Kapitel 2

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Das würde ihm ähnlich sehen. Dabei hätte ich meinen Freunden vom Gymnasium - aus dem er herausgeworfen wurde - nur zu gerne ein Foto von ihm gezeigt, mit langer Robe und lächerlichem Hut. Keine wohlgeformten Bizepse, keine perfekt gestylte Frisur. Schluss mit Matteo Balsano, dem beliebten Sonnyboy, dem von allen Lehrern gefürchteten Klassenclown, dem Bad Boy, der kleine, brave Mädchen zum Träumen bringt. Wie gerne hätte ich ihn in der Verkleidung als frisch diplomierter Klassenprimus gesehen, der ausnahmsweise einmal in der Menge untergeht, anstatt alle anderen zu dominieren. Ja, ich hätte einiges dafür gegeben, das zu sehen. Aber jetzt gerade liegt meine Lust, ihn zu sehen, gemessen auf einer Skala von eins bis zehn, bei ungefähr minus zwei.

„Wer war das?", fragt mich der kleine Harrison, der angelaufen kommt und dabei sein Kucheltier hinter sich herzieht, einen grünen-weißen, schlaffen, abgeliebten Plüschalligator, auf dessen Vorderbein er ständig herumkaut. „Dein Bruder", antworte ich seufzend.

Besser gesagt: dein bescheuerter Bruder. Dein unausstehlicher Bruder, der sich für den absoluten King und den Mädchenschwarm der ganzen Stadt hält und den du bewunderst, nur weil du erst 3 bist und später so sein willst wie er, obwohl das das Schlimmste wäre, was dir in deinem Leben passieren könnte.

„Matteo!", brüllt der kleine Knirps, reißt seine blauen Kulleraugen auf und beginnt, im Kreis zu laufen, die Arme sie Flugzeugflügel ausgestreckt.

Eigentlich soll ich auf ihn aufpassen, aber auch gut zehn Minuten später spielt Harry noch immer ununterbrochen Flugzeug und wirbelt Alfred den Alligator durch die Luft. Bei jedem erstbesten Geräusch von draußen drückt er seine Stirn - und seine reizende Topffrisur - gegen das Wohnzimmerfenster und lauert auf seinen geliebten Bruder.

„Mama, Matteo ist da!", beginnt er schließlich zu schreien und setzt seinen Gleitflug fort.

Wieder schreckte ich auf. Ein ohrenbetäubendes „Tock! Tock!" an der Eingangstür. Noch nicht einmal da, und schon nervt er: Das ist ganz Matteo Balsano. Ich komme fast um vor Hitze in den Jeans, die ich mir statt meiner Shorts übergestreift habe, um ihn nicht die Freude zu lassen, mit seiner halb amüsierten, halb gleichgültigen Miene meine Beine zu mustern. Inzwischen bin ich bei minus zehn angelangt auf meiner Skala: Keine Lust, sein arrogantes Lächeln zu sehen, sein Grübchen, das alle so süß finden, seine rebellische Tolle, die ihm perfekt in die Augen fällt, die zu braun sind, um ehrlich zu sein, keine Lust, seine Stimme zu hören, keine Lust, in seinem provokanten Blick zu lesen, dass es ein Heidenspaß für ihn ist, sich mit mir anzulegen, weil er ganz genau weiß, dass er der Gewinner sein wird.

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