Meine Frühförderung sah so aus:
Ergotherapie.
Ergotherapie.
Logopädie.
Physiotherapie.
Ich muss sagen, dass mir am meisten die Ergotherapie Spaß gemacht hat. Ich meine, wem würde Ergotherapie nicht Spaß machen? Du spielst Spiele, bastelst und löst ein paar Rätsel, das alles fördert dich und macht auch noch Spaß.
Ich ging den gesamten Kindergarten lang zur Ergo. Und etwa ein halbes Jahr in der Grundschule. Ich glaube in zweite Klasse oder so.
Es gab dort in dem Raum, in dem ich meistens war, war ein Trampolin, eine Art Klotz aus Matten, einen Tisch, jede Menge farbenfrohe Basteleien an den Wänden und Fenstern und einen Schrank voller Brettspiele. Dort war auch eine Kiste mit Linsen. In die konnte man sich reinsetzen und fühlen. Ich liebte diese Kiste, auch wenn die Linsen in all den Klamotten festhingen.
Nebenan der Raum war er ein Raum für größere Spiele. Das heißt Gruppenspiele. Diese Matte, oh Gott, sie wird Ewigkeiten in meinen Erinnerungen bleiben. Kennt ihr diese Sandwichmatten? Die praktisch aus zwei Teilen bestehen und man dann umklappen kann? ICH LIEBTE DIE!
Also, um es kurz zu machen, ich fand's dort toll. Ich hab alles gemacht, was ich machen konnte. Von fucking häkeln (ja, ich kann a bissl häkeln) bis zu Popcorn machen.
Logopäde hatte ich bis zur Grundschule und ich habe nichts mehr gehasst. Eigentlich war ich dort hauptsächlich nur, weil ich nicht sprechen wollte und weil meine Zunge irgendwie zu langsam wuchs oder so. Wenn ich heute spreche, finde ich, ist das wie eine Mischung aus Nuscheln und Lallen. Ich mag meine Stimme nicht so und manchmal frage ich mich, warum meine Freunde mir überhaupt noch zuhören. Ich hab zur Zeit wirklich Probleme mich zu artikulieren. Also, meistens stotter ich herum und lasse es trotzdem sein.
Um das nun alleine zu trainieren, nehme ich meine Stimme auf und guck, wo es Probleme gibt. Es hilft manchmal.
Und Physiotherapie hab ich mindestens einmal im Jahr. Ich bin hauptsächlich dort, um jegliche Zerrungen irgendwie verschwinden zu lassen oder um Muskeln aufzubauen. Denn ich habe in meinen Schultern so gut wie keine.
Außerdem muss ich dort, wenn ich Probleme mit meinen Füßen hab, immer diesen Spann machen. Das Ding mit den Füßen was Ballerinas immer machen, also so seine Füße krümmen, grob gesagt. Und sie werden zerdrückt, aber hey, das hilft sogar.
Seitdem herausgefunden wurde, dass ich Autismus hatte, muss ich jährlich ein SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum) besuchen. Meistens ist dann noch direkt der Orthopädentermin mit verbinden aber gut. Wenn ich dort erstmal ankomme muss so gut wie alles erstmal gemessen werden. Blutdruck, Puls, Kopfumfang, Größe, Gewicht und so weiter und so sofort.
Später werde ich dann zu meiner Psychologen geschickt, die einfach ARRGH! Sie hat mich und meine Mutter mein ganzes Leben abgefuckt. Sie wollte mich zur Pferdetherapie schicken. Und ich hasse Pferde wie die Pest. Sie hatte auch gesagt, dass die Beziehung zu meiner Mutter viel zu eng ist und dass wir viel zu viel reden. Ähm, ja. Entschuldigung, dass ich nicht dem typischen Autistenbild entspreche, welches nie mit seinen Eltern spricht und nicht weiß, wie es genau mit ihnen umgehen soll. Seitdem sie letztes Jahr aber bei ihrer Fortbildung war, hatte sie eine Erleuchtung und nun ist es so gut, wie es ist. Kein Scheiß, das war das erste Mal, dass wir aus diesem Raum kamen und gelächelt haben.
Sie ist der Grund, weshalb ich es besser machen will. Ich würde gern Psychologin werden, aber ich hab Angst, dass ich damit nicht klarkomme. Dass mich Verhaltensweisen von anderen Menschen so nerven, dass ich sie vollmotze und einfach sage, dass sie ihren Arsch hochbekommen sollen, mal etwas lächeln sollen und leben sollen. Sie sollen die Rasierklingen mal nicht im Arm stecken haben, mal ihren Finger aus dem Hals nehmen und gegen Ana und Mia protestieren.
Aber mit Autisten zu arbeiten wäre für mich sehr interessant. Das Ding unter Autisten ist, wir können uns einen Kilometer weit erkennen und wissen sofort, dass wir die gleiche Art sind. So merkwürdig es klingt, aber es ist halt wirklich wahr.
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Igelkind
Ficción GeneralWillkommen in meinem autistischen Kopf. Ich beschreibe hier mich selbst, um Dinge zu verarbeiten. Einfache Situationen oder Gedankengänge. Autismus. Das ist schwierig zu erklären, doch wenn ich sage, ich bin wie Sheldon Cooper, tue bloß so, als wär...
