WASSERPOLONAISE 2/2

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Jetzt mach schon! Na los!", riefen die anderen Badegäste.
Heiko klemmte schnell seinen Rüssel zwischen die Beine und legte sich auf den Rücken. „Toter Mann" nannte sich das. Wäre das schön, wenn er jetzt wirklich tot wäre, dachte Heiko verzweifelt.
„Und jetzt alle Mann an ihn ran!", sagte der Animateur um die Badegäste zogen den Kreis enger um Heiko.
„Und hochheben!", brüllte der Animateur und alle hoben Heiko lachen aus dem Wasser.
Bitte, bitte, bitte, betete Heiko, doch er konnte nicht mehr.
Pling! Sein Rüssel schnellte hervor! Keiner lachte mehr. Die Musik stoppte. Alle starten auf Heiko. Beziehungsweise auf Heikos Rüssel.
Na, ich wusste doch, dass ihm das gefallen würde!", unkte der Animateur.
Heiko wurde knallrot und wandte sich an Jessy.
„Es ist nicht so, wie du denkst."
Sondern?", fragte Jessy stirnrunzelnd.
„Anders", meinte Heiko. Verdammt. Wenigstens hat sie nicht meinen Penis gesehen, dachte er. Oder zumindest nicht richtig.
„Ich habe nicht gesagt, aufhören! Po-lo-nai-se!", schrie der Animateur und Heiko wurde durch die Polonaise getragen. Heiko schloss die Augen und sah nicht, dass Roman oben an der Glasscheibe stand und sich vor Lachen weg schmiss. Neben ihm saß Bella im Rollstuhl und starrte ungläubig in die Schwimmhalle.

Wenig später kam Heiko niedergeschlagen mit Jessy aus dem Schwimmbad.
„Sorry, ich weiß echt nicht, was mit mir loa ist, wenn ich mit dir...", versuchte Heiko seinen peinlichen Auftritt zu retten. Auch wenn er diese furchtbare Badehose schon in den Müll geworfen hatte, stand sein Rüssel weiterhin. Heiko hielt seine Tasche und sein Longboard so, dass es Jessy nicht sehen konnte.
Jessy kicherte.
„Mir gefällt es auch sehr mit dir."
Dann wurde sie wieder ernst.
„Aber, äh, ich glaube, das ... das geht mir zu schnell."
Heiko sah sie verwirrt an. „Was?"
Jessy deutete auf Heikos Schritt.
„Ach so, ja klar. Müssen nichts überstürzen! Echt jetzt ..."
Heiko wurde schon wieder rot.
Danke." Jessy atmete scheinbar erleichtert aus.
„Weißt du, mir ist das voll peinlich, aber du bist mein Erster ..."
Heiko riss die Augen auf.
Ohne Scheiß?"
Jessy nickte.
„Das wollte ich mir aufheben. Für einen ganz besonderen Mann. Und einen ganz besonderen Moment. Vielleicht nach eurem Konzert?"
Heiko lächelte verblüfft.
Perfekt!"
„Ich freu mich so!"
Jessy umarmte Heiko und wurde von seinem Rüssel angestupst.
„Sorry", entschuldigten sich Jessy und Heiko gleichzeitig. Hinter ihnen schlich sich Roman mit dem Rollstuhl aus dem Schwimmbad, drehte eine große Runde und kam dann locker auf die beiden zu.
„Na dann", flüsterte Jessy.
„Ja, dann!", sagte Heiko.
„Was für ein schöner Tag im Park, nicht wahr, Rolli?", rief Roman gut gelaunt. Er übergab den Rollstuhl an Jessy, die ihn gleich losschob.
Roman legte Heiko übertrieben mitfühlend die Hand auf die Schulter.
„Was denn los, Brüderchen? Weißt doch, andere Mütter haben auch schöne Töchter. Wenn Gott eine Tür schließt, macht er ein Fenster wieder auf. Morgen sieht die Welt ganz anders aus ... und so ..."
Heiko sah Roman lächelnd an.
„Es ist der schönste Tag meines Lebens!"
Was?", fragte Roman verblüfft.
„Stell dir vor! Jessy will mit mir schlafen. Nach dem Konzert!"
Heiko fiel Roman vor Freude um den Hals.
Häh?", grunzte Roman in Heikos Pulli.
„Danke!"
Heiko klopfte Roman auf den Rücken.
„Danke, dass du so nett bist und auf Rolli aufpasst. Das werde ich dir nie vergessen!"
Diese verdammte Schlange!, dachte Roman und schickte Jessy einen wütenden Blick hinterher. Mit zusammengekniffenen Augen folgte er Heiko zur Bushaltestelle, wo schon der bus wartete. Die Brüder setzten sich und Roman sah düster aus dem Fenster, als der Bus losfuhr. Heiko tippte Liebesschwüre in sein Smartphone, als Roman plötzlich Jessy sah. Sie tippte ebenfalls in ihr Hand und neben ihr schob Rolli den leeren Rollstuhl. Roman begriff erst, als der Bus schon vorbei war, was er gerade gesehen hatte. Rolli schob ihren eigenen Rollstuhl???
„Da!", schrie Roman und tippte wie verrückt mit seinem Zeigefinger an die Scheibe.
Moment", meinte Heiko und schrieb weiter auf seinem Handy.
„Da, da, da!", brüllte Roman und nahm Heiko das Handy weg.
Hey", beschwerte sich Heiko und blickte durch die Scheine nach hinten. Doch Bella und Jessy waren nicht mehr zu sehen.
„Hast 'nen Geist gesehen?", fragte Heiko.
„Alter, Rolli kann gehen!"
Roman schnappte nach Luft.
„Sehr witzig."
Heiko nahm sich sein Smartphone zurück, doch Roman sprang entschlossen auf: „Stoppt den Bus, das ist ein Notfall!", schrie er. Er drückte sich an Heiko vorbei und lief durch den Mittelgang des Busses. Dabei stolperte er und fiel hin, rappelte sich aber gleich wieder auf.
„Roman!"
Heiko war Roman gefolgt und drückte ihn zurück auf den Boden.
„Alter, chill mal!"
Roman deutete mit ausgestrecktem Arm nach hinten.
„Ich hab's gesehen! Ich hab's gesehen!", rief er verzweifelt.
Ist ja gut, pscht, alles wird gut."
Heiko legte beruhigend seinen Arm um Roman. Dabei bemerkte er etwas in Romans Jackentasche ... Er zog daran und heraus kam: seine Badehose!
„Alter?"
Heiko sah Roman vorwurfsvoll an.
„Die ... die ... die", begann Roman, dann fing er sich wieder und tat überrascht.
Häh? Strange. Wo kommt die denn her?"
Der Bus hielt und Heiko stieg wütend aus. Roman stolperte hinterher.
„Jetzt warte halt, Mann!"
Heiko drehte sich nicht um.
Alter, du hast mich total blamiert!"
„Ja, aber ich habe das für dich getan!", sagte Roman.
Heiko schnaubte.
„Das wäre doch nicht nötig gewesen, Brüderchen. Danke, echt."
„Heiko, jetzt warte mal, ich kann alles erklären!", schnaufte Roman.
Doch Heiko schüttelte nur den Kopf, zog sein Longboard aus seiner Sporttasche, warf es auf den Gehweg, sprang drauf und fuhr Roman einfach davon.
„Alter!", schrie ihm Roman hinterher.

BRUDER VOR LUDERGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt