Der Tod war warm und weich. Er hielt mich fest in seinem Armen, schien mich zu wiegen und flüsterte mir ein Versprechen ins Ohr.
Dir wird nichts geschehen. Ich werde dich beschützen und mich für meine Taten verantworten. Aber du, du und deine Freunde. Ihr habt nichts mehr zu fürchten.
"Warum sagst du soetwas?"
Was für eine verrückte Vorstellung. Ich sprach mit dem Tod.
Ich habe es gesehen. Das Leid. Die Trauer. Die Zerstörung. Welchen Sinn hat es, eine tote Welt zu regieren?
"Die Welt regieren? Wovon sprichst du?"
Ich konnte es nicht aufhalten. Ihre Versprechungen waren zu verlockend, ihr Angebot so unendlich gütig.
"Was meinst du mit 'Ihre Versprechungen'?"
Der Tod lächelte. Ich konnte es nicht sehen, weil Dunkelheit mich umgab, aber ich konnte es spüren. Auf irgend eine Art und Weise konnte ich spüren wie er milde auf mich herab lächelte.
So einfältig. Ich habe euch Menschen immer als eine niedere Spezies angesehen. Eine Art, vor der ich, als Gott, niemals Respekt oder Achtung zeigen müsste.
"Das ist lustig. Diese Worte erinnern mich an jemanden."
Ist das so?
Der Tod seufzte schwer. Noch immer hielt er mich in seinen Armen.
Nun, es scheint mir, dass die Zeit gekommen ist.
"Warte! Ich verstehe nicht! Zeit wofür?"
Angst verwandelte meinen Magen in einen schweren, eisigen Klumpen. Ich wollte nicht das der Tod ging. Ich wollte bei ihm bleiben, mit ihm reden und mich nicht einsam fühlen müssen.
"Wird es wehtun?"
Meine Stimme, ein einziges heißeres Flüstern.
Wieder lachte der Tod. Leise. Fast liebevoll.
Du hast Angst vor Schmerzen? Angst vor dem Tod? Warum hast du dann all dies auf dich genommen? Ständig versucht es dir und deinen Freunden zu beweisen. Das du zu etwas höherem bestimmt bist? Das du außergewöhnlich bist? Es grenzt an Wahnsinn, wenn du mich fragst.
Ich verstand nicht. Was wollte der Tod mir damit sagen? Warum sprach er in Rätseln?
"Warum sollte ich Angst vor dir haben?"
Du denkst also, ich bin der Tod? Das ist eine wirklich amüsante Vorstellung.
Vielleicht seid ihr Menschen doch nicht so uninteressant wie ich dachte. Mir hast du jedenfalls bewiesen, dass du und deine Freunde wirklich außergewöhnlich seid.
"Was ist mit ihnen? Hast du sie auch geholt?"
Diesesmal ist es ein genervtes Seufzen das der Tod von sich gibt. Er verlagert sein Gewicht von dem einen auf den anderen Fuß. Ich kann es spüren. Er verändert seine Haltung, ich liege nun enger an seinem Körper.
Wie oft soll ich es denn noch wiederholen? Ich bin nicht der Tod. Und du solltest diese Tatsache langsam begreifen, bevor ich meine Meinung über dich noch ändere. Und nein, deine Freunde sind nicht tot. Sie sind wie ein lästiges Geziefer, dass man nicht los wird.
Sein Seufzen wird immer lauter.
"Das ist schön. Es ist gut zu wissen, dass sie noch am Leben sind. Aber es ist nicht nett sie als Geziefer zu bezeichnen. Du erinnerst mich wirklich an jemanden. Ich kann nur nicht sagen an wen. Er war auch immer so merkwürdig. Hat sich immer vor mir versteckt, weißt du? Er war böse, dass haben die Leute jedenfalls gesagt. Er hat Menschen getötet. Sogar einen guten Freund."
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Shattered Me
AcciónNiemals hätte die hochbegabte Elizabeth Hale sich träumen lassen, eines Tages von Fremden am Tag des Abschlussballs entführt und verschleppt zu werden. Die junge Frau ahnt nicht, was und vorallem wer hinter allem steckt. Für Liz beginnt eine aufreg...
