Der Prophet und der Engel

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nach 1. Könige 18 - 19

Elia hatte ein richtig mieses Jahr. Und damit meine ich nicht, dass er mitten in einer Scheidung steckte, die in einen Rosenkrieg ausgeartet war; dann war ihm zu allem Überfluss auch noch seine Katze weggelaufen, und jetzt hatte er eine Midlifecrisis. Nein, nicht die Art von mies.

Seine Art von mies bestand eher darin sich mit König Ahab anzulegen. Und Leute mit dem Namen Ahab sind ja bekannt dafür so gar nicht rachsüchtig und obsessiv zu sein, richtig? Dass die beiden sich gegenseitig beschuldigt hatten für die Dürre des Jahrhunderts verantwortlich zu sein, war erst der Anfang.

Ihr kleiner Zwist giftelte darin, dass Elia 850 Propheten zweier Glaubensgemeinschaften öffentlich bloßstellte und demütigte, und dann in einem Thanos würdigen Wutanfall die 450 Propheten des Baal, ich zitiere, eigenhändig mit dem Schwert "schlachtete" (1.Kön 18,40). Ups...
Das ganze hat Ahab daraufhin Königin Isebel erzählt, der das irgendwie sauer aufgestoßen ist. Frauen..., immer so empfindlich. Und Ahab, was für ein Tratschonkel! So'n kleines Massaker kann doch jedem mal passieren. Wie auch immer, die Königin ließ Elia darüber informieren, dass sie ihn gedenke am darauffolgenden Tag hinzurichten. Ab mit seinem Kopf!

Da bekam es Elia, verständlicherweise, gehörig mit der Angst zu tun und lief um sein Leben. Auf dem Weg setzte er noch seinen Diener auf die Straße, er selbst flüchtet in die Wüste. Dort angekommen ließ er sich unter einem Ginsterstrauch nieder und wünschte sich zu sterben. Wäre er doch bloß nicht weggelaufen, Königin Isebel hätte das sehr gern für ihn erledigt. Aber hier saß er nun bei 30°C im Schatten, bedauerte seine Lebensentscheidungen und vor allem sich selbst, und betete: "Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter." (1.Kön 19,4) Dann legte er sich an Ort und Stelle schlafen, erschöpft vom Davonlaufen.

Nach einiger Zeit wurde Elia von einem kräftigen Schütteln aus seinem Schlummer gerissen. Er schlug die Augen auf und erblickte einen Engel des Herrn, der zu ihm sprach: "So, du stehst jetzt auf und isst das da." Elia schaute sich um und fand direkt neben sich ein geröstetes Brot und einen Krug mit Wasser. Brav tat er wie ihm geheißen. Und als er gegessen und getrunken hatte..., legte er sich wieder schlafen.

Zum zweiten Mal kam der Engel wieder, der sicher nichts Besseres zu tun hatte als einen lebensmüden Propheten zu begöschern, und rüttelte ihn wach. "Hallo?! Aufstehen! Und essen. Du hast noch einen weiten Weg vor dir." Elias Begeisterung hielt sich in Grenzen, doch tatsächlich stand er dieses Mal auf, aß und trank erneut. Er hatte nicht den blassesten Schimmer, was auch immer in diesem Wasser und Brot gewesen war, aber mit einem Mal fühlte er sich erstaunlich energiegeladen. So energiegeladen, dass er vierzig Tage und vierzig Nächte ohne zu schlafen bis zum Berg Horeb wanderte, wo Gott höchst persönlich ein ernstes Wörtchen mit ihm zu reden hatte.


Was lernen wir also daraus?
Engel sind manchmal die Sorte Leute, die uns solange auf den Senkel gehen, bis wir unseren Hintern aus der Wüste bewegen.

Georg Christoph Lichtenberg sagte mal: "Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen." In diesem Sinne singen wir jetzt das Lied "Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein".


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