Für mich ist die Schule ein Ort, an dem ich normal sein darf und soll. Es ist meine Entscheidung, mein Verhalten so gut es geht anzupassen.
Doch wenn ich nachmittags meinen Fuß aus dem Bus setze, ist es vorbei. Ich kann autistisch sein. Ich bin zu Hause. Alles ist okay.
Das habe ich mal gedacht, doch nun ist es anders. Mittlerweile glaube ich, dass meine Mutter von mir verlangt, normal zu sein. Vielleicht bilde ich mir das nur ein, denn ich bin davon besessen geworden. Ich versuche jeden Makel meiner Mimik und Gestik, meiner Sprache und meines Blickes normal zu halten.
Ich will keine Autistin sein. Ich will es nicht. Es macht das Leben schwerer, es macht es einfach nur beschissener. Vielleicht hätte ich es nie erfahren sollen. Vielleicht hätte ich die Frage einfach sein lassen sollen und mal auf die Ehrlichkeit meiner Mutter verzichtet.
Ich will genau die gleichen Dinge können, die andere können und das Schlimmste ist, ich werde es nie können.
Meine Freunde können auf andere zu gehen und sie mit einem geistigen Dünnschiss voll labern ohne sich zu schämen. Meine Güte, ich hab schon Probleme mich zu melden.
Ich bewundere sie, ich bewundere so gut wie jeden normalen Menschen, weil sie Dinge können, die ich nicht kann. Besonders wenn es um motorische Fähigkeiten geht. Heilige Scheiße, es ist ein Wunder, dass ich in WAT für meine Werkstücke tatsächlich noch 'ne 2 bekomme.
Dafür kann ich besser zeichnen als manch anderer. Und das macht mich stolz. Ich drücke auch nicht mehr so doll auf wie früher. Meine Linien waren früher wirklich fast Balken.
Basteln oder Falten wird nie mein Ding sein. Es macht mir Spaß, doch ich mag es nicht das in der Gruppe zu tun. Dann wird mir nur wieder mal vorgeführt, wie unfähig und scheiße ich bin.
Wir haben bei uns jedes Jahr in der vorletzten Schulwoche eine Projektwoche. Wir haben dann ganz viel zur Auswahl und das Motto lautet: Du kommst zu dem Projekt, welches du dir am wenigsten gewünscht hast. Das heißt dann, das wäre der dritte Drittwunsch.
Mein Zweitwunsch wurde aber erfüllt und er trieb mich in Depressionen. Korbflechten. Mit so gut wie fast jedem Mädchen aus meiner Klasse.
Und man merkt wieder, wie ich in Depressionen verfallen bin. Dazu kam, dass unsere Lehrerin schnell laut wurde. Bei mir zum Glück nicht, aber bei den anderen, heilige Scheiße, sind dort Tränen geflossen.
Ich hatte eher Depressionen, weil meine Körbe aussahen wie kleine Mutanten. Den besten hab ich behalten und der erinnert mich immer sehr an McDonald's. Er ist nämlich rot und gelb.
Die anderen sahen wirklich perfekt aus und ich zwei Mädchen in meiner Klasse, bei denen ich mich frage, wie perfekt sie eigentlich sein können. Sie können alles. Alles. Wirklich alles.
Und ich schäme mich vor ihnen Dinge zu tun, die ich nicht kann. Es ist wirklich nicht schön.
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Igelkind
Ficción GeneralWillkommen in meinem autistischen Kopf. Ich beschreibe hier mich selbst, um Dinge zu verarbeiten. Einfache Situationen oder Gedankengänge. Autismus. Das ist schwierig zu erklären, doch wenn ich sage, ich bin wie Sheldon Cooper, tue bloß so, als wär...
