Am nächsten Tag drückte er sich ohne seinen Bruder an einem Park für Skater herum. Er hatte die Kapuze seines schwarzen Pullis über den Kopf gezogen und hoffte, dass ihn niemand sah. Aber hier hing auch immer Benji mit seiner Crew ab. Als der Roman erkannte, zeigte er seine weißen Zähne: „Ey! Du bist doch der Schwule!"
„Was ? Nein!", rief Roman empört.
„Doch, klar. Der mit der Schwanz-Party!", sagte Benji.
„Das war keine Schwanz-Party"
Roman rollte mit den Augen.
„Aber schwul bist du?", halte Benji nach.
„Mein Bruder und ich haben nur für unser Konzert ...", begann Roman zu erklären, wurde aber von Benji unterbrochen, der ihn aggressiv anging: „Ob du schwul bist, hab ich dich gefragt!?"
„Nein, nein, nein", beschwichtigte Roman.
Benji zuckte mit den Schultern.
„Schade, Kumpel von mir sucht gerade. Wärst vielleicht sein Typ."
Roman trat nervös von einem Fuß auf den anderen.
„Is' noch was?", wollte Benji wissen.
„Ja, also nein, also doch", stotterte Roman.
„Ich habe mich nur gefragt, ob du, also vielleicht, unter Umständen, eventuell ... was hast?"
„Ey, nur weil ich schwarz bin, heißt das nicht, dass ich verticke, Alter!", regte sich Benji auf. „Ich bin deutscher als Hitler!"
Roman trat einen Schritt zurück.
„Okay, sorry. "
Benji sah Roman prüfend an.
„Weil Hitler ist Österreicher gewesen. Weiß nicht, ob du das wusstest."
„Doch, klar, weiß ich", murmelte Roman verwirrt.
„Gut." Benji nickte. „Geschichte ist wichtig."
„Ja, danke", meinte Roman und wandte sich zum Gehen.
„Also, was brauchste?", fragte Benji grinsend.
Roman blieb stehen.
„Ähm, okay, ist ja nicht für mich, sondern für meinen Bruder."
„Is' klar." Benji nickte gespielt verständnisvoll.
„Wirklich jetzt! Ich will den vor 'nem Fehler bewahren", erklärte Roman.
Benji sah ihn ungläubig an.
„Mit Drogen?"
Roman schüttelte den Kopf.
„Also nicht so richtig mit Drogen. Vielleicht hast du ja was anderes, harmloseres, womit man irgendwie ... peinlich wird? Vor 'ner Frau?"
Benji verstränkte die Arme.
„Sicher, dass du nicht schwul bist?"
„Nein!", rief Roman.
Benji sah Roman prüfend an.
„Also nicht sicher, ob du ...?"
„ICH BIN NICHT SCHWUL!", brüllte Roman.
„Das sagen Schwule immer am Anfang."
Benji zwinkerte Roman zu.
Roman seufzte.
„Wenn das so ist, dann bin ich schwul."
„Wusst ich's doch!"
Benji grinste zufrieden.
„ALTER!"
Roman wollte wütend abziehen, aber Benji legte seinen Arm um ihn.
„Relax, musst dich nicht schämen. Moderne Gesellschaft, weißt du?", flüsterte er Roman zu. Dann gab er einem seiner Jungs, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatten, ein Zeichen. Der Typ nahm sein Käppi ab und zog eine Tüte bunter Pillen daraus hervor. Benji nahm eine rote und eine blaue und reichte sie Roman.
„Die rote ist krass. Wenn du mal so richtig abkacken willst, nimmst du die", erklärte er.
„Wie abkacken?", fragte Roman.
„Abkacken halt", raunte Benji, als würde er feinsten Stoff verticken.
„Mit der kriegste krasse Sprühwurst. So richtig feuchten Dünnschiss, damit kannst du so richtig hart, geil, nass, ab..."
„Perfekt, passt. Und die blaue?", wollte Roman wissen.
„Is' nur Viagra. Aber zur falschen Zeit auch scheiße. "
Benji und seine Jungs grinsten.
„Stimmt."
Roman nickte begeistert.
„Was schulde ich dir ?"
„Beim ersten Mal ist's umsonst." Benji grinste stolz.
„Glaubst du, mein Bruder findet Sprühwurst so geil, dass er wiederkommt?"
Roman schüttelte den Kopf.
Benji zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung, Mann. Jedem sein Fetisch."
Roman fragte sich, ob dieser Benji wohl zu viele von seinen Pillen fraß, drehte sich aber dann wortlos um und zog ab.
„Schwuchtl!"
Benji sah Roman hinterher und fragte sich, ob er ihn nicht schon mal in Frauenklamotten gesehen hatte. Vielmehr in einem Prinzessinnen-Tutu auf einem Skateboard.
DU LIEST GERADE
BRUDER VOR LUDER
AcakBUCH ZUM FILM! Auf YouTube sind Heiko und Roman bereits Stars - Jetzt wollen sie auch live auf der Bühne durchstarten. Aber Romans plötzliches Lampenfieber und Heikos neue Freundin drohen den Traum von der großen Musikkarriere zum Platzen zu bringen...
