. Alles war perfekt. Der jetzige Film sollte genauso werden, aber..." Er ging kurz in sich und der Griff um sein Messer schien sich zu verhärten.
"Aber, was?"
"Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier etwas nicht stimmt. Und da haben nicht nur Hanji und Erwin eine Hauptrolle."
"...was meinst du damit?"
"Ich denke, sie wollen nicht, dass Petra und ich die Hauptbesetzungen haben."
"Aber warum sollten sie das nicht wollen? Wenn ihr doch so gut harmoniert habt, dann macht das doch gar keinen Sinn."
"Weil sie nicht die Entscheidung getroffen haben, sondern mein..." Er stoppte abrupt, so als hätte er die Erleuchtung. Ich schaute ihn so erwartungsvoll an, doch er schien plötzlich nervös zu werden. "Vergiss, was ich gesagt habe", meinte er dann und hievte sich hoch in die Hocke.
"Nein, sag mir bitte, was los ist. Ich will es auch verstehen."
"Das ist eine private Angelegenheit. Ich muss einiges klären."
"...öhm..."
Plötzlich schoss er seinen Haken in die Luft, der sich daraufhin irgendwo in der Baumkrone verfing, nur um sich dann geschmeidig vom Ast zu hangeln. Unten angekommen zog er den Haken wieder an sich und ging zu seinem Pferd. "Warte!", bat ich ihn und hektisch wie ich war, wollte auch ich elegant den Baum runter, doch leider hatte ich vergessen, dass der Haken immer noch um den Ast gebunden war ( vielleicht auch mein Glück) und den Segler nach unten machte. Kurz bevor ich am Boden aufschlug, fing Levi mich aber auf.
"Meine Fresse, du bist wirklich ein Tollpatsch", motzte er und stellte mich sicher auf die Beine.
"Levi, was hast du jetzt vor?"
Er nahm die Zügel seines Pferdes in die Hand und verharrte kurz. "Ich werde den Scheiß abbrechen."
"...was? Aber...warum?"
Er stieg nun auf. "Weil dieses ganze Ding hier einen faden Beigeschmack hat. Und ich muss klären, ob ich mit meiner Vermutung recht habe."
Nein. Das durfte nicht passieren. Wenn Levi abbrach, konnten sie den Film vergessen. Dann könnte ich meine Rolle auch vergessen. Und ich hatte mich so gut hier eingelebt. Das wollte ich nicht. Und außerdem wollte ich nicht, dass alles zwischen uns endete, auch wenn es gespielt war. Es war ein egoistischer Gedanke.
"Levi, bitte! Ich weiß, ich kann Petra wirklich nicht ersetzen, aber du musst zugeben, dass wir das echt gut hinbekommen haben. Bitte brich nicht ab. Ich kann mich bessern!"
"Y/N", sagte er nun rau und doch so sanft. Seine Blicke trafen nun meine. "Glaub mir, ich habe kein Problem damit, mit dir zu spielen. Mit dir zu interagieren, dich zu küssen", ich schluckte bei seinen Worten, "aber hier geht etwas nicht mit rechten Dingen vor sich. Und das sind Sachen, die mich persönlich betreffen. Wenn ich sie geklärt habe, können wir unser Schauspiel gerne fortsetzen."
Daraufhin wusste ich nichts mehr zu sagen und nickte einstimmend. Dann hielt er mit seinem Pferd neben mir und schaute auf mich herab. "Ich mag noch Gefühle für Petra hegen, aber...ich kann leider nicht ausschließen, dass diese Gefühle auch dich betreffen."
Und mit diesen Worten galoppierte er davon und ließ mich verwirrt zurück.
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Attack on Titan - Wie im Film ( Levi X Reader)
FanfictionIm einen Moment stehst du noch im Laden, um ein paar Besorgungen zu machen, im anderen Moment bist du plötzlich Schauspielerin! Wo gibt es denn sowas? Und was hat Hanji damit zu tun, die dich mit dem Argument "Ich habe auch eine ganz hinreißende Übe...
