Kapitel 19: Das ging nach hinten los

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"Das freut mich sehr, dass es dir Spaß macht", freute sich mein Vater gerade, während wir per Videoanruf kommunizierten. "Und genau das ist doch das Wichtige. Man soll machen, worauf man Lust hat. Nicht alles muss immer mit viel Geld zusammenhängen. Ich meine, schau doch, wo du bist? Irgendwo am Arsch der Welt, in einer schönen Gegend. Hast viele tolle Leute um dich rum", das ließen wir mal so stehen, "bekommst tolles Essen und machst anscheinend noch einen super Job! Dabei hast du das nie gelernt. Und das Tolle, wenn du dabei bleibst, verdienst du auch noch gutes Geld. Manchmal muss man einfach ausprobieren, um zu erfahren, was einem liegt."
Ich liebte meinen Vater dafür, dass er den Sachen immer positiv ins Auge sah. Und er motivierte mich weiter zu machen, weil es mittlerweile Tage gab, wo ich überlegte aufzuhören. Diese Sticheleien von Levi gingen mir näher als ich gedacht hatte. Aber ich versuchte stark zu bleiben. Mit einen der besten Schauspieler spielen zu dürfen, war eine total einzigartige Sache. Ich konnte mich richtig glücklich schätzen, und doch zweifelte ich stark an mir.
"Danke", war alles, was ich zu sagen hatte. "Ich habe wirklich darüber nachgedacht aufzuhören."
"Auf keinen Fall", protestierte mein Vater. "Zieh das durch. Das ist doch deine Chance!"
Wie recht er hatte.
"Und außerdem...spielst du eng an eng mit diesem heißen Typen zusammen. Wenn das nicht Motivation genug ist", sagte er neckend und ich musste darüber lachen. Das war zwar nicht der Hauptgrund, warum ich weitermachen wollte, aber ein kleiner Teil von mir erfreute sich an diesen Gedanken.

Die heutige Szene versprach vor allem für Levi viel Aufmerksamkeit. Denn er sollte gegen Zeke, einem Tiertitanen antreten. Und ihn regelrecht...zerstückeln. Generell waren die Momente sehr betroffen. Erwin würde mit dem gesamten Aufklärungstrupp an die Front reiten und sein Leben riskieren. Unter anderem...war da auch ich. Ich, die mit Levi zusammen eine...ziemlich enge Szene bekam. Und ab dem Zeitpunkt war es mir mehr als bewusst. Hanji wollte wirklich Romantik einbauen. Nur fragte ich mich, warum gerade ich die Person war, die sie auserkor. Hatte sie nicht eigentlich vorgehabt, Petra mit ihm zusammen zu bringen? Weil sie auch im Privaten zusammen gewesen waren und deswegen die Szene perfekt umsetzen könnten? Mir war jedenfalls nicht wohl dabei.
"...und dann hackt er ihm regelrecht die Eier ab, so siehts aus", erzählte Hanji gerade euphorisch. "Ich sag euch, die Szene wird anders gut."
"Die wird furchtbar", sagte Eren gerade. "Menschen, die ums Leben kommen, weil der Tiertitan mit einer Hochgeschwindigkeit mit Steinen wirft...wer kommt denn auf sowas?"
"Nun, mein lieber Eren", sagte Hanji und legte einen Arm um ihn. "Die Wege des Herrn sind unergründlich."
Wir alle schauten Hanji fragend an, waren aber nicht in der Lage zu verstehen, was sie uns damit sagen wollte. "So! Genug gequatscht! Alle auf ihre Position!"

Szene

Wir alle standen fein aufgereiht mit unseren Pferden hinter der Mauer, nachdem uns klar war, dass uns gerade ein gewaltiger Riesenaffe mit seinen Titanenhomies angriff. Erwin war an der Front, nachdem er uns eine krasse Rede gehalten hatte, dass es nun an der Zeit sein würde, sein Herz für die Menschheit zu opfern. Ich musste sagen, dass auch Erwin ein echt begnadet guter Schauspieler war. Er verkörperte seine Rolle so gut, dass man wirklich glauben konnte, all das hier würde in Wirklichkeit geschehen. Und das erging mir nicht zum ersten Mal so. 
Die Szene war folgende: Auf Erwins Kommando hin würden wir alle rausrennen, während wir uns vorstellen mussten, von gewaltigen Steingeschossen weggeklatscht zu werden. Eine Sache, die ich mir schwer vorstellte, denn man musste sich auf Kommando vom Pferd fallen lassen. Dafür waren die meisten hier ausgebildet. Ich allerdings nicht. Aber mein Part bestand auch nicht darin, mich von einem Stein treffen zu lassen. Sondern...
"SEID IHR ALLE BEREIT, EURE HERZEN ZU OPFERN?", schrie Erwin gerade und riss mich damit aus meinen Gedanken. 
"JAAAAA!", brüllten wir.
"DANN AUF IHN MIT GEBRÜLL!"
Und los ging's.
Mit heftigem Gebrüll ritten wir los. Ich war aufgeregt und voller Adrenalin, weil es sich so echt anfühlte, dass ich glatt ein wenig Angst bekam. Immerhin waren wir knapp 500 Leute, die gerade alle nach draußen in die Wildnis ritten und so tun mussten, als würde der Krieg ausbrechen.
Vor mir fielen schon die ersten mit schmerzerfüllten Tönen zu Boden und links von mir..
Ich staunte, denn links von mir trat Levi gerade seinen Part an. Er wirbelte wie ein Beyblade Kreisel in der Luft und machte dabei angestrengte Kampfgeräusche. Es sah witzig aus, weil dort niemand war, den er wirklich bekämpfte, aber es sah auch einfach mega genial aus. 
"Y/N, du musst jetzt Steingeschossen ausweichen", hörte ich Hanji über Funk sagen und versuchte mich direkt in die Szene einzubringen. Zu sehr hatte ich mich von Levi ablenken lassen. Also tat ich, was sie sagte und fing an zu schreien und imaginären Steinen auszuweichen, bis ich dann von einem Titanen gepackt wurde.
Mit einer der Seile, die uns auch beim 3D Manöver in der Luft hielten, wurde ich plötzlich nach oben gezogen und schrie um mein Leben. Ich gab wirklich alles. Stellte mir vor, wie mich diese riesige Hand packte, in der ich wirkte wie eine Nuss. Weinte und schrie. Bis ich dann meinen Namen hörte.
"Y/N!!!" Es war Levis Stimme, der nun zu mir geeilt war, während er versuchte einigen Titanenhänden und Mäulern auszuweichen. Und dann...holte er aus und zerschlitzte dem Titanen den Nacken, der mich daraufhin fallen ließ.
Erneut schrie ich, doch Levi fing mich auf und kam mit mir am Boden an. "Y/N! Geht es dir gut? Sag doch was!" Sein Ausdruck war panisch. Schnell atmend schaute er auf mich, während ich in seinem Arm lag. Ich konnte mich nicht rühren, ihn lediglich ansehen. Seine Augen glänzten so schön. Sein Haar fiel so perfekt, obwohl er gerade in der Luft Karussell gespielt hatte. Mehr nahm ich nicht war. Dabei musste ich eigentlich meine Rolle fortsetzen, was mir leider nicht gelang. 
"...CUT! WIR HABEN HIER EINEN NOTFALL!", hörte ich Levi nur schreien. Und dann wurde mir ganz schwarz vor Augen.


Einige Zeit später erwachte ich in einem Krankenzimmer, in einem Krankenbett. Neben mir piepste ein Monitor und bald darauf realisierte ich, dass es meine Herzschläge waren, die in ruhigen, gleichmäßigen Abständen auf dem Monitor zu sehen waren.
Ich sah mich um und versuchte Revue passieren zu lassen, was genau geschehen war. Bis sich dann die Tür öffnete.
"Oh, geht es dir schon besser?", fragte die Krankenschwester, die daraufhin sofort zu mir kam und mich abcheckte. "Du bist schon wieder auf dem Weg der Besserung", meinte sie und ging dann wieder. Noch bevor ich mich überhaupt fragen konnte, was denn nun eigentlich wirklich passiert war, ging die Tür erneut auf.
"Hi", raunte jemand, dessen Haar so schwarz und das Gesicht so makellos war. Er betrat das Zimmer und schloss die Tür, ehe er sich zu mir ans Bett begab. Es war mir peinlich, dass er mich so sah. Wer wusste, wie ich aussah? Was war, wenn ich verwuschelte Haare hatte? Oder noch schlimmer, vielleicht voll mit Erbrochenem war? Oder...
"Geht es dir besser?!", fragte er, während er auf mich herabschaute. Ich versuchte mein Sprachgebrauch wiederzufinden...und hatte Glück.
"Ich...weiß nicht", war alles, was ich sagen konnte. Ich rief mir in Erinnerung, dass ich ja einen Körper besaß, den ich versuchte Körperteil für Körperteil zu bewegen. Ich verspürte Muskelkater, aber sonst war alles dran. "Was ist passiert?", fragte ich.
Levi antwortete nicht sofort. Er ließ sich einen Moment Zeit. "Nun ja, du hattest einen Schock, würde ich mal behaupten."
"Einen...Schock?" Ich versuchte mich zu erinnern, wann genau das passiert sein sollte. Mir fiel es aber nicht ein. Levi holte sich nun einen Stuhl, um sich neben mich zu setzen. Die Gelassenheit und Ruhe, die er ausstrahlte, ließ mich gut fühlen. Und ich merkte, wie sehr ich ihn eigentlich mochte, egal, wie er manchmal zu mir war.
"Du hast dich...bei der Szene wohl ein wenig zu sehr verausgabt", erzählte er.
"Oh...", machte ich nur.
"Aber", fuhr er dann fort, "sie war ziemlich perfekt."
"...w-war sie das?"
"Bis zu dem Zeitpunkt, wo du ohnmächtig geworden bist."
"Oh." Nun kamen alle Erinnerungen wieder und es war mir fast ein wenig peinlich. Die Schreie, die Anspannung. Der Teil, wo Levi mich rettete. Wo ich in seinen Armen lag...
"Scheiße. Das tut mir so leid...", sagte ich. Levi setzte einen leicht fraglichen Blick auf. "Ich habe euch die ganze Szene versaut! Jetzt sind sicher alle sauer, weil wir sie neu drehen müssen."
"Was redest du denn da?", fragte er mich dann. "Warum sollte man auf dich sauer sein?!"
"Habe ich doch gesagt. Weil jetzt alles neu gedreht werden muss."
"Soll ich dir mal was verraten?"
Jetzt war ich ganz Ohr. Und zudem noch sehr überrascht. Wann gab es jemals einen Zeitpunkt, wo wir uns so normal unterhalten hatten? Ohne Zickereien und Beleidigungen?
"Hanji und Erwin hatten an der Szene gar nichts auszusetzen. Rein gar nichts. Sie war perfekt." Bei seinem Letzten Satz schenkte er mir einen Blick, den ich nicht deuten konnte. Denn sein Blick war so intensiv.
"Perfekt...?", fragte ich ihn halb flüsternd.
"Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich cut gerufen habe, war alles perfekt. Du kannst also beruhigt sein. Niemand ist sauer auf dich."
Vor lauter Staunen fehlten mir die Worte. Ebenso war ich mehr als erleichtert.
"Und außerdem ist es scheißegal, hätten wir die Szene neu drehen müsse. Weißt du wie oft jemand seinen Text oder die Handlung vergisst? Ich habe in Filmen mitgespielt, wo wir an einer Szene fast fünf Stunden gedreht haben, weil immer etwas schief gelaufen ist."
"Nun, das...ist gut...oder?", fragte ich ihn mit zartem Grinsen. Und Levis Gesichtszüge wurden sanfter. "Also...dass wir die Szene nicht neu drehen müssen, natürlich..."
"Ja, das ist es", antwortete er genauso so sanft und was dann folgte, ließ mein Herz einen Schritt schneller klopfen. "Es tut mir leid", sagte er dann. Und nun war ich diejenige, die ihn fraglich ansah. "Ich habe mich die ganze Zeit wie ein Idiot benommen. Habe dich verurteilt, weil ich vom Offensichtlichem ausgegangen bin. Aber...", er machte eine Pause, "ich habe mich getäuscht. Du bist mehr als nur das Offensichtliche."
Wow, Levi. Wie konnte man nur so sehr in Rätseln sprechen? Oder wollte mein Gehirn es nicht verstehen?
"Tut mir leid, aber ich verstehe gerade echt nicht, was du mir damit sagen willst", sagte ich deshalb.
Levi stand auf, brachte den Stuhl zurück und sagte dann zu mir: "Ich wollte dir damit nur sagen, dass ich dich unterschätzt habe. Du hast wirklich was drauf. Und ich schätze...der Film wird nicht allein wegen mir zu einem Blockbuster."

Attack on Titan - Wie im Film ( Levi X Reader)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt