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Seungmin

Es musste einige Stunden später sein, als ich endlich aufwachte. Ich lag komischerweise in meinem Bett und nicht auf dem kalten Steinboden im Keller. Ich brauchte einige Sekunden, um mir sicher zu sein, dass ich alleine war – dass weder Chan noch einer seiner Leute hier war.

Allein bei dem Gedanken gefror mein Blut zu Eis.

Nach einigen prüfenden Blicken, die mich sicher machten, dass Chan nicht bei mir war, setzte ich mich langsam auf. Mein ganzer Körper schmerzte, vor allem meine Schulter und meine Füße.

Wimmernd versuchte ich mich vorsichtig an den Bettenrand zu setzen.

Ich musste mich anziehen und so schnell wie möglich von hier verschwinden. Es war dunkel draußen. Wenn ich mich dunkel anziehen würde, hätte ich vielleicht Glück und könnte entkommen. Ich könnte zur nächsten Polizeistation gehen und um Hilfe bitten. Ich könnte ihnen berichten, dass ein gefährlicher Mafioso hier in der Straße lebte.

Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte ich, mich auf meine eigenen Beine zu stellen. Ich hätte schwören können, dass ich mir meine eigene Lippe durchgebissen hatte, so sehr schmerzte es.

"Fuck", wimmerte ich, während ich mich wieder auf das Bett fallen ließ. Ich würde auf meinem linken Fuß nicht laufen können. Ich war doch nur umgeknickt. Wie konnte das so schlimm sein? Langsam ließ ich meinen schmerzenden Körper auf das weiche Bett hinter mir sinken. Ich wollte nach Hause, ich wollte wieder in diesem Café arbeiten, ich wollte ein ganz normales Leben.

Heiße Tränen flossen langsam, aber sicher aus meinen Augen.

VERDAMMT!

Wie konnte das nur mir passieren? Wieso ich? Das war nicht das erste Mal, dass ich mir diese Frage stellte. Fast täglich, nachdem Chan seinen Spaß mit mir hatte, lag ich hier in meinem Bett, weinend und fragend, warum ich das Opfer von so einem Freak sein musste.

Vor lauter Hilflosigkeit weinte ich nur noch mehr und merkte gar nicht, wie die Tür zu meinem Zimmer geöffnet wurde.

2 Stunden vorher:

POV Chan

Ich raufte mir durch mein pechschwarzes Haar und sah den bewusstlosen Körper meines kleinen Menschen an. Ich hatte ihn inzwischen aus dem Keller in sein Zimmer gebracht und ihn zugedeckt. Er sah schlimm aus, schlimmer als gedacht. VERDAMMT. Ich hatte es übertrieben...

Er hatte sich gerade an mich gewöhnt, er hatte gerade aufgehört, mich mit so viel Angst zu betrachten, aber nein, ich hatte es natürlich geschafft, ihn mit meiner blinden Wut so zu verletzen, dass sein kleiner Körper das nicht mehr aushalten konnte.

Ich sah den schlafenden Jungen noch einmal genau an, bevor ich in mein Büro verschwand und einen Arzt rufen ließ. Er hatte einige Wunden auf seinem Rücken wegen mir, und seine Schulter war sicherlich ausgekugelt. Fuck.

Sauer auf mich selbst ließ ich mich in meinen großen Bürostuhl fallen und sah mir die Papiere auf meinem Tisch an. Der kleine Puppy würde mich jetzt hassen, er würde mich jetzt nicht mehr an sich heranlassen... Verdammt, was ist, wenn er das Gleiche wie Min Joon machte und sich... das Leben nahm? Ich konnte es nie vor meinen Freunden sagen oder zugeben, aber ich hatte den kleinen Min Joon wirklich gemocht. Ach, ich sollte aufhören, mir etwas vorzuspielen. Ich hatte den kleinen geliebt. Ich hatte geplant, meine Zukunft mit ihm zu verbringen.

Aber ich hatte bei ihm den gleichen Fehler gemacht, wie ich ihn jetzt bei Seungmin machte. Ich war kalt, benutzte ihn nur und zeigte ihm nicht meine Gefühle. Zudem hielt ich mich zu sehr an die Regeln, die Hyunjin, Changbin, Minho und ich uns selbst auferlegt hatten.

"Keine Liebe, unter keinen Umständen", hieß es immer.

Minho hatte sie ja sowieso schon gebrochen. Aber ob ich Seungmin schon liebte? Ich denke nicht. Er war schön, und sein Körper war wie für mich gemacht, aber ich kannte ihn noch zu wenig, um zu sagen, dass ich ihn liebte.

Aber eins wusste ich: Ich hatte eine Linie überschritten. Was ist, wenn er gar nicht mehr aufwachen würde? In mir baute sich wieder Wut auf. Mit einem starken Schwung fegte ich alle Dokumente von meinem Tisch auf den Boden.

Viele verschiedene Dokumente und Akten lagen in Sekundenschnelle auf dem Boden. Gut, dass ich das nicht aufräumen musste.

Jedoch blieben die Sorge, die Angst und die Wut auf mich selbst tief in meinem Gehirn stecken. Ich wollte und sollte nicht über "was wäre wenn" nachdenken, am Ende hatte ich vielleicht doch Glück, und der kleine würde so tun, als wäre nie etwas passiert. Als hätte ich ihn nicht an seinem Haar gepackt und in den Keller gezerrt, ihn ohne seine Zustimmung berührt.

Ich zeigte meine Gefühle nicht gerne, aber wenn ich an damals dachte...

Schluck.

Ich stand panisch auf, rannte in das angrenzende Badezimmer meines Büros und übergab mich direkt in die Toilette. Allein der Gedanke an meine Vergangenheit ließ mich das wenige Essen von heute in die Toilette verfrachten. Ich hustete, würgte noch einige Male, bevor ich mich dann auf meine wackeligen Beine stellte, um mir meinen Mund am Waschbecken auszuspülen.

Ob ich mich jemals von diesem Schmerz und dieser Erniedrigung lösen könnte? Ob Seungmin irgendwann davon frei sein würde, wenn ich bald kein Interesse mehr an ihm hatte? Was machte ich hier überhaupt? Ich hatte mir damals schon geschworen, diesen endlosen Zyklus zu brechen, niemandem das Gleiche anzutun, was ich durchgemacht hatte.

Jedoch war es schwer. Wie könnte ich diese Regeln, diese Hierarchie brechen?

Es gab eine Lösung.

Gerade als ich meinen Gedanken weiterführen wollte, kam einer meiner Männer in mein Schlafzimmer und verbeugte sich leicht. "Der Arzt ist eingetroffen. Ich habe ihn zu dem Zimmer des Jungen geschickt." Ich nickte verstehend, ging an den schlanken Mann vorbei und direkt zu Seungmins Zimmer. Der Arzt wartete geduldig vor der Tür und verbeugte sich leicht, als er mich sah. Der Mann, der sich so oft um die Wunden meiner Männer und meine eigenen gekümmert hatte.

"Guten Morgen, Dr. Kim", lächelte ich leicht und hielt ihm meine Hand hin. "Danke, dass Sie so spontan kommen konnten." Ich seufzte, öffnete ihm Seungmins Tür und sah den kleinen direkt in die Augen. Er war verheult, zitterte und sah mir mit purem Horror entgegen.

"Das ist Seungmin. Er... hat sich verletzt. Machen Sie alles, damit er so wenig Schmerzen wie möglich hat." Ich erklärte knapp, blieb aber mit verschränkten Armen im Zimmer stehen und musterte, wie der Arzt sich um meinen Pup kümmerte. Wie er seine Schulter wieder einrenkte, wie er seinen Knöchel behandelte – dieser war schon fies angelaufen.

"Also, Sie müssen eine Schiene für den Jungen besorgen", fing der Arzt an. "Ich werde ihm auch eine Salbe verschreiben, mit der Sie seine Wunden und seinen Knöchel einreiben sollen." Der ältere Mann zog einen kleinen Block mit Verschreibungsformularen heraus. Seufzend nahm ich die beiden Zettel entgegen und sah zu Seungmin hinüber, der sich tiefer auf das Bett gelegt hatte und noch immer über seine Schulter rieb. Diese musste wohl mehr schmerzen, als ich es wahrhaben wollte.

"Ich bringe Sie runter, Doc." Ich legte vorsichtig eine Hand auf seine rechte Schulter und forderte ihn leise auf, vor mir das Zimmer zu verlassen.

Nachdem ich den Mann verabschiedet hatte, blieb ich noch einige Sekunden vor der Tür stehen und dachte nach. Wie sollte ich denn jetzt weiter vorgehen? Seungmin hatte Angst, er wollte nicht hier sein. Jeglicher Fortschritt, den ich mit dem kleinen gemacht hatte, war weg.

Ich ballte meine Hände zu Fäusten und schlug gegen die Haustür, die nicht nur mich in diesem Haus einschloss, sondern auch Seungmin.

Verdammt.


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Haha, also ich versuche jetzt wieder, einmal die Woche zu uploaden. :(

Sorry nochmal, ich hatte kein gutes 2024, und dieses Jahr fängt auch schon schlecht an.

His Possession | Stray kidsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt