Kapitel 4

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„Valente, ich weiß, dass du da bist, mach auf", ruft Matteo, der noch immer vor der Tür steht und allmählich ungeduldig wird.

Zum Kuckuck...

Seine Stimme. Sie hat dieselbe Wirkung auf mich wie auf alle anderen mehr oder weniger braven Mädchen aus der Stadt. Die Stimme des Typs, der immer ein bisschen älter wirkt. Die Stimme des Typs, der immer ein bisschen älter wirkt. Die Stimme des Typs mit dem unerschütterlichen Selbstbewusstsein, der vor nichts Angst hat und Befehle erteilt, ohne auch nur eine Sekunde daran zu zweifeln, dass sie befolgt werden. Die Stimme des Typs, der einem in den heißesten Träumen die schamlosesten Dinge ins Ohr flüstern könnte, Träume, wie man sie nie hat, auch dann nicht, wenn man beim Einschlafen ganz fest daran denkt.

„Valente, was treibst du denn? Willst du noch weiter Ratespiele spielen? Ich kann nämlich ohne Weiteres erraten, wie du angezogen bist!", verkündet er mit lachender Stimme. „Versuch's nur", stammelte ich, weil mir nichts Besseres einfällt, und halte den ungeduldig zappelnden Harry fest, der nur Bahnhof versteht.

„Wahrscheinlich hast du dir 'ne Jeans angezogen, damit ich nicht auf deine Beine schiele. Oder eher, um nicht rot zu werden, wenn ich es doch tue. Und bestimmt trägst du eins von diesen unförmigen Tops, damit niemand sehen kann, dass du keine Brüste hast."

Du kotzt mich an...

„Komm rein und halt die Klappe", fahre ich ihn an und Reise die Tür auf, um den grausamen Spiel ein Ende zu bereiten.

Harrison stürzt sich auf ihn und brüllt dabei seinen Vornamen - zumindest annäherungsweise -, dann klammert er sich an sein Bein. Matteo streichelt lange sein Haar, lässt seine langen Finger tausendmal in diese grauenvolle Topffrisur gleiten, auf die seine Mutter so viel Wert legt und die der ältere Bruder bei jeder Gelegenheit genussvoll zerzaust.

„Hallo", sagt ed schließlich etwas leiser zu mir.

Seine Stimme ist tief, sein Blick ernst. Ich dachte, er würde triumphieren, weil er mit meiner Kleiderordnung recht hatte. Stattdessen beobachtet er mich, wartet auf meine Reaktion. Ich hasse diese Selbstsicherheit, mit der er solche Momente des Schweigens ohne Weiteres erträgt. Und die es ihm sogar ermöglicht, das Unbehagen, das er bei anderen hervorruft, zu genießen.

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