Müde wandt ich mich in meinem Bett und zwinkerte der Sonne zu. Ich spielte mit meinen Haaren und starrte lächelnd die Decke an. Wann war ich zuletzt so glücklich gewesen? Ich strei-chelte mir über die Arme und zuckte sofort zusammen. Er schmerzte, aber...hatte Anton nicht den Arm behandelt? Ich hob ihn und betrachtete die noch offene Wunde. Ungläublich lag ich da. Langsam setzte ich mich auf, starrte in den Spiegel und entdeckte die Wunde auf der Wange, die Toni doch gestern Abend behandelt hatte. Oder... war es wirklich nur ein Traum gewesen?
Schnell sprang ich aus dem Bett, warf mir etwas über und rannte die Treppe hinunter. Großvater stand wie jeden Morgen am Herd und sagte mir freundlich Hallo. ,,Großvater, ich habe eine seltsame Frage: Hast du mich und Toni gestern Abend zu der Lichtung geschickt, wo ich auch den Stein abgeholt habe?", lang-sam drehte er sich um und sah mich verwirrt an. ,,Nicht das ich wüsste. Was redest du da?", er runzelte die Stirn. ,,Komm' mal her. Hat sich eine deiner Wunden entzündet?", diese Antwort war wie ein Schlag in die Magengrube. Also ist es wirklich nicht war, dachte ich traurig. ,,Iss erstmal was, dann behandeln wir deine Wunden."
Ich gehorchte widerwillig, ass etwas und ließ mich danach von Opa behandeln. Der Tag ging wie ein Schatten an mir vorbei. Nach meiner Behandlung kam Toni. Der Moment, als wir uns sahen, war für mich sehr komisch. Vielleicht auch für ihn, aber ich wüsste keinen Grund. Der Kuss geschah ja anscheinend nur in meinem Traum.
Wir übten Formeln und meditierten an der Natur. Groß-vater zeigte uns, wie wir unsere Elemente in uns spüren können und damit zauberten. Ich bekam nicht viel mit, trotzdem versuchte ich mein Bestes und Großvater lobte mich hin und wieder. Auch Toni war irgendwie nicht so ganz bei der Sache, wieso wusste ich nicht. Am Abend legte ich mich schlafen, ging davor noch einmal ein paar Sprüche durch und so ging es weiter. Fast eine Woche ging es so, jeden Tag. Toni benahm sich komsich und ich war nicht ganz ich selbst. Ich hatte gedacht, sobald das Theater mit dem Stein vor-bei ist, wäre vieles anders, aber im positiven Sinne. Jetzt war es de-finitiv anders, aber nicht im Positiven. Aber was ich am wenigsten verstanden – warum benahm sich Anton genauso komisch? Selbst Großvater lachte nicht mehr so oft, wie sonst. Jeder Tag lief gleich ab, ich stand auf, ass mit Opa, Toni kam und wir übten, wir assen zu Abend und schon schlief ich. Mittlerweile ging das Ganze schon fast ein einhalb Wochen, bald würden wir zusammen nach Quarin reisen. Dort würden wir Aren, Salem und Jade kennenlernen, falls die beiden Lehrlinge es geschafft hatten. Die Trostlosigkeit, die mich Tag für Tag heimsuchte, kotzte mich langsam an. Reiß dich endlich zusammen, dachte ich und schrie mich innerlich wütend an.
,,Guten Morgen.", noch zwei Tage, bis wir aufbrachen und da ich es satt hatte, versuchte ich glücklicher zu wirken und das auch zu sein. Lächelnd kam ich die Treppe hinunter, begrüßte la-chend Großvater und bekam dadurch einen verwunderten Blick von ihm ab. ,,Guten Morgen.", er widmete sich wieder seinem Spiegelei und fing an ein altes Wanderlied zu pfeifen. Ich holte Geschirr aus dem kleinen Schrank, neben dem Herd und richtete den Tisch. Ich fragte ihn wie es ihm ginge, er antwortete nicht, sondern drehte sich nur kurz lachend zu mir um. Ich hörte die Haustür und sah plötzlich Tonchen vor mir, wie er mich verwundert an sah. Er hatte wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass ich schon auf war. Ich lächelte ihn an und verlegen lachte er mir zurück.
Wir assen zusammen, übten danach und da ich mich endlich besser konzentrieren konnte, wurde ich immer besser. Großvater zeigte mir, wie ich mit dem Wasser addieren konnte. Toni zeigte er, mit Erde zu addieren. Der nächste Tag verging genauso, am Abend bat mich Opa meine Tasche zu packen, da wir eine Nacht oder länger bei seinem Freund Aren übernachten würden.
Am Abend verabschiedete ich mich Anton, sagte zu Opa Gute Nacht und ging in mein Zimmer. Die letzten Tage waren schöner gewesen. Ich fühlte mich sehr viel besser, ich meine, ich konnte Wasser bändigen, war eine der besten Magierinnen im El-fenreich und hatte dazu einen tollen Meister und fabelhaften, besten Freund. Ich stand am Fenster, lehnte die Arme auf dem Fen-stersims ab und starrte auf die Häuser nebenan und beobachtete die Sterne am dunkelblauen Himmel. Ich strich mit meinen Finger über das Holz unter meinen Unterarmen. Lange blickte ich einfach nur auf den Himmel, die Sterne funkelten mir entgegen.
Als ein Stein gegen mein Fenster klirrte, zuckte ich heftig zusammen. Ich wusste sofort wer es war und da stand er auf. Tonis braune Locken zitterten vor Lachen. Ich grinste ihm entgegen, er winkte mich zu ihm runter. Ich ging aus dem Zimmer, die Treppe runter und öffnete leise die Haustür. ,,Hey, was willst du?", ich grinste ihn an. Er fuhr sich ein paar mal durch die Haare, was verriet, dass er nervös war. ,,Ist was los?", ich lächelte verwirrt. ,,Komm.", er winkte mich mit sich, ging hinter's Haus, wo eine kleine morsche Bank stand und bedeutete mir, mich neben ihn zu setzen.
,,Also, was gibt's?", ich lächelte nicht mehr, da ich merkte, dass es irgendwie unangebracht war, da er mir betrübt vorkam. ,,Ich habe eine Frage.", langsam wurde ich neugierig, da seine Stim-me etwas zitterte und er immer wieder stockte. ,,Ja?", ich wurde unruhig und angespannt. ,,Was willst du mich fragen?"
,,Ich habe letztens etwas ganz Komisches geträumt.", wieder stockte er, aber ich glaubte langsam zu wissen, was er meinte, aber glauben tat ich es noch nicht, da es einfach nicht sein konnte. ,,Ok, ich bring's einfach hinter mich.", er verschränkte die Hände und sah mich an, als wolle er seine ganzen Gedanken, alles, was gerade in ihm vorging, nur mir widmen und nichts anderem. ,,Ich habe geträumt, dass uns Großvater, wegen deinen Wunden zu der Lichtung schickte, an der du deinen Stein bekommen hattest. Ich sollte mich um deine Wunden kümmern und während wir redeten, kam es plötzlich dazu, dass..", er hielt inne, fuhr aber gleich wieder fort: ,,Dass wir uns küssten.", er sah mir tief in die Augen und die Spannung war erdrückend.
Ich musste grinsen und lachte leise, als ich bemerkte, dass ich also nicht so gestört war, wie ich anfangs gedacht hatte. Es ist also zwar nicht war, aber es war ein schöner Traum, den ich mit ihm geteilt hatte. Auf mein Lachen hin, runzelte Toni die Stirn und sah mich wütend an. Er verstand es völlig falsch: ,,Was soll das? Lachst du mich jetzt etwa aus? Dankeschön, ich dachte, ich könnte mit dir über alles reden.", er stand ruckartig auf. Erst verstand ich gar nicht, aber schnell griff ich mit meiner Hand nach seiner und sah ihn geknickt an. ,,Nein, so darfst du das nicht verstehen, bitte.", ich zog ihn zu mir runter auf die Bank und murmelte: ,,Ich habe dasselbe geträumt. Ich...ich hab' genau dasselbe geträumt und lachte deshalb, weil ich irgendwie wusste, das du das sagen würdest und das du es dann wirklich sagst, dass du das geträumt hast, das war..", ich lächelte und betrachtete seine braunen Augen.
,,Das war magisch.", er zog lächelnd eine Augenbraue hoch. Ich hielt immer noch seine Hand. Als sich langsam sein Ge-sicht meinem näherte und ich noch sah, wie er seine Augen schloss, versperrte ich die Außenwelt vor mir, indem ich auch die Augen schloss und mich langsam vorbeugte. Das ist kein Traum, dachte ich und wünschte mir so sehr, dass es wirklich kein Traum sei.
,,Hey Toni, was machst du denn hier?", ich zuckte zu-sammen. Großvater stand an der Hausecke und beäugte uns ver-wundert. ,,Meister.", ruckartig stand er auf, sah kurz zu mir und dann wieder zu Großvater. ,,Ich musste nur kurz was mit Sila be-reden. Wir sind eh schon fertig, nicht?", er wandte sich an mich und ich nickte schnell. Er machte mir nach und ging dann auf ihn zu. ,,Ich denke, ich gehe jetzt. Wir müssen morgen früh los, oder?", Opa nickte ihm zu. ,,Na gut. Ich gehe dann mal lieber.", er ließ den Kopf hängen, wie ein Hund der geschlagen wurde und ging. Kurz drehte er sich zu mir um und sagte mir mit einem Blick Tut mir leid.
Kaum war er weg, kam der Meister auf mich zu, setzte sich neben mich und murmelte: ,,So, so. Mach' dir keine Gedanken, ja? Wir werden früh losgehen. Geh' in dein Zimmer und schlaf gut, ja?", er lächelte mir zu, streichelte meinen Rücken tröstend. Ich stand auf und wollte gerade gehen, als ich noch ein murmelndes Tut mir leid hörte, was an diesem Abend nicht das erste Mal war. Kurz blieb ich stehen, kaute mir auf der Unterlippe herum und ging dann ins Haus.

DU LIEST GERADE
Sila's Zauberstein
FantasySila ist eine Magierin, die ihre Prüfung abschließen will. Doch inwiefern soll ihr dabei ein Stein helfen? Und warum verhält sich ihre Großvater so seltsam? Noch dazu spielen ihre Gefühle Toni gegenüber verrückt.. fühlt er denn genauso?