Vor circa zwei Wochen bin ich nach Hause gekommen und meine Mutter erzählte mir, dass sie im Nachtdienst und als sie zuhause war, Blut gehustet hatte. Und das nicht wenig.
Ich hielt ihr eine Rede, warum sie nicht zum Arzt gegangen ist, warum sie heute überhaupt noch arbeiten will.
Aber sie bestand darauf, dass es nur einmalig war.
Ein paar Stunden später ging es wieder los. Und es war dieses Mal nicht nur Blut. Sie konnte nicht laufen, nicht sprechen, nicht atmen.
Ich glaube, ich werde niemals mehr aus dem Kopf kriegen, wie sie vor mir auf dem Bett saß und ins blutige Taschentuch sah und anfing zu weinen, während sie sagte: "Das ist so viel."
Wir haben den Krankenwagen gerufen und sie wurde in eine Lungenklinik gebracht. Am Tag danach kam sie auf die Intensivstation und als ich sie besuchte, während sie an all diesen Schläuchen hang und es feststand, dass dort in ihrer Luftröhre ein Tumor hing, war mein Herz so schwer.
Und dann eine Woche später hatte ich Geburtstag.
Und sie bekam ihre Krebsdiagnose.
Adenoit zystisches Karzinom. Seltener, langsam wachsender, bösartiger Tumor.
Und Metastasen in der Leber.
Meine Schwester und ich lagen in ihrem Krankenhausbett und weinten uns zu dritt die Augen aus, während ich meine Geschenke auspackte.
Am Abend sagte meine Schwester, dass ich mich entscheiden müsste, wo ich dann leben wollen würde, falls Mama vor meinem 18. stirbt.
Warum muss ich über so was nachdenken? Ich bin 17. Ich sollte mir Gedanken darüber machen, wann ich einen Freund bekomme und nicht wann meine Mutter stirbt.
Ich will das alles nicht fühlen. Ich fühl mich schlecht, dass es mir schlecht geht, während es meiner Mutter viel schlechter geht.
Ich hab so Angst. Dauerhaft. Als wäre jede Sekunde alles vorbei. Wenn jemand hustet, erwarte ich direkt einen Schwall Blut. Wenn ich einen Krankenwagen sehe, gehe ich davon aus, meine Mutter fährt mit.
Das alles hatte noch Zeit. Wenigstens bis zum Abiball dachte ich. Bis dahin sollte sie noch durchhalten, das hatte sie mir immer versprochen.
Bei unserem letzten Streit sagte sie: "Was sollst du denn machen, wenn ich bald nicht mehr da bin?".
Ich dachte nicht, dass bald so schnell eintrifft.
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Igelkind
General FictionWillkommen in meinem autistischen Kopf. Ich beschreibe hier mich selbst, um Dinge zu verarbeiten. Einfache Situationen oder Gedankengänge. Autismus. Das ist schwierig zu erklären, doch wenn ich sage, ich bin wie Sheldon Cooper, tue bloß so, als wär...
