Valerions Pläne *Elandra*

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Elandra war erschüttert und glaubte ihren Ohren nicht. Ihre Gliedmassen fühlten sich schwer an und sie konnte sich nicht rühren.

„War das Ihr Ernst?", fragte sie mit offenem Mund und blickte Valerion mit glasigen Augen an.

„Ja, das war mein Ernst.", bestätigte er ihr. „Und? Was sagst du? Möchtest du in der Feste Meruthond verweilen? Wenn du gehen möchtest darfst du jederzeit gehen. Ich möchte dir Einiges beibringen, von denen du noch nichts weisst."

Ihr Herz hüpfte vor Freude. „Unbedingt.", schrie sie förmlich heraus.

„Dann zeigt Bahsar dir jetzt dein Gemach.", verkündete Valerion und sie sah ihn zu ersten Mal lächeln.

Da klopfte es plötzlich an der Tür und alle Blicke waren darauf gerichtet.

Bahsar blickte fragend seinen Herren an und als dieser zustimmend nickte schritt dieser bis zur Tür zu und öffnete sie schwungvoll. Eine kleine, dürre Gestalt stand an der Türschwelle. Ein gekräuselter Bart bedeckte seine Wange von den Ohren bis zum Kinn mit goldenen Drähten und Falten lagen auf der Stirn des alten Mannes. Seine Glatze schimmerte im Sonnenlicht, wo er draussen stand.

„Die Fritische Herrenswache steht vor unseren Toren, mein Herr.", teilte der Mann mit und buckelte. „Sie wünschen Euch zu sprechen."

„Gut.", Valerions gute Laune war wie weggeblasen und er grübelte, über die Nachricht, wie Elandra bemerken konnte. „Wallys, geh und hol die Gäste. Ich werde mir anhören, was sie zu sagen haben."

Wallys verschwand schnell und kam einige Zeit nicht zurück. Stumm sassen die Drei in dem Zimmer, sich fragend was wohl geschehen würde. Bahsar kratzte sich ununterbrochen an seinem Nacken und Valerion atmete tief durch die Nase, wobei es im Rhythmus pfiff. Elandra blickte sich um, sah die Feuerschalen und spürte die Wärme - obwohl sie mehrere Schritte von ihr entfernt waren – und es kitzelte sie auf der Haut.

Die Tür öffnete sich. Dieses Mal hatte Wallys nicht geklopft.

„Mein Herr, der Hauptmann der Herrenswache ist hier.", erklärte er mit röchelnder Stimme.

„Lasst sie rein, Wallys. Geht nun in die Küche oder reinigt die Übungsschwerter unserer Kämpfer. Aber sorgt dafür, dass ich nicht gestört werde.", befahl Valerion in seiner ernsten Stimmlage und Wallys befolgte seinen Wunsch.

Er trat zur Seite und verschwand in einem Ansturm von klirrenden Kettenhemden, geschmückten Harnischen und breitschultrigen Männern.

Der vorderste Mann hatte lange Beine und schlanke, aber muskulöse Arme, und bewegte sich, als ob er in jungen Jahren wäre. Nachtschwarze Locke fielen ihm unter seinem Helm herab auf die Schultern. Der Backenschutz verdeckte einen Grossteil seines Bartes und der Streifen gehärtetes Tierleder, der unter seinem Nasenschutz verlief und in seinem Backenschutz verschwand, verlieh dem Mann etwas mysteriöses und unheimliches. Die scharfen, schwarzen Diamanten in seinen Augenhöhlen schweiften umher und erkundeten den Raum und seinen Gesichtern darin.

Mit einer beruhigenden Stimme begann er zu sprechen: „Valerion, mir sind Nachrichten zu Ohren gekommen." Ein Lächeln lag auf seinen Lippen und bei jedem Schritt schlug seine Schwertscheide klirrend gegen sein eisernes Hemd. „Möchtest du wissen was?"

„Ich nehme an es hat mit dem Mädchen zu tun, Hauptmann Trevon.", räumte Valerion mit kühler Gelassenheit ein, derweil sich Elandra von der Kiste erhob und sich hinter dem mächtigen Bahsar stellte. Der Hauptmann beobachtete sie mit scharfem Blick.

„Nenn mich Alendar." forderte er und lächelte nach wie vor. „Du hast recht. Sie hat in Anwesenheit eines Magistrates Magie praktiziert. Er hat die Stadtwachen auf sie angesetzt."

"Verschwindet.!", entfuhr es Valerion wütend und Elandra blickte ihn erschrocken an. "Eure Aufgabe liegt darin den Rat von Wüstenkranz zu beschützen und nicht unschuldige Mädchen zu entführen."

„Nehmt Euch in Acht, Hexer.", die Geduld des Hauptmannes war verflogen und er spuckte das letzte Wort förmlich aus. Hexer, dachte Elandra schockiert. Er ist ein Hexer? „Vergesst den Pakt nicht. Ihr wärt längst tot; verrottet auf den Strassen der Stadt oder von einem wütenden Mob in Stücke gerissen worden, ohne die Hilfe unseres Herrn. Also wagt es nicht die Reichweite der Fritischen Herrenswache zu bestimmen."

Valerion stand ruhig da. Seine Hände in den tiefen Taschen seines Mantels und seine blauen Augen auf den Hauptmann gerichtet.

„Ihr seid gekommen, um das Mädchen zu holen. Hab ich recht?", hackte Valerion mit finsterer Miene nach. Elandra schauderte und blickte ihn an. Würde er mich wirklich hergeben?  Sie bekam Angst und fragte sich was der Hauptmann wohl mit ihr anstellen würden.

Der Hauptmann nickte. „Zu viele Leute haben es gesehen. Wir müssen sie mit uns nehmen."

„Nein, werdet ihr nicht.", wandte Bahsar ein und straffte seine Brust.„Eher werde ich Euch alle in Stücke reissen."

Einige der Soldaten griffen schnell an ihren Schwertknauf, doch Alendar zeigte ihnen mit einer Handgeste ihren Stahl fürs erste in der Scheide ruhen zu lassen. Elandras Haare sträubten sich. Sie wäre am liebsten davongerannt in ihre Gassen und Strassen in denen sie aufgewachsen war, nur hinfort von alledem.

„Das war keine Frage, Narmone.", schnaubte er aus seinem Helm heraus und seine Augen funktelten bösartig. „Ich werde sie auch mit Gewalt holen, wenn es nötig ist." Elandra fürchtete Valerion und Bahsar könnten nachgeben, Angst bekommen und sie aushändigen und sterben lassen.

Da tat Valerion einen Schritt zurück und sie war sich sicher, dass ihre Zeit gekommen war und sie wollte sich gerade umdrehen, durch die Tür stürmen und von ihnen allen verschwinden.

Und plötzlich sprach Valerion mit einer abgrundtiefen Stimme, wie sie es noch nie zuvor gehört hatte. Die Flammen begannen zu flackern und Dunkelheit kroch die Wände hoch und die Luft im Raum wurde kühl und liess Elandras Nackenhaare aufstellen. Auch Bahsar schien eingeschüchtert und schaute seinen Herrn entsetzt an.


"Wagt es nicht, mir in meinem Sitz zu drohen, Hauptmann.", brüllte Valerion und erhob seine Arme seitlich. Elandra hatte das Gefühl der Tag  sei zur finsteren Nacht gewechselt. Kein Licht drang durch die schmalen, kopfhohen Fenster und die Kälte schlich umher - versuchend Elandras Gunst zu umwerben. Doch sie schauderte und verschränkte ihre Arme vor der Brust und schlotterte neben Bahsar, der ebenso die Kälte zu spüren schien. Die Flammen begannen zu lodern, sich zu erheben und um sich zu schlagen - auf der Suche nach einem Fetzen Stoff oder Holz um sich zu verbreiten und alles zu verschlingen. Dennoch verspürte Elandra keinen Hauch Wärme und nur der Frost lag im Raum. Valerions Augen leuchteten noch heller, als sie es ohnehin schon taten. "Zwingt mich nicht meine Mächte einzusetzen, Alendar. Das Mädchen bleibt hier und wird Novizin der Feste Meruthond, um Eurem heuchlerischem Herrn den Gefallen zu tun, wofür wir hier sind. Vergesst die Wahrheit nicht, Alendar. Jene, die wir kennen und nicht in die falschen Ohren gelangen wollen."

Die Soldaten schauderten vor seinem Anblick und Alendar sah nervös um sich und schien die Lage abzumessen. Die Herrenswache hielt schützend ihre Schilde vor sich, um sich vor Gefahren von Valerion zu schützen und hielten angespannt ihre Panzerfäuste an ihren Schwertknäufen, ehe Alendar zum Schluss kam: " Gut. Jedoch lasse ich Euch lediglich für das Wohl des Magistrates gehen.", er gab seinen Soldaten den Befehl zu gehen. "Mal sehen, wie er die Nachricht entgegennimmt.", verkündete er und Elandra bemerkte sein Lächeln.

Klirrend verliessen sie den Raum und wurden von Wallys aus der Feste begleitet.

Stille lag im Raum, die Kälte hatte sich davongeschlichen und die Feuerschalen loderten in normalem Mass. Was hatte er mit Hexer gemeint? Ist er einer dieser und was meinte er mit Novizin?  Tausende Gedanken schwirrten in ihrem Kopf umher und begann ihr Kopfschmerzen zu bereiten. Da ergriff Valerion das Wort: "Ich weiss du hast viele Fragen. Aber du musst eines wissen.", er blickte ihr tief in die Augen. "Wenn du nicht bei uns bleibst, wird der Magistrat dich festnehmen lassen. Bleib hier; lerne Unvergleichliches über deine Fähigkeiten, lerne etwas über deine Vorfahren und vor allem über deine Art. Es wird Zeit, dass du das Leben einer Hexerin annimmst. Und es wird Zeit, dass du eine wirst."


Prophezeiung der Winde *PAUSIERT*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt