5. The Girl Who Dances With Wolves

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~I got my red dress on tonight dancing in the dark on the pale moonlight~
- Summertime Sadness, Lana Del Rey

Verdammt! Das war das absolut peinlichste, was es je von mir auf Video gegeben hatte. Es stellte sogar das das mal in den Schatten, als ich im Kunstunterricht ausgerutscht und rückwärts auf meinem eigenen Bild gelandet war. Natürlich hatten alle sofort ihr Handy gezückt und Fotos gemacht. Zu allem Überfluss war die Farbe auch nicht mehr aus dem Oberteil rausgegangen, sodass ich es wegschmeißen musste.

„Dir ist klar, dass das überall herumgeschickt wird?", fragte sie und grinste schadenfroh.

„Oh ich... ja wahrscheinlich schon... Ich... " faselte ich peinlich berührt. Himmel! Jetzt konnte ich ja nicht mal mehr richtig sprechen! Was hatte dieser Schüleraustausch nur mit mir gemacht?

„Lass sie doch einfach in Ruhe!", meldete sich nun die Person zu Wort, von der ich es am wenigsten erwartet hätte. Paul war aufgestanden und sah Jenny herausfordernd an. Wenn man genau hinsah, konnte man erkennen das er zitterte. Vollkommen verwirrt starrte ich ihn an. Was war denn bitte mit ihm los. Erst starrte er mich komisch an, dann traute er sich nicht in die Augen zu schauen und dann beschützte er mich vor einem Mädchen, mit dem er vor zwei Monaten noch zusammen gewesen? Alles klar.

„Wieso verteidigst du die? Wir waren mal zusammen und dann hast du einfach mit mir Schluss gemacht." Sie schob die Unterlippe vor.

„Wo wir gerade beim Thema sind, wir könnten es ja nochmal miteinander versuchen." Sie klimperte mit den, von Mascara verklebten Wimpern und wickelte eine ihrer Blond gefärbten Haarsträhnen um den Finger (was nebenbei bemerkt wirklich keine gute Idee ist, wenn man eigentlich pechschwarze Haare hat).

Paul zitterte nun am ganzen Körper. Er sah aus als würde er gleich explodieren.

„Ich habe, wie bereits gesagt, mit dir Schluss gemacht und ich will auch nichts mehr von dir, also LASS MICH IN RUHE!" Huuuhhh mein lieber Schollie war das heftig. Das selbe schienen auch Embry und Quil zu denken und sogar Jared, der sich inzwischen von Kim gelöst hatte, stand auf. Sie redeten beruhigend auf ihn ein, doch Pauls zittern wurde nur noch stärker. Schließlich begannen sie alle an ihm zu schieben und zu ziehen, sodass sie ihn Millimeter für Millimeter aus der Cafeteria zerrten. Er machte es ihnen aber auch nicht gerade leicht. Paul hatte angefangen seltsame Grunzgeräusche auszustoßen, die entweder klangen als habe er gerade Sex, oder als würde ihn jemand mit einem Messer durchbohren. Zwar fand ich, dass das sehr unwahrscheinlich klang, aber er war auch der einzige Mensch dem ich beides zutrauen würde. Also mitten in der Cafeteria und vor allen Leuten. Eine verstörende Vorstellung.

Plötzlich kam Jacob mit einem Essenstablett auf uns zu. Früher hatte er lange Haare gehabt, weshalb ich ihn auch erst auf den zweiten Blick erkannte.

„Hey Eleanor, schön das du wieder da bist. Was ist denn mit Paul los?"

„Ich hab keine Ahnung", gab ich zurück. Kim jedoch starrte ihn mit großen Augen an so, als wollte sie ihm etwas sagen.

„Weißt du was mit ihm los ist?", fragte ich sie und hob eine Augenbraue.

„Nein, ich hab keine Ahnung", antwortete sie schnell.

„Kimmi, du warst schon immer eine erbärmlich schlechte Lügnerin."

„Ich hab wirklich keine Ahnung wovon du redest", sagte sie schnell und bevor ich sie weiter fragen konnte, klingelte die Schulglocke.

Paul und Jared erschienen nicht zur nächsten Stunde, doch das schien inzwischen öfter vorzukommen, denn als unser Lehrer bemerkte, dass die beiden fehlten schüttelte er nur den Kopf und schrieb schweigend ihre Namen ins Klassenbuch.

In der letzten Stunde hatten wir Physik bei einem kleinen, alten Lehrer mit Glatze. Er hüpfte die ganze Zeit herum und laberte irgendetwas über Quantenmechanik. Es war so sterbenslangweilig, dass ich einfach die ganze Zeit Tic-Tac-Toe mit Jacob spielte. Als es dann endlich klingelte, stand ich auf und rannte beinahe aus dem dem Klassenraum. Auf dem Pausenhof holte mich Kim ein und reichte mir schweigend mein Physikbuch, welches ich anscheinend in der Klasse vergessen hatte. Eigentlich hatte ich den Vorsatz mehr auf meine Sachen zu achten seid ich einmal meinen Schuh im Sekretariat hatte abholen müssen, aber wie das mit Vorsätzen so ist...

„Wollen wir uns heute treffen?", holte mich Kim aus meinen Gedanken.

„Klar, bei mir oder bei dir?"

„Vielleicht bei Emily und Sam?" fragte sie betont lässig.

„Ähh wieso sollten wir denn zu denen gehen?", fragte ich verwirrt. Emily war ja ganz nett, aber Kim hatte mich vorher noch nie gefragt ob wir uns bei ihr treffen.

„Also... Jared ist da meistens mit Quil, Embry und Jacob..."

„Du hast ernsthaft die ganze Zeit mit Jungs rumgehangen, als ich weg war?"

Sie wich meinem Blick aus und antwortete dann: „Sie sind gar nicht so schlimm, außerdem wusste ich echt nicht wo ich sonst hingehen sollte."

„Du meinst außer zu den Anabolika Kumpeln von deinem Freund?"

„Ist ja jetzt auch egal. Wollen wir uns bei ihnen treffen oder nicht?"

„Na Gut, weil du es bist", sagte ich und lief die abgenutzte Straße entlang zu mir nach Hause.

Wäre ich mal lieber direkt zu Emily und Sam gegangen, denn als ich zu Hause ankam sah es so aus als sei ein Nilpferd durch die Küche gestampft und hätte dabei jede Art von Spielzeug die es auf der Welt gab ausgekackt. Dies war allerdings so unwahrscheinlich, dass ich eher darauf tippte, dass meine Schwestern in der Küche gespielt hatten. Von oben war ein lautes mädchenhaftes kreischen zu hören. Ohne Zweifel Luke. Er schrie irgendetwas von wegen: „Dieses ekelhafte Zeug, das stinkt total", und, „damit hält mein Haarwachs nicht". Ich ging mal davon aus das er das Läusemittel genauso sehr liebte wie ich.

Ich stieg vorsichtig über die Spielsachen in Richtung Tür und fühlte mich dabei ein bisschen wie im ersten Teil 'die Tribute von Panem' (wer weiß welche Stelle ich meine?). Im Flur angekommen wäre ich beinahe mit meinem Vater und seiner Bohrmaschine zusammengestoßen. Was auch immer er damit vorhatte.

„Hey Schatz wie war die Schule?", fragte er, nachdem er eilig das Spitze Ende heruntergenommen hatte, das mir soeben beinahe das Auge ausgestochen hätte. „Super", antwortete ich knapp und lief so so schnell es ging nach oben.

Ich machte meine Hausaufgaben, bis ich von meiner Mutter zum Essen gerufen wurde. Welches leider alles andere als entspannt ablief. Meine Schwestern versuchten immer wieder an die Spielsachen heranzukommen, die auch dem Boden verstreut waren. Mein Vater faselte die ganze Zeit etwas von Bohrmaschinen. Und mein Bruder fragte mich alle fünf Minuten ob ich finde seine Haare wären unvoluminös. ich antwortete sie seien fluffig wie eh und je, woraufhin er sich ein wenig beruhigte.

Nach dem Essen rannte ich wieder hoch in mein Zimmer und machte meine Hausaufgaben fertig. Danach schnappte ich mir eine Jacke und flüchtete nach draußen. Endlich Ruhe. Ich schloss die Augen um für einen Moment die Stille zu genießen. Als ich sie wieder aufschlug, stand vor mir ein riesiger Wolf. Sein Fell war grau und auf irgendeine seltsame Art und Weise kam er mir bekannt vor. Ich hatte keine Angst vor ihm, was mich nur etwas wunderte, da ich mich eigentlich nicht vor Tieren fürchtete. Weder vor Spinnen noch vor Schlangen oder Ratten. Ich hatte sogar mal eine Schlange gehabt. Sie hatte Kiwi geheißen. Aber wieder einmal Schweife ich ab.

Der Wolf kam langsam zu mir und wie in Trance bewegten sich auch meine Beine auf ihn zu. Vorsichtig streckte ich meine Hand aus und der Wolf legte seine seinen überdimensionalen Kopf hinein und ließ sich von mir kraulen. Er stand nun so dicht vor mir das ich ihm direkt in die Augen sehen konnte und erschrocken wich ich zwei Schritte zurück. Ich kannte diese Augen. Vor zwei Monaten hatte ich fast jeden Tag in diese Augen geschaut und mir oft genug gewünscht ich könnte sie der Person, der sie gehörten, auskratzen. Pauls Augen.

I just wanna hate youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt