"Kinnas! Aufsteeeeheeeeen! Heute drehen wir die Szene mit dem 3D Manöver. Hach, das wird aufregend!"
Am frühen Morgen quietschte Hanji uns mit einem Megafon wach. Da die Gänge breit und sehr hellhörig waren, war die Lautstärke unerträglich und ich lag nicht mehr im Bett, sondern stand. Hundemüde rieb ich mir die Augen und machte mich im Bad erst mal menschentauglich. Danach versammelten wir uns in der Kantine.
Ich war begeistert wie das Moderne mit der „alten" Zeit vermischt wurde. Die Bänke und Tische waren aus sehr edlem Holz geschnitzt. Becher und Geschirr wirkten sehr antique. Es gab verschiedene Speisen zum Frühstück, jedoch nichts aus „unserer Welt". Kein Müsli, keine Waffeln, keine Sandwiches. Es gab Brot, Wasser, Tee. Zu dem Brot vielleicht Ei, Fleisch, Käse und Obst, aber viel Auswahl war das nicht. Zumindest nicht, wenn man es mit unserer jetzigen Zeit verglich. Jedoch musste man sich auch hier am Film anpassen, falls hier Szenen gedreht wurden.
Gerade aber saß ich mit einem Stück Brot und einer Tasse Schwarztee am Tisch und schaute mir die ganzen Leute an, die nach und nach eingetrudelt kamen. Wir alle trugen die gleiche Kleidung. Und es fühlte sich wirklich so an, als würden wir in dieser Zeit leben, die der Film vorhersagte. Eine Mischung aus Mittelalter und Neuzeit? Ich wusste es immer noch nicht.
Mein Blick schweifte immer weiter umher, bis ich dann eine Vibration am Tisch spürte. Ich fuhr zusammen, als ich dann bemerkte, wer sich vor mich gesetzt hatte. Ein mürrischer Zwerg hatte sein Tablett vor mir auf den Tisch geknallt und setzte sich dann mir gegenüber.
"Mein Gott, hast du mich erschreckt", sagte ich, die Hand aufs Herz gelegt. Doch Levi schien das nicht zu interessieren.
"Dann bist du jetzt hoffentlich wieder im Diesseits angekommen", sagte er kühl und ich fragte mich gerade, was er meinte. Bis mir dann klar wurde, was er meinte.
"Ich habe mir nur die Leute angesehen. Ich finde es beeindruckend, wie viele Menschen an so einem Set arbeiten. Wie wir alle gekleidet sind, als würden wir wirklich so leben."
Ich wusste nicht warum ich versuchte ein Gespräch mit diesem schlecht gelaunten Typen zu führen -und was hatte ich mir erhofft? Er ignorierte mich.
Ich musterte ihn kurz, ehe ich mich verlegen meinem Brot widmete. Mir fiel auf, dass er immer perfekt aussah. Sein Haar, was perfekt gescheitelt lag. Und welche Pflegeprodukte nutze er, dass sein Haar so schön glänzte? Seine Lippen waren recht voll und ich ermahnte mich, ihm weiterhin darauf zu starren. Seine Augen faszinierten mich noch immer. Und schon wieder fragte ich mich: waren sie grau-blau oder blau-grau? Heute schienen sie mehr grau als-
"Hab ich was im Gesicht oder warum glotzt du mich so penetrant an?!", kam dann unerwartet die Frage, die mich rot anlaufen ließ. Scheiße! Hatte ich ihn doch noch angestarrt?
"Äh....nein", antwortete ich dann schleppend, obwohl ich schon gerne gesagt hätte, dass er ruhig mal netter gucken könnte, damit sein Gesicht noch besser aussah. "Ich habe mich nur gefragt welches Shampoo du benutzt, weil deine Haare so glänzen."
Nun zogen sich Levi's Augenbrauen zusammen und sein Ausdruck schrie nach „what the fuck". Bis mir klar wurde, was ich da eigentlich gesagt hatte, war es auch schon bereits zu spät.
"Dein Scheiß ernst!?", kam es genauso abgefuckt rüber wie er schaute. In dem Moment kam aber zum Glück Hanji zu uns.
"Hallöööchen Neuzuwachs. Na? Wie hast du geschlafen?", fragte sie fröhlich und ich fragte mich ernsthaft, ob sie sich jeden Tag etwas einschmiss.
"Ganz okay. Es war sehr ungewohnt in einer fremden Umgebung, in einem fremden Bett zu schlafen, aber auch daran werde ich mich gewöhnen."
"Das ist die richtige Einstellung!", lobte sie mich. "Wie ich sehe hast du dich schon ein wenig mit Levi angefreundet." Spann ich oder hatte sie einen neckenden Unterton angelegt ? Jedenfalls zischte Levi nur genervt. "Einen Scheiß hat sie", antwortete er total professionell. Dieser Idiot!
"Warum hast du dich dann zu mir gesetzt, wenn ich dich offensichtlich nerve?", ging ich dann auf Angriff. Levi hielt meinem Blick stand, ohne zu blinzeln. Sein Blick wirkte monoton.
"Weil du offensichtlich am Tisch der Leute sitzt, die hier was zu melden haben."
Es brauchte eine Weile, bis es bei mir Klick machte. "Ich sitze falsch ?"
"Ja."
"Aber wo steht das? Woher soll man das wissen?"
Levi streckte nun seinen Finger aus und zeigte auf etwas hinter mir. Ich drehte mich um und erkannte mein nächstes Fettnäpfchen. Tatsächlich hing hinter mir ein Schild, was für die Producer und Regisseure galt. Oh weia.
"Aber aber, Kindchen. Du darfst sitzen wo du-", fing Hanji gerade an, da fiel ich ihr aus Versehen ins Wort.
"Dann musst du wohl auch aufstehen, oder?", fragte ich ihn dann und wünschte mir in dem Moment meine Klappe gehalten zu haben. Denn Levi's Blick verfinsterte sich. "...weil du ja auch nur ein normaler Schauspieler bist?", hing ich nett dran, um mich zu retten, doch das war noch viel übler. Levi schien nun die Zähne zu fletschen.
Dann stand er ruckartig auf und knallte seine Hände auf den Tisch, was nicht nur mich zusammenfahren ließ. "Du betitelst mich als einen normalen Schauspieler?"
Plötzlich wurde es unangenehm still in unserer Runde.
"So war das nicht ge-"
"Pass mal auf, Püppchen. Du gehst mir gewaltig auf den Piss! Hast du eigentlich eine Ahnung, mit wem du es zu tun hast? Offensichtlich nicht, denn sonst würdest du mir vermutlich mehr Respekt entgegenbringen. Es sei denn, deine Eltern haben es dich nicht gelehrt. Aber sei es drum. Sprich mich einfach nie wieder an!"
"Tja, das wird schwierig, mein Lieber", mischte sich Hanji dann ein. "Immerhin müsst ihr zusammen gewisse", sie hustete, "Szenen drehen."
"Ich werde keine Szenen mit ihm drehen!", feixte ich, während Levi ich werde keine Szenen mit IHR drehen sagte. Hanji atmete nur schwer aus.
"Gibt es hier ein Problem?", drang dann eine dunkle Stimme zu uns. Ich neigte meinen Kopf in die Richtung und erblickte einen großen Mann mit blonden Haaren, die er nach hinten über seinen Undercut gegelt hatte. Er hatte stechend blaue Augen und...mit Verlaub...ziemlich dicke Augenbrauen. Dieses Gesicht hatte ich bisher noch nicht gesehen. Wäre mir vermutlich auch im Kopf geblieben, bei diesen buschigen Brauen. Hatte ihm noch keiner gesagt, dass man sowas zupfen konnte?
"Najoaaaaa, neinneinnein, alles in Butter, Erwin. Ich habe alles unter Kontrolle, hehe. Der kleine Griesgram zickt nur wieder ein bisschen rum."
Erwin also. Der war mir definitiv noch kein Begriff gewesen. Und warum trugen die eigentlich alle hier so seltsame Namen?
"Nein, Erwin. Es ist alles in bester Ordnung", sagte Levi Wort für Wort und ließ mich dabei nicht aus den Augen.
Erwin betrachtete nun uns beide. "Gibt es gewisse Differenzen zwischen euch?"
Aber sowas von!
"Levi wollte nur nicht weiter mit Y/N drehen. Aber er kriegt sich schon wieder ein, hihi", kicherte Hanji, die auch in so einer Situation immer noch gut gelaunt blieb.
"Levi, muss ich dich noch mal drauf hinweisen, was passiert, wenn du dich weigerst?", wies Erwin ihn noch mal auf etwas hin. Levi schien natürlich direkt zu verstehen, was gemeint war. Er grummelte nur, sagte "Nein. Natürlich nicht" und verschwand dann. Ich schaute ihm verwundert nach, ehe sich Erwin an mich wandte.
"Tut mir leid, wir kennen uns noch nicht. Mein Name ist Erwin Smith. Ich bin der Regisseur." Erwin hielt mir seine große Hand hin und ein Schwall seines Parfum drang mir in die Nase. Er roch gut. Männlich und frisch. Er war mir sympathisch, auch wenn er ziemlich dominant wirkte.
"Sehr erfreut", erwiderte ich und stellte mich ebenfalls vor.
"Ich entschuldige mich für sein unangebrachtes Verhalten", fuhr er dann fort. "Er kann manchmal ein bisschen...forsch sein."
"Ach, das macht doch nichts", winkte ich es lächelnd ab. Dabei interessierte es mich schon, warum dieser schwarzhaarige Pimpf mich behandelte, als wäre ich eine Kakerlrake. Das würde ich wohl noch in Erfahrung bringen. Ich musste. Denn so konnte ich unmöglich weiter meine Rolle spielen.
"Doch, es macht sehr wohl was. Du bist neu hier und hast keine Ahnung warum du so behandelt wirst. Du musst wissen, Levis Vater ist ein ziemlich reicher Kerl. Er legt viel Wert auf einen guten Job. Geld regiert die Welt, bla bla", erklärte Erwin mir die Geschichte. "Natürlich ist das wichtig, aber er setzt Levi verdammt unter Druck. Levi muss in diesem Film zeigen, dass er ein hervorragender Schauspieler ist. Und das ist er, keine Frage. Er hat schon fünf Mal den Grammy für den besten Schauspieler gewonnen. Wirkte in zahlreichen Serien und Filmen mit." Krass, dachte ich. Er war also doch ein ziemlich guter Schauspieler. Wieso hatte ich nie etwas von ihm mitbekommen? "Sollte das hier floppen, wird ihm vermutlich nichts Schönes blühen."
Aaaah, ich verstand. Deswegen war er also so drauf. Deswegen die ganzen Sprüche, von wegen Zeitverschwendung. Es stand was auf dem Spiel für ihn.
"Aber warum lässt er sich denn so unter Druck setzen? Damit erreicht man doch nichts", hinterfragte ich.
"Da hast du recht" sagte Hanji. "Man erreicht nichts, außer aus einem einen mürrischen Menschen zu machen. Leider aber gibt es da so eine Sache, die für Levi auf dem Spiel steht. Ich will nicht sagen, was es ist. Zu privat, wenn du verstehst. Vielleicht erzählt er es dir ja irgendwann mal." Ich lachte bei Hanjis letztem Satz. Levi würde mir wohl nie etwas so Privates aus seinem Leben erzählen. Er mochte mich nicht. So viel stand fest.
"Wie dem auch sei", sagte Erwin. "Wir sollten langsam mit dem Dreh anfangen."
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Attack on Titan - Wie im Film ( Levi X Reader)
FanficIm einen Moment stehst du noch im Laden, um ein paar Besorgungen zu machen, im anderen Moment bist du plötzlich Schauspielerin! Wo gibt es denn sowas? Und was hat Hanji damit zu tun, die dich mit dem Argument "Ich habe auch eine ganz hinreißende Übe...
